Rosch haSchana — Blatt 17b

1nur dem, der sich als Überrest betrachtet.

2R. Hona wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: der Herr ist gerecht in all seinen Wegen, dagegen aber heißt es : gnädig in all seinen Taten!? Anfangs gerecht, später aber gnädig.

3R. Elea͑zar wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: bei dir, o Herr, ist Gnade, und darauf heißt es: denn du vergiltst einem jeden nach seinem Tun!? Anfangs: du vergiltst jedem nach seinem Tun, später aber: bei dir, o Herr ist Gnade.

4Ilphi, und wie manche sagen, Ilpha, wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: reich an Gnade, und darauf heißt es: und in Wahrheit!? – Anfangs: in Wahrheit, später aber: reich an Gnade.

5Der Herr zog an ihm vorüber, indem er rief. R. Joḥanan sagte: Wäre es nicht ein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es garnicht sagen: dies lehrt nämlich, daß der Heilige, gepriesen sei er, sich wie ein Vorbeter [in den Gebetmantel] hüllte und Moše die Gebetsordnung zeigte, indem er zu ihm sprach: So oft die Kinder Jisraél sündigen werden, mögen sie vor mir nach dieser Ordnung verfahren, und ich vergebe ihnen.

6O Herr, o Herr; ich bin [gnädig] bevor der Mensch sündigt, und bin es nachdem er gesündigt und Buße getan hat. Ein barmherziger und gnädiger Gott.

7R. Jehuda sagte: Es ist ein geschlossenes Bündnis, daß die dreizehn Eigenschaften [Gottes] nicht erfolglos bleiben, denn es heißt: siehe, ich schließe ein Bündnis.

8R. Joḥanan sagte: Bedeutend ist die Bußfertigkeit, daß sie sogar das besiegelte Urteil des Menschen zerreißt, denn es heißt: verfettet ist das Herz dieses Volkes, verhärtet seine Ohren und geblendet seine Augen; würde es mit seinen Augen sehen, mit seinen Ohren hören und seinem Herzen verstehen, so könnte es Buße tun und Heilung finden.

9R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht nur vor der Besiegelung!? Dieser erwiderte: Es heißt: und Heilung finden und das besiegelte Urteil ist es, das der Heilung bedarf.

10Man wandte ein: Wer inzwischen Buße tut, dem vergibt man, und wer inzwischen keine Buße tut, dem vergibt man nicht, selbst wenn er alle Widder von Nebajoth darbringt!? – Da ist kein Widerspruch; eines gilt von einem Einzelnen und eines gilt von einer Gemeinde.

11Man wandte ein: Die Augen des Herrn, deines Gottes, sind auf dieses gerichtet; zuweilen zum Guten und zuweilen zum Bösen. Wieso zum Guten? Wenn die Jisraéliten am Neujahrsfeste völlig frevelhaft waren, sodaß man ihnen nur wenig Regen ausgesetzt hat, und später Buße tun, so ist es zwar nicht mehr möglich, ihnen dazu hinzuzufügen, da das Urteil bereits besiegelt ist, jedoch läßt ihn der Heilige, gepriesen sei er, zur erforderlichen Zeit und auf geeigneten Boden niederfallen.

12Wieso zum Bösen? Wenn die Jisraéliten am Neujahrsfeste völlig rechtschaffen waren, sodaß man ihnen reichlichen Regen ausgesetzt hat, und später rückfällig werden, so ist es zwar nicht mehr möglich, ihn ihnen zu mindern, da das Urteil bereits besiegelt ist; jedoch läßt ihn der Heilige, gepriesen sei er, zu einer nicht erforderlichen Zeit und auf ungeeigneten Boden niederfallen.

13Zum Guten sollte er ja das Urteil zerreißen und ihnen hinzufügen!? – Hierbei ist es anders, da es auch so möglich ist. –

14Komm und höre: Die auf Schiffen das Meer befahren, auf großem Wasser Geschäfte verrichten, die haben die Werke des Herrn geschaut &c. Denn er gebot, da entstand ein großer Sturmwind; der hob seine Wellen hoch empor. Sie wirbelten und schwankten wie ein Trunkener &c. Da schrieen sie zum Herrn in ihrer Not &c. Sie mögen dem Herrn für seine Gnaden danken.

15An dieser Stelle sind Zeichen gesetzt, die ebenso wie [die Worte] ‘nur’ und ‘aber’ in der Tora [zur Forschung zu verwenden sind]; dies besagt, daß, wenn sie vor der Besiegelung des Urteils flehen, sie erhört werden, wenn aber nach der Besiegelung des Urteils, sie nicht erhört werden!? –

16Diese gelten ebenfalls als Einzelne. –

17Komm und höre: Valeria die Proselytin fragte R. Gamliél: In eurer Tora heißt es: der das Gesicht nicht zuwendet, und dagegen heißt es: Gott möge dir sein Gesicht zuwenden!?

18Da gesellte sich ihnen R. Jose der Priester zu und sprach zu ihr: Ich will hier ein Gleichnis sagen. Dies ist ebenso, als wenn jemand von seinem Nächsten eine Mine zu fordern hat und dieser ihm in Gegenwart des Königs eine Zahlungsfrist angibt und es auch beim Leben des Königs beschwört. Wenn er, wenn die Zeit heranreicht und er nicht bezahlt, den König um Verzeihung bitten geht, erwidert ihm dieser: Meine Beleidigung sei dir verziehen, geh und bitte auch deinen Genossen um Verzeihung. Ebenso auch hierbei; das eine gilt von Sünden, die man gegen Gott begeht, und das andere gilt von Sünden, die man gegen seinen Nächsten begeht.

19Als aber R. A͑qiba kam, erklärte er,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.