Sanhedrin — Blatt 101b

1auch dies sind die Sprüche Šelomos, die zusammengestellt haben die Männer Ḥizqijas, des Königs von Jehuda. Sollte denn Ḥizqija die ganze Welt die Tora gelehrt haben, seinen Sohn Menaše aber die Tora nicht gelehrt haben!? Vielmehr, alle Arbeit, die er auf ihn wandte, alle Qual, durch die er sich mit ihm abquälte, brachten ihn nicht zum Guten, sondern erst die Züchtigungen, denn es heißt: Und der Herr redete zu Menaše und zu seinem Volke, aber sie achteten nicht darauf. Da ließ der Herr die Heerführer des Königs von Ašur über sie konnten; sie fingen Menaše mit Haken, fesselten ihn mit Ketten und führten ihn nach Babel.

2Ferner: Als er nun in Bedrängnis war, suchte er den Herrn, seinen Gott, zu begütigen und demütigte sich vor dem Gott seiner Väter. Als er nun zu ihm betete, ließ er sich erbitten; er erhörte sein Flehen und brachte ihn zurück nach Jerušalem in sein Königtum. Da erkannte Menaše, daß der Herr der wahre Gott sei. Hieraus lernst du, wie lieb die Züchtigungen sind.

3Die Rabbanan lehrten: Drei kamen mit Prätensionen, nämlich: Qajin, E͑sav und Menaše. Qajin, denn es heißt: ist denn meine Sünde unerträglich groß. Er sprach nämlich vor ihm: Herr der Welt, ist denn meine Sünde größer als die Sünde der sechzig Myriaden, die sie dereinst begehen werden und du ihnen verzeihen wirst!? E͑sav, denn es heißt: hast du denn nur einen Segen, Vater!? Menaše rief vorher viele andere Götter an, nachher erst den Gott seiner Väter.

4ABBA ŠAÚL SAGT, AUCH WER DEN GOTTESNAMEN BUCHSTÄBLICH AUSSPRICHT. Nur in der Provinz, und in der Form eines Schwures.

5DREI KÖNIGE UND VIER GEMEINE &C. Die Rabbanan lehrten: [Er hieß] Jerobea͑m, weil er das Volk [a͑m] niedergebeugt [riba͑] hatte. Eine andere Erklärung: Jerobea͑m, weil er Streitigkeit [meriba] im Volke hervorrief. Eine andere Erklärung: Jerobea͑m, weil er einen Streit zwischen Jisraél und seinem Vater im Himmel hervorrief. Der Sohn des Nebaṭ, ein Sohn dessen, der nur geblickt [nibeṭ], aber nicht deutlich gesehen hatte.

6Es wird gelehrt: Nebaṭ, Mikha und Šeba͑, Sohn Bikhris, sind identisch. Nebaṭ [hieß er], weil er nur geblickt, aber nicht deutlich gesehen hatte; Mikha, weil er im Bauwerke zerdrückt ward; sein richtiger Name war Šeba, Sohn Bikhris.

7Die Rabbanan lehrten: Drei blickten und sahen nicht deutlich, und zwar: Nebaṭ, Aḥitophel und die Sternkundigen des Pareo͑.

8Nebaṭ sah Feuer aus seinem Gliede hervorkommen und glaubte, er werde König werden; das war es aber nicht, ihm entstammte nur Jerobea͑m.

9Aḥitophel sah einen Aussatz auf seinem Gliede ausbrechen und glaubte, er werde König werden; das war es aber nicht, nur [seiner Tochter] Bath Šeba͑ entstammte Šelomo.

10Die Sternkundigen des Pareo͑, denn R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Es heißt: das ist das Haderwasser, das ist es, bezüglich dessen die Sternkundigen des Pareo͑ sich geirrt hatten; sie sahen nämlich, daß der Erlöser der Jisraéliten durch das Wasser geschlagen werden wird, daher bestimmten sie: alle Knäblein, die geboren werden, sollt ihr in den Fluß werfen; sie wußten aber nicht, daß er durch das Haderwasser geschlagen werden wird.

11Woher, daß er nicht der zukünftigen Welt teilhaftig ist? – Es heißt: dies geriet dem Hause Jerobea͑ms zur Versündigung und zur Vernichtung und Vertilgung vom Erdboden hinweg; zur Vernichtung, in dieser Welt, und zur Vertilgung, in der zukünftigen Welt.

12R. Joḥanan sagte: Weshalb war es Jerobea͑m beschieden, König zu werden? Weil er Šelomo zurechtgewiesen hatte. Und weshalb ward er bestraft? Weil er ihn öffentlich zurechtgewiesen hatte, denn es heißt: daß er sich gegen den König auflehnte, das ging so zu: Šelomo erbaute das Millo und verschloß die Lücke an der Stadt Davids, seines Vaters. Er sprach nämlich zu ihm: Dein Vater David ließ Lücken in die Mauer machen, um den Jisraéliten die Wallfahrt [zu erleichtern], du aber hast sie verschlossen, um eine Steuer für die Tochter des Pareo͑ zu erheben. –

13Wodurch hatte er sich gegen den König aufgelehnt? R. Naḥman erwiderte: Er nahm in seiner Gegenwart die Tephillin ab. R. Naḥman sagte: Der Hochmut Jerobea͑ms schaffte ihn aus der Welt, denn es heißt: Jerobea͑m dachte in seinem Herzen: das Königtum wird nun wohl an das Haus Davids zurückfallen. Wenn dieses Volk hinausziehen wird, um im Tempel des Herrn zu Jerušalem Schlachtopfer zu veranstalten, so werden die Herzen dieses Volkes ihrem Herrn Reḥabea͑m, dem Könige von Jehuda, wieder zufallen und sie werden mich umbringen; und Reḥabea͑m, dem König von Jehuda, wieder zufallen.

14Er dachte nämlich: es ist überliefert, daß im Tempelhofe nur Könige aus dem Hause Jehuda sitzen dürfen; wenn man nun Reḥabea͑m sitzen und mich stehen sehen wird, so wird man sagen, der eine sei der König und der andere ein Diener; wenn ich mich hinsetze, so würde ich als Hochverräter gelten, und sie würden mich umbringen. Hierauf: Da beriet sich der König, fertigte zwei goldene Kälber und sprach zu ihnen: Ihr seid nun lange genug nach Jerušalem gepilgert; da hast du deine Gottheit, Jisraél, die dich aus Miçrajim herausgeführt hat. Und er stellte das eine in Beth-él auf, das andere aber tat er nach Dan. –

15Was heißt: er beriet sich? R. Jehuda erklärte: Er ließ Frevler und Fromme neben einander sitzen und sprach zu ihnen: Wollt ihr alles unterschreiben, was ich tun werde? Sie erwiderten ihm: Jawohl. Da sprach er zu ihnen: Ich will König sein. Sie erwiderten ihm: Einverstanden. – Werdet ihr alles tun, was ich euch heißen werde? Sie erwiderten ihm: Jawohl. – Selbst Götzen dienen? Da sprach der Frevler zum Frommen: Ist es denn möglich, daß ein Mann wie Jerobea͑m Götzen dienen würde, er will uns nur prüfen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.