Sanhedrin — Blatt 12b

1sondern aßen das Pesaḥ in vorschriftswidriger Weise. Aber Ḥizqijahu hatte für sie gebetet und gesagt: der Herr, der gütig ist, möge einem jeden verzeihen.

2R. Šimo͑n sagte: Hat man es wegen der Unreinheit interkaliert, so ist es gültig, und er flehte nur deshalb um Erbarmen für sich, weil man nur den Adar interkaliere, während er den Nisan im Nisan interkaliert hatte. R. Šimo͑n b. Jehuda erklärte im Namen R. Šimo͑ns: Weil er Jisraél verleitete, das zweite Pesaḥ herzurichten.

3Der Meister sagte: R. Jehuda sagt, man interkaliere es wohl; demnach wäre R. Jehuda der Ansicht, die Unreinheit werde bei einer Gemeinschaft nur verdrängt,

4und [dem widersprechend] wird gelehrt: Das Stirnblatt macht [das Opfer] wohlgefällig, einerlei ob es an [des Priesters] Stirn ist oder nicht – so R. Šimo͑n; R. Jehuda sagt, an seiner Stirn mache es [das Opfer] wohlgefällig, ist es nicht an seiner Stirn, mache es [das Opfer] nicht wohlgefällig.

5R. Šimo͑n sprach zu ihm: Vom Hochpriester am Versöhnungstage ist ja [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es ist dann nicht an seiner Stirn, dennoch macht es [das Opfer] wohlgefällig. R. Jehuda erwiderte ihm: Laß den Versöhnungstag, da bei einer Gemeinschaft die Unreinheit erlaubt ist!? –

6Auch nach deiner Auffassung widerspricht sich ja die Lehre selbst: R. Jehuda sagt, man interkaliere es wohl, dagegen erzählt R. Jehuda: einst interkalierte Ḥizqija, der König von Jehuda, das Jahr wegen der Unreinheit und flehte um Erbarmen für sich!? Vielmehr ist diese Lehre lückenhaft und muß wie folgt lauten: Man interkaliere das Jahr nicht wegen der Unreinheit, hat man es interkaliert, so ist es gültig; R. Jehuda sagt, es sei ungültig. Hierzu erzählte R. Jehuda &c. –

7«R. Šimo͑n sagt: Hat man es wegen der Unreinheit interkaliert, so ist es gültig.» Dies lehrt ja auch der erste Autor!? Raba erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, ob man es von vornherein dürfe. Ebenso wird auch gelehrt: Man interkaliere das Jahr nicht von vornherein wegen der Unreinheit; R. Šimo͑n sagt, man interkaliere wohl, und nur deshalb flehte [Ḥizqija] für sich um Erbarmen, weil man nur den Adar interkaliere, während er den Nisan im Nisan interkaliert hatte.

8Der Meister sagte: Weil man nur den Adar interkaliere, während er den Nisan im Nisan interkaliert hatte. Kannte Ḥizqija denn nicht [die Lehre]: Dieser Monat soll euch sein, nur dieser kann Nisan sein, nicht aber ein anderer!? – Er irrte sich in einer Lehre Šemuéls; Šemuél sagte nämlich, man dürfe am dreißigsten Adar das Jahr nicht mehr interkalieren, weil er bereits zum Nisan gehören kann,

9er aber dachte, man berücksichtige dies nicht. Ebenso wird auch gelehrt: Man interkaliere das Jahr nicht mehr am dreißigsten Adar, weil er bereits zum Nisan gehören kann.

10«R. Šimo͑n b. Jehuda sagte im Namen R. Šimo͑ns: Weil er Jisraél verleitete, das zweite Pesaḥ herzurichten.» Wie verhielt es sich? R. Aši erwiderte: Die Jisraéliten waren zur Hälfte unrein und zur Hälfte rein, und die Frauen ergänzten die Reinen, sodaß sie mit ihnen mehr waren.

11Zuerst glaubte er, das erste [Pesaḥ] sei für Frauen Pflicht, somit waren die Unreinen in der Minderheit, und die Minderheit wird zum zweiten Pesaḥ verdrängt, später aber war er der Ansicht, das erste [Pesaḥ] sei für Frauen Freigestelltes, somit waren die Unreinen in der Mehrheit, und die Mehrheit wird nicht zum zweiten Pesaḥ verdrängt.

12Der Text. Šemuél sagte: Man interkaliere das Jahr nicht am dreißigsten Adar, weil er bereits zum Nisan gehören kann. Wie ist es, wenn man es interkaliert hat? U͑la erwiderte: So weihe man den Neumond nicht. – Wie ist es, wenn man ihn geweiht hat? Raba sagte: So ist die Interkalation ungültig. R. Naḥman sagte: Die Interkalation und die Weihung sind gültig.

13Rabh sprach zu R. Naḥman: Merke, vom Purimfeste bis zum Pesaḥfeste sind es ja dreißig Tage, somit beginnt man am Purimfeste über die Satzungen des Pesaḥs vorzutragen, wie gelehrt wird, dreißig Tage vor dem Pesaḥfeste beginne man über die Satzungen des Pesaḥs vorzutragen, R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, zwei Wochen; wenn man nun beim Herannahen des Neumondes [das Pesaḥfest] hinausschiebt, so könnte man ja das [Gesetz vom] Gesäuerten vernachlässigen!?

14Dieser erwiderte: Man weiß, daß die Interkallation von der Berechnung abhängt, und denkt daran, daß die Rabbanan bis jetzt die Berechnung nicht abschließen konnten.

15R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Man interkaliere das Jahr nur dann, wenn von der Jahreszeit noch der größere Teil eines Monats fehlt. ‘Der größere Teil eines Monats’, das sind sechzehn Tage – so R. Jehuda;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.