Rosch haSchana — Blatt 22b
1ist einer denn beglaubigt, es wird ja gelehrt: Einst kam er mit seinen Zeugen, über ihn zu zeugen!? R. Papa erwiderte: Unter ‘anderen’ ist ein anderes Zeugenpaar zu verstehen.
2Dies ist auch einleuchtend; ‘wenn [das Gericht] ihn nicht kennt’, und wenn du nicht so sagen wolltest, wäre unter ‘ihn’ einer zu verstehen, und einer ist ja nicht glaubwürdig, da es hierbei Recht heißt. Vielmehr ist unter ‘ihn’ ein Zeugenpaar zu verstehen, und ebenso ist auch unter ‘anderen’ ein anderes Zeugenpaar zu verstehen. –
3Ist einer denn nicht glaubwürdig, es wird ja gelehrt, daß R. Nehoraj einst am Šabbath nach Uša ging, um über einen Zeugen zu bekunden!? –
4Ich will dir sagen: R. Nehoraj hatte noch einen Zeugen mit sich, jedoch ist er wegen des Ansehens R. Nehorajs nicht genannt. R. Aši erwiderte: Ein Zeuge war bereits in Uša, und R. Nehoraj ging hin, um sich diesem anzuschließen. –
5Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, man dürfe in einem Zweifel den Šabbath nicht entweihen, so lehrt er uns.
6Als U͑la kam und berichtete, man habe im Westen den Mond geweiht, sprach R. Kahana: Nicht nur U͑la, der ein bedeutender Mann ist, ist glaubwürdig, sondern auch jeder andere ist glaubwürdig, weil man nicht bei einer Sache lügt, die sich später herausstellt. Ebenso wird gelehrt: Wenn jemand aus dem Ende der Welt herkommt und erzählt, das Gericht habe den Neumond geweiht, ist er glaubwürdig.
7ANFANGS NAHM MAN BEKUNDUNGEN ÜBER DEN NEUMOND VON JEDERMANN AN &c. Die Rabbanan lehrten: Was war es für eine Verwirrung, die die Minäer anrichteten? – Einst wollten die Boëthosäer die Weisen irre führen und mieteten um vierhundert Zuz zwei Männer, einen von den unsrigen und den anderen von den ihrigen.
8Der ihrige legte sein Zeugnis ab und entfernte sich. Hierauf sprach man zum unsrigen: Erzähle, wie hast du den Mond gesehen? Er erwiderte: Ich war auf den Stufengang von Edomim hinaufgegangen und sah ihn zwischen zwei Felsen lagern; sein Kopf glich dem eines Kalbes, seine Ohren denen einer Ziege, seine Hörner denen eines Hirsches und der Schwanz lag ihm zwischen den Hüften, und als ich ihn erblickte, erschrak ich und fiel rücklings nieder; wenn ihr mir nicht glaubt, so sind hier die zweihundert Zuz in meinem Gewande eingebunden.
9Darauf sprachen diese zu ihm: Wer verleitete dich dazu? Dieser erwiderte: Als ich erfuhr, daß die Boëthosäer die Weisen irre führen wollen, sagte ich: ich will gehen und dies verraten, denn sonst könnten unwürdige Leute kommen und die Weisen irreführen.
10Da sprachen sie zu ihm: Die zweihundert Zuz seien dir geschenkt, und der dich gemietet hat, soll auf den Pfahl gespannt werden. Darauf ordnete man an, [das Zeugnis] nur von Bekannten entgegenzunehmen.
11ANFANGS ZEIGTE MAN [DIE WEIHE DES NEUMONDS] DURCH FEUERSIGNALE AN, SEITDEM ABER DIE SAMARITANER EINE VERWIRRUNG ANRICHTETEN, ORDNETE MAN AN, DASS BOTEN AUSZIEHEN SOLLTEN.
12WIE ZEIGTE MAN ES DURCH FEUERSIGNALE AN? MAN HOLTE LANGE STANGEN AUS ZEDERNHOLZ, ROHR, OLEASTERHOLZ UND WERG (VON FLACHS) UND UMWICKELTE ALLES MIT EINER SCHNUR. HIERAUF STIEG JEMAND AUF DIE BERGSPITZE, ZÜNDETE ES AN UND SCHWANG ES HIN UND HER, AUFWÄRTS UND ABWÄRTS, BIS ER SAH, DASS SEIN GENOSSE AUF DER NÄCHSTEN BERGSPITZE DAS GLEICHE TAT; UND EBENSO [EIN ANDERER] AUF DER DRITTEN BERGSPITZE.
13VON WO AUS ZEIGTE MAN DIE FEUERSIGNALE AN? VOM ÖLBERGE NACH SARṬABA, VON SARṬABA NACH AGRIPPINA, VON AGRIPPINA NACH ḤAVRAN UND VON ḤAVRAN NACH BETH BALTIN; VON BETH BALTIN AUS SIGNALISIERTE ER NICHT WEITER, SONDERN SCHWANG [DIE FACKEL] HIN UND HER, AUFWÄRTS UND ABWÄRTS, BIS ER DAS GANZE DIASPORAGEBIET WIE EINE FEUERFLAMME VOR SICH SAH.
14GEMARA. Wieso ist es erwiesen, daß ‘masiin’ die Bedeutung ‘zünden’ hat? – Es heißt: vajisaém David [und seine Leute], was übersetzt wird: David zündete sie an.
15Die Rabbanan lehrten: Man zeigt die Weihe des Neumondes durch Feuersignale an, nur wenn man ihn zur rechten Zeit gesehen hat. Wann signalisiert man? Am Abend der Konjunktion. –
16Demnach erfolgt dies nur dann, wenn der vorangehende Monat unvollzählig ist, nicht aber, wenn er vollzählig ist; aus welchem Grunde? R. Zera erwiderte: Mit Rücksicht auf einen Neumondstag eines unvollzähligen Monats, der auf einen Vorabend des Šabbaths fällt. [In diesem Falle] hat es am Ausgange des Šabbaths zu erfolgen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.