Rosch haSchana — Blatt 21a

1Wenn zwei Monate hintereinander unvollzählig sind, so ist es bekannt.

2Levi befand sich am elften Tišri in Babylonien, da sprach er: Die Speisen munden den Babyloniern am Versöhnungstage der Westlichen! Darauf sprachen sie zu ihm: Bekunde dies! Er erwiderte: Ich hörte nicht vom Gerichtshofe, daß der Neumond geweiht wurde.

3R. Joḥanan ließ verkünden: Überall, wo die Boten des Nisan hinkommen und die Boten des Tišri nicht hinkommen, feiere man zwei Tage, denn man berücksichtige beim Nisan den Tišri.

4Einst kamen R. Ajbu b. Nagari und R. Ḥija b. Abba nach einer Ortschaft, wo die Boten des Nisan hinkamen und die Boten des Tišri nicht hinkamen, dennoch feierte man da nur einen Tag; sie sagten ihnen aber nichts. Als R. Joḥanan dies hörte, schalt er darüber, indem er zu ihnen sprach: Habe ich euch etwa nicht gesagt, daß überall, wo die Boten des Nisan hinkommen und die Boten des Tišri nicht hinkommen, man zwei Tage feiere, weil man beim Nisan den Tišri berücksichtige!?

5Raba pflegte zwei Tage im Fasten zu verweilen, und einmal stellte es sich soheraus.

6Einst fastete R. Naḥman den ganzen Versöhnungstag, abends kam jemand zu ihm und sprach: Morgen ist im Westen Versöhnungstag.

7Da fragte er ihn: Woher bist du? Dieser erwiderte: Aus Damharja. Da sprach jener: Blut [dam] sei sein Ende! Hierauf las er über sich: Schnell waren unsere Verfolger.

8R. Ḥona b. Abin ließ Raba sagen: Wenn du siehst, daß die Jahreszeit des Tebeth bis zum sechzehnten Nisan reicht, so interkaliere das Jahr ohne Bedenken, denn es heißt: achte auf den Ährenmonat, achte, daß der Frühling mit dem Nisan zusammentreffe.

9R. Naḥman sprach zu den Seefahrern: Da ihr die Festsetzung des Neumondes nicht kennt, so verbrennet das Gesäuerte [am Vorabend des Pesaḥfestes], sobald ihr sehet, daß der Mond bis zum Tagesanbrüche scheint. –

10Dies erfolgt erst am fünfzehnten, und wir verbrennen es ja bereits am vierzehnten!? – Für diese, die freie Aussicht über die ganze Welt haben, erfolgt es schon am vierzehnten.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.