Sanhedrin — Blatt 110a

1kam jemand heran, so sah er sie und kehrte um. Währenddessen wurden jene verschlungen.

2Die Frau Qoraḥs sprach zu ihm: Sieh, was Moše getan hat; sich selbst machte er zum König, seinen Bruder machte er zum Hochpriester und die Söhne seines Bruders machte er zu Vertretern der Priesterschaft. Kommt die Hebe ein, so sagt er, sie gehöre dem Priester; kommt der Zehnt ein, den ihr zu erhalten habt, so sagt er, ein Zehntel werde an den Priester entrichtet. Außerdem schneidet er euch das Haar ab und verfährt mit euch wie mit einem Mistklumpen; er hat ein Auge auf euer Haar geworfen. Er entgegnete: Er selber tut ja ebenso. Sie erwiderte ihm: Da das ganze von ihm ausgeht, so sagt er: ich will sterben samt den Pelištim.

3Ferner sagt er zu euch, daß ihr euch Purpurquasten machen sollt; ist Purpur etwas besonderes, so hole Purpurgewänder und bekleide damit dein ganzes Lehrhaus. Das ist es, was geschrieben steht: der Frauen Weisheit hat ihr Haus gebaut, das ist die Frau Ons, des Sohnes des Peleth; die Narrheil reißt es mit ihren Händen nieder, das ist die Frau Qoraḥs.

4Und sie erhoben sich gegen Moše, und mit ihnen zweihundertundfünfzig Männer aus Jisraél, die Auserlesensten der Gemeinde; Ratsherren, sie verstanden die Jahre zu interkalieren und die Monate festzusetzen; Männer von Namen, sie hatten einen Namen in der ganzen Welt.

5Als Moše das hörte, fiel er auf sein Angesicht. Was hörte er? R. Šemuél b. Naḥmani erwiderte im Namen R. Jonathans: Sie verdächtigten ihn des Ehebruches, denn es heißt: sie wurden eifersüchtig auf Moše im Lager, und hierzu sagte R. Šemuél b. Jiçḥaq, dies lehre, daß jeder seine Frau inbezug auf Moše verwarnte. Ferner heißt es: Moše nahm jedesmal das Zelt und schlug es außerhalb des Lagers auf .

6Hierauf begab sich Moše zu Dathan und Abiram. Reš Laqiš sagte: Hieraus, daß man keinen Streit unterhalten darf. Rabh sagte: Wer einen Streit unterhält, übertritt ein Verbot, denn es heißt: er sei nicht wie Qoraḥ und seine Rotte.

7R. Aši sagte: Er verdiene auch, vom Aussatz behaftet zu werden, denn hierbei heißt es: ihm durch Moše, und dort heißt es: und der Herr sprach zu ihm nochmals: Stecke deine Hand in deinen Busen.

8R. Jose sagte: Wer gegen das Königtum des Davidischen Hauses Streit führt, verdient, daß eine Schlange ihn beiße, denn [bei diesem] heißt es: und Adonija schlachtete Schafe, Rinder und Mastkälber beim Schlangensterne, und dort heißt es: samt dem Gifte der im Staube schleichenden [Schlangen].

9R. Ḥisda sagte: Wenn jemand gegen seinen Lehrer streitet, so ist es ebenso, als würde er gegen die Göttlichkeit streiten, denn es heißt: als sie mit dem Herrn haderten. R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Wenn jemand mit seinem Lehrer hadert, so ist es ebenso, als würde er es mit der Göttlichkeit tun, denn es heißt: das ist das Haderwasser, wo die Jisraéliten mit dem Herrn haderten.

10R. Ḥanina b. Papa sagte: Wenn jemand über seinen Lehrer raisonniert, so ist es ebenso, als würde er über die Göttlichkeit raisonnieren, denn es heißt: euer Murren richtet sich nicht gegen uns, sondern gegen den Herrn. R. Abahu sagte: Wenn, jemand seinem Lehrer üble Gedanken nachträgt, so ist es ebenso, als würde er der Göttlichkeit üble Gedanken nachtragen, denn es heißt: und das Volk redete wider Gott und wider Moše.

11Reichtum, der seinem Besitzer zum Übel bestimmt ist. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Dies ist der Reichtum Qoraḥs. Und der ganze Bestand zu ihren Füßen. R.Elea͑zar sagte: Dies ist das Geld des Menschen, das ihn auf die Füße stellt. R. Levi sagte: Die Schlüssel der Schatzkammern Qoraḥs bildeten eine Last für dreihundert weiße Maultiere; alle Schlüssel und Schlösser waren aus Leder.

12R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Drei Schätze verbarg Joseph in Miçrajim; einen entdeckte Qoraḥ, einen entdeckte Antoninus, Sohn des Severus, und einer ist für die Frommen in der zukünftigen Welt bestimmt.

13R. Joḥanan sagte (ferner): Qoraḥ gehörte weder zu den verschlungenen, noch zu den verbrannten. Er gehörte nicht zu den verschlungenen, denn es heißt: und den ganzen Qoraḥ gehörenden Bestand, nicht aber Qoraḥ selbst. Zu den verbrannten ebenfalls nicht, denn es heißt: als das Feuer die zweihundertfünfzig Mann verzehrte, Qoraḥ aber nicht.

14In einer Barajtha wird gelehrt: Qoraḥ gehörte sowohl zu den verbrannten, als auch zu den verschlungenen. Zu den verschlungenen, denn es heißt: und sie verschlang sie nebst Qoraḥ; zu den verbrannten, denn es heißt: und es ging ein Feuer aus vom Herrn und verzehrte die zweihundertfünfzig Männer, also Qoraḥ mit ihnen.

15Raba sagte: Es heißt: Sonne und Mond treten in die Himmelsburg, nach dem Lichte deiner Pfeile gehen sie. Dies lehrt, daß Sonne und Mond in die Himmelsburg traten und vor [Gott] sprachen: Herr der Welt, wenn du dem Sohne A͑mrams Recht verschaffst, so gehen wir hinaus, wenn aber nicht, so gehen wir nicht hinaus. Bis er auf sie Pfeile schoß und zu ihnen sprach: Für meine Ehre seid ihr nicht eingetreten und für die Ehre eines [Menschen aus] Fleisch und Blut seid ihr eingetreten. Jetzt gehen sie nicht eher hinaus, als bis er sie schlägt.

16Raba trug vor: Es heißt: wenn aber der Herr etwas Neues erschafft und die Erde ihren Mund auftut. Moše sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Ist das Fegefeuer bereits erschaffen, so ist es recht, wenn aber nicht, so mag der Herr es nun erschaffen. – Inwiefern: wollte man sagen, wirklich erschaffen, so [heißt es ja:] es gibt nichts Neues unter der Sonne!? – Vielmehr, nur den Eingang nähern.

17Und die Söhne Qoraḥs starben nicht. Im Namen unseres Meisters wurde gelehrt: Ein Platz wurde ihnen im Fegefeuer angewiesen; da ließen sie sich nieder und stimmten ein Lied an. Rabba b. Bar Ḥana erzählte: Einst befand ich mich auf der Reise, und ein Araber sprach zu mir: Komm, ich will dir die Qoraḥ-Schluchten zeigen. Ich ging hin und sah zwei Spalte, aus denen ein Rauch aufstieg. Da nahm er ein Büschel Wolle, tauchte es in Wasser, legte es auf die Spitze seiner Lanze und hielt es dahin, und es wurde angesengt. Hierauf sprach er zu mir: Horch, was du da hören wirst. Da hörte ich sie folgendes sprechen: Moše und seine Lehre sind Wahrheit und wir sind Lügner.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.