Rosch haSchana — Blatt 18a
1das eine gelte vom unbesiegelten Urteil und das andere gelte vom besiegelten Urteil. – Auch hier handelt es sich um einen Einzelnen.
2Über die Urteilsbesiegelung eines Einzelnen [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Meír sagte: Wenn zwei infolge gleicher Krankheit in das Bett steigen, oder wenn zwei wegen der gleichen Anklage auf den Richtplatz geführt werden, [so kommt es vor,] daß einer [das Bett] verläßt und der andere nicht, daß der eine gerettet wird und der andere nicht.
3Weshalb verläßt der eine [das Bett] und der andere nicht, wird der eine gerettet und der andere nicht? Der eine flehte und wurde erhört, der andere aber flehte und wurde nicht erhört. Weshalb wurde der eine erhört und der andere nicht? Der eine flehte mit Inbrunst und wurde erhört, der andere flehte ohne Inbrunst und wurde nicht erhört:
4R. Elea͑zar erklärte: Der eine [flehte] vor der Besiegelung des Urteils und der andere nach der Besiegelung des Urteils. R. Jiçḥaq sagte: Das Flehen ist für den Menschen immer gut, ob vor der Besiegelung des Urteils oder nach der Besiegelung des Urteils.
5Wird denn das Urteil einer Gemeinde zerrissen, ein Schriftvers lautet ja: wasche vom Bösen das Herz, und ein anderer lautet: wolltest du dich auch mit Lauchsalz waschen, und viel Seife an dich wenden, schmutzig bleibt doch deine Missetat vor mir; wahrscheinlich das eine, wenn vor der Besiegelung des Urteils und das andere, wenn nach der Besiegelung des Urteils!? –
6Nein, beides nach der Besiegelung des Urteils, dennoch ist dies kein Widerspruch; eines gilt von einer Urteilsbesiegelung, die beschworen worden ist, und eines gilt von einer Urteilsbesiegelung, die nicht beschworen worden ist.
7Dies nach R. Šemuél b. Ami, denn R. Šemuél b. Ami, und wie manche sagen, R. Šemuél b. Naḥmani, sagte im Namen R. Jonathans: Woher, daß die beschworene Urteilsbesiegelung nicht mehr zerrissen wird? Es heißt: so habe ich denn der Familie Eli geschworen: wahrlich, die Schuld der Familie Elis soll weder durch Schlachtopfer, noch durch Speisopfer jemals gesühnt werden.
8Rabba sagte: Durch Schlacht- und Speisopfer wird sie allerdings nicht gesühnt, wohl aber durch [das Studium] der Tora. Abajje sagte: Durch Schlacht- und Speisopfer wird sie allerdings nicht gesühnt, wohl aber durch [das Studium] der Tora und durch Liebeswerke. Rabba und Abajje entstammten der Familie E͑lis; Rabba, der sich mit der Tora befaßte, lebte vierzig Jahre, Abajje, der sich mit der Tora und Liebeswerken befaßte, lebte siebzig Jahre.
9Die Rabbanan lehrten: In Jerušalem war eine Familie, deren Mitglieder mit achtzehn Jahren starben. Als sie zu R. Joḥanan b. Zakkaj kamen, und es ihm erzählten, sprach er zu ihnen: Ihr entstammt wahrscheinlich der Familie E͑lis, von der es heißt:die ganze Menge deines Hauses soll im Mannesalter sterben; geht und befaßt euch mit der Tora, so werdet ihr leben. Darauf gingen sie und befaßten sich mit der Tora, und sie blieben leben. Diese benannte man nach ihm ‘Familie des R. Joḥanan’.
10R. Šemuél b. Inja sagte im Namen Rabhs: Woher, daß das schlechte Urteil über eine Gemeinde nicht besiegelt wird? – ‘Nicht besiegelt wird’, es heißt ja: schmutzig bleibt doch deine Missetat vor mir!? – Vielmehr, daß es zerrissen wird, obgleich es besiegelt worden ist? Es heißt: wie der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen. –
11Es heißt ja: suchet den Herrn, da er sich finden läßt!? – Jenes gilt von einem Einzelnen, dies aber von einer Gemeinde. –
12Wann ist er für den Einzelnen [zu finden]? Rabba b. Abuha erwiderte: In den zehn Tagen vom Neujahrsfeste bis zum Versöhnungstage. Und es währte etwa zehn Tage, da schlug der Herr den Nabal. Welches Bewenden hat es mit den zehn Tagen? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Entsprechend den zehn Schlucken, die Nabal den Dienern Davidsgab. R. Naḥman sagte, im Namen des Rabba b. Abuha: Das waren die zehn Tage vom Neujahrsfeste bis zum Versöhnungstage.
13AM NEUJAHRSFESTE ZIEHEN ALLE WELTBEWOHNER AN IHM WIE IM HAMMELSPRUNGE VORÜBER. Was heißt: wie im Hammelsprünge? – Man erklärte: Wie die Schafe. – Reš Laqiš erklärte: Wie der Stufengang von Beth Maron. R. Jehuda erklärte im Namen Šemuéls: Wie Truppen des Davidischen Hauses.
14Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Alle werden jedoch mit einem Überblick überschaut. R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach: Auch wir haben gelernt: Er bildet ihnen insgesamt das Herz, er merkt auf all ihre Taten; wie meint er es: wollte man sagen, er führe die ganze Welt zusammen und vereinige ihre Herzen, so sehen wir ja, daß dem nicht so ist; wahrscheinlich meint er es wie folgt: der Bildner überschaut mit einem Male ihr Herz und merkt auf all ihre Taten.
15SECHS MONATE SIND ES, DERENTWEGEN BOTEN AUSZIEHEN: DER NISAN WEGEN DES PESAḤFESTES, DER AB WEGEN DES FASTTAGES, DER ELUL WEGEN DES NEUJAHRSFESTES, DER TIŠRI WEGEN DER FESTSETZUNG DER FESTE, DER KISLEV WEGEN DES ḤANUKAFESTES UND DER ADAR WEGEN DES PURIMFESTES;
16ALS DER TEMPEL BESTAND, AUCH DER IJAR, WEGEN DES KLEINPESAḤS.
17GEMARA. Sie sollten doch auch wegen des Tammuz und des Ṭebeth ausziehen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.