Sanhedrin — Blatt 12a

1der Hungersnot.

2Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Es erschien ein Mann von Baa͑l Šališa und brachte dem Manne Gottes Erstlingsbrot &c., nämlich Brot von neuem Getreide.

3Du hast ja im ganzen Jisraéllande keine [Ortschaft], in der die Früchte besser reifen, als in Baa͑l Šališa, dennoch war nur eine Art herangereift. Vielleicht glaubst du, es sei Weizen gewesen, so heißt es: Gerste; vielleicht glaubst du, es sei vor [der Darbringung] der Schwingegarbe gewesen, so heißt es: gib den Leuten, daß sie essen, es war also nach [der Darbringung] der Schwingegarbe.

4Hieraus folgt also, daß dieses Jahr interkaliert werden sollte. nur hat es Eliša͑ deshalb nicht interkaliert, weil es ein Hungersjahr war und alle zu den Tennen eilten.

5Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere das Jahr nicht vor dem Neujahrsfeste; hat man es interkaliert, so ist es ungültig. In einem dringenden Falle darf man es sofort nach dem Neujahrsfeste interkalieren, jedoch interkaliere man nur den Adar. –

6Dem ist ja aber nicht so!? Einst sandte man ja an Raba: Ein [Gelehrten-]Paar, das der Adler zurückgehalten hatte, kam aus Raqqath und in ihren Händen befinden sich Dinge, die in Luz gefertigt werden, das sind nämlich die Purpurfäden. Durch die Barmherzigkeit [Gottes] und wegen ihres Verdienstes sind sie in Frieden entkommen.

7Die Nachkommen aus den Hüften Naḥšons wollten einen Statthalter einsetzen, was aber jener Edomite nicht zuließ. Jedoch traten die Männer des Kollegiums zusammen und setzten einen Statthalter ein, in dem Monate, in dem der Priester Aḥron starb!? – Sie hatten es nur beschlossen, jedoch noch nicht bekannt gemacht. –

8Wieso ist unter ‘Statthalter’ ein Monat zu verstehen? – Es heißt: und Šelomo hatte zwölf Statthalter über ganz Jisraél [gesetzt]; sie versorgten den König und seine Leute je einen Monat im Jahre. – Es heißt ja aber: und ein Statthalter im Lande!? – R. Jehuda und R. Naḥman [erklärten es]; einer erklärte: einer war über alle gesetzt, und einer erklärte: entsprechend dem Schaltmonate.

9Die Rabbanan lehrten: Man darf nicht im laufenden Jahre das folgende interkalieren, auch nicht drei Jahre hintereinander. R. Šimo͑n sprach: Einst interkalierte R. A͑qiba, als er im Gefängnisse eingesperrt war, drei Jahre hintereinander. Man entgegnete ihm: Soll dies ein Beweis sein!? [Das Gericht] trat zusammen und setzte die Interkalation für jedes [Jahr] zur richtigen Zeit fest.

10Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere weder das Siebentjahr noch das diesem folgende Jahr; man pflegt das dem Siebentjahre vorangehende Jahr zu interkalieren. Im Hause R. Gamliéls interkalierten sie auch das dem Siebentjahre folgende Jahr.

11Hierüber besteht ein Streit der Tannaím der folgenden Lehre: Man darf keine Kräuter aus dem Auslande nach dem Jisraéllande bringen; unsere Meister aber erlaubten dies. – Worin besteht ihr Streit? R. Jirmeja erwiderte: Sie streiten, ob [das Mitbringen von] Erdschollen zu berücksichtigen sei.

12Die Rabbanan lehrten: Man interkaliere nicht das Jahr wegen der Unreinheit;

13R. Jehuda sagt, man interkaliere wohl. R. Jehuda sprach: Ḥizqijahu, der König von Jehuda, interkalierte einst das Jahr wegen der Unreinheit und flehte dann für sich um Erbarmen, denn es heißt: Denn die große Menge des Volkes, viele aus Ephrajim, Menase, Jisakhar und Zehulun, hatten sich nicht gereinigt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.