Rosch haSchana — Blatt 35a
1Als R. Abba von seiner Seereise zurückkehrte, erklärte er es: Die Weisen pflichteten R. Gamliél bei, hinsichtlich der Segenssprüche des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages; die Halakha ist wie er, wonach sie gegen ihn streiten, hinsichtlich der Segenssprüche des ganzen Jahres. –
2Dem ist ja aber nicht so, R. Ḥana aus Sepphoris sagte ja im Namen R. Joḥanans, die Halakha sei wie R. Gamliél hinsichtlich der Segenssprüche des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages!?
3Vielmehr, erklärte R. Naḥman b. Jiçḥaq, wer ihm beigestimmt hat, ist R. Meír, und die Halakha ist wie er, wonach sie gegen ihn streiten, das sind die Rabbanan.
4Es wird nämlich gelehrt: Bei den Segenssprüchen des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages enthebt der Gemeinde Vertreter die Menge ihrer Pflicht – so R. Meír; die Weisen sagen, wie der Gemeindevertreter dazu verpflichtet ist, so sei auch jeder einzelne dazu verpflichtet. –
5Womit sind diese anders: wollte man sagen, weil sie viele Bibelverse enthalten, so sagte ja R. Ḥananél im Namen Rabhs, sobald man ‘Und in deiner Tora steht geschrieben’ gesagt hat, brauche man nicht weiter [zu lesen]!? – Vielmehr, weil es mehr Segenssprüche sind.
6Der Text. R. Ḥananél sagte im Namen Rabhs: Sobald man ‘Und in deiner Tora steht geschrieben’ gesagt hat, braucht man nicht weiter [zu lesen]. Sie glaubten, dies gelte nur von einem Einzelnen und nicht von einer Gemeinde, aber es wurde gelehrt: R. Jehošua͑ b. Levi sagte, sowohl ein Einzelner als auch eine Gemeinde braucht, sobald man ‘Und in deiner Tora steht geschrieben’ gesagt hat, nicht weiter [zu lesen].
7R. Elea͑zar sagte: Stets ordne man [vorher] sein Gebet und bete erst nachher. R. Abba sprach: Es ist einleuchtend, daß der Ausspruch R. Elea͑zars sich auf die Segenssprüche des Neujahrsfestes, des Versöhnungstages und der Festtage bezieht und nicht auf die des ganzen Jahres. –
8Dem ist ja aber nicht so, R. Jehuda pflegte ja sein Gebet zu ordnen und erst dann zu beten!? – Anders war es bei R. Jehuda; da er nur einmal in dreißig Tagen betete, glichen [seine Gebete] den Festgebeten.
9R. Aḥa b. Avira sagte im Namen R. Šimo͑ns des Frommen: R. Gamliél befreit sogar die Leute auf dem Felde, und um so mehr die am Orte Anwesenden. –
10Im Gegenteil, jene sind ja verhindert, diese aber sind nicht verhindert!?
11So lehrte auch Abba, Sohn des R. Benjamin b. Ḥija, die Leute hinter den Priestern seien im [Priester]segen nicht einbegriffen. –
12Vielmehr, als Rabin kam, sagte er im Namen des R. Ja͑qob b. Idi im Namen R. Šimo͑n des Frommen: R. Gamliél befreit nur die Leute auf dem Felde, weil diese durch die Arbeit verhindert sind, nicht aber in der Stadt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.