Rosch haSchana — Blatt 34a

1so deuten [die Worte] im siebenten Monate darauf, daß das Blasen des ganzen siebenten Monats diesem gleiche.

2Woher, daß man dreimal je drei [blase]? Es heißt: du sollst die Lärmposaune vorüberziehen lassen; ein Ruhetag, eine Erinnerung des Lärmblasens; ein Tag des Lärmblasens sei er euch.

3Woher, daß man dieses auf jenes und jenes auf dieses beziehe? Das Wort siebenten dient als Wortanalogie;

4dies erfolgt, wenn dreimal gleich neun geblasen wird: der Stoßton hat die Länge des Trillertones, und der Trillerton hat die Länge von drei abgebrochenen Tönen. –

5Der Tanna folgert es zuerst durch Vergleichung und nun durch eine Wortanalogie!? –Er meint es wie folgt: ohne die Wortanalogie wäre es durch Vergleichung zu folgern, da aber die Wortanalogie vorhanden ist, so ist die Vergleichung nicht nötig.

6Der folgende Tanna aber entnimmt es durch eine Wortanalogie vom [Blasen in] der Wüste. Es wird nämlich gelehrt: Ihr sollt stoßen ein Lärmblasen, Stoßen für sich und Trillern für sich. Du sagst, Stoßen für sich und Trillern für sich, vielleicht aber ist dem nicht so, sondern sind Stoßen und Trillern eins und dasselbe!? Es heißt: wenn die Gemeinde versammelt werden soll, so sollt ihr [in die Posaune] stoßen, aber nicht lärmblasen, demnach sind Stoßen und Trillern von einander verschieden.

7Woher, daß [dem Trillertone] ein Stoßton vorangehe. Es heißt: ihr sollt stoßen ein Lärmblasen. Woher, daß diesem ein Stoßton folge? Es heißt: Lärmblasen sollen sie stoßen.

8R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagte: Dies ist gar nicht nötig; es heißt: ihr sollt wiederum stoßen ein Lärmblasen, und da das wiederum nicht nötig ist, und es dennoch wiederum heißt, so dient dies als Hauptnorm, daß überall, wo von einem Trillern die Rede ist, diesem wiederum ein Stoßton folgen muß. Ich weiß dies vom Blasen in der Wüste, woher dies [vom Blasen] am Neujahrsfeste? [Das Wort] Lärmblasen dient als Wortanalogie.

9Dreimal heißt es Lärmblasen beim Neujahrsfeste: ein Ruhetag, eine Erinnerung des Lärmblasens, ein Tag des Lärmblasens, du sollst die Lärmposaune vorüberziehen lassen.Zu jedem Trillerton gehören zwei Stoßtöne,

10somit sind am Neujahrsfeste drei Trillertöne und sechs Stoßtöne [zu blasen], und zwar zwei [Sätze] nach der Tora und einer nach den Schriftkundigen. [Der Vers] eine Erinnerung des Lärmblasens, und [der Vers:] du sollst die Lärmposaune vorüberziehen lassen, deuten auf das Gebot der Tora, während [der Vers:] als Tag des Lärmblasens gelte er euch, an und für sich nötig ist.

11R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans, ein [Satz] nach der Tora und zwei nach den Schriftkundigen. [Der Vers:] du sollst die Lärmposaune vorüberziehen lassen, deutet auf das Gebot der Tora, während [der Vers:] ein Ruhetag, eine Erinnerung des Lärmblasens, und [der Vers:] als Tag des Lärmblasens gelte er euch, an und für sich nötig sind. –

12Wieso ist [der andere Vers] an und für sich nötig? – Daß es nur am Tage und nicht nachts erfolge. –

13Woher entnimmt jener, daß es nur am Tage und nicht nachts erfolge? – Er entnimmt dies aus [dem Worte]: am Versöhnungstage. –

14Wenn er aus [dem Worte] am Versöhnungstage folgert, so sollte er hieraus auch folgern, daß dem Trillertone je ein einfacher Stoßton vorangehe und folge!? – [Die Folgerung aus:] du sollst vorüberziehen lassen, und: ihr sollt vorüberziehen lassen, leuchtet ihm nicht ein. –

15Wofür verwendet er diese? – [Die Worte:] du sollst vorüberziehen lassen, deuten auf [eine Lehre] R. Mathnas, denn R. Mathna sagte: Du sollst vorüberziehen lassen, in der Richtung des Vorüberziehens. Und mit [den Worten:] ihr sollt vorüberziehen lassen, sagt der Allbarmherzige, daß man [die Posaune nicht nur] in die Hand nehme. –

16Und jener!? – [Die Lehre R. Mathnas] ist aus der Ausdrucksweise [der Schrift] zu entnehmen, und daß man [die Posaune nicht nur] in die Hand nehme, ist durch [das Wort] vorüberziehen von [dem Befehle] Mošes zu folgern.

17Hierbei heißt es: ihr sollt die Lärmposaune vorüberziehen lassen und dort heißt es: da befahl Moše, und man ließ eine Stimme im Lager vorüberziehen; wie dort mit Geräusch, ebenso auch hier mit Geräusch. –

18Nach dem Tanna aber, der es [vom Blasen] in der Wüste folgert, sollte man doch, wie da mit Trompeten, ebenso auch hierbei mit Trompeten [blasen]!? –

19Es heißt: stoßt am Neumonde in die Posaune, am Verborgenen auf den Tag unseres Festes; an welchem Feste bleibt der Mond verborgen? Sage: am Neujahrsfeste, und der Allbarmherzige sagt, mit einer Posaune.

20R. Abahu ordnete in Cäsarea an, [wie folgt zu blasen:] Stoßton, drei gebrochene Töne, Trillertöne und Stoßton. – Wie du es nimmst: ist es ein Wimmerton, so müßten es doch Stoßton, Trillertöne und Stoßton sein, und ist es ein Seufzerton, so müßten es doch Stoßton, drei gebrochene Töne und Stoßton sein!? –

21Ihm war es zweifelhaft, ob Seufzerton oder Wimmerton. R. A͑vira wandte ein: Vielleicht ist es ein Wimmerton, und die drei gebrochenen Töne trennten die Trillertöne vom [ersten] Stoßtone!? – Nachher ließ er Stoßton, Trillerton und Stoßton blasen. Rabina wandte ein: Vielleicht ist es ein Seufzerton, und der Trillerton trennte die gebrochenen Töne vom [zweiten] Stoßtone!? – Nachher ließ er Stoßton, drei gebrochene Töne und Stoßton blasen!? –

22Worin bestand demnach die Anordnung R. Abahus: sind es Seufzertöne, so verfahren wir demgemäß, und sind es Wimmertöne, so verfahren wir demgemäß!? – Er war im Zweifel, ob nicht seufzen und wimmern. –

23Demnach sollte es auch umgekehrt erfolgen: Stoßton, Trillertöne, drei gebrochene Töne und Stoßton, denn es war vielleicht ein Wimmern und Seufzen!? – Gewöhnlich ist es, daß, wenn einen ein Unglück trifft, er zuerst seufzt und nachher wimmert.

24HAT MAN DEN ERSTEN STOSSTON [RICHTIG] GEBLASEN UND DEN ZWEITEN SO LANG WIE ZWEI GEDEHNT. R. Joḥanan sagte: Hat man die neun Töne in neun Stunden (am Tage) gehört, so hat man seiner Pflicht genügt.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.