Sanhedrin — Blatt 14b

1direkt an der Stadt gefunden wird, muß die Messung erfolgen.

2Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht des folgenden Autors, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: So sollen deine Ältesten und deine Richter hinausgehen; deine Ältesten, das ist das Synedrium; deine Richter, das sind der König und der Hochpriester. Der König, denn es heißt: ein König erhält das Land durch Recht; der Hochpriester, denn es heißt: du sollst zu den Priestern, den Leviten kommen, dem Richter.

3Sie fragten: Streitet R. Elie͑zer b. Ja͑qob nur über das eine, oder streitet er über beides. Streitet er nur hinsichtlich des Königs und des Hochpriesters, hinsichtlich des Synedriums aber ist er der Ansicht R. Jehudas oder der Ansicht R. Šimo͑ns, oder streitet er auch hinsichtlich des Synedriums, indem er sagt, das ganze Synedrium sei erforderlich?

4R. Joseph erwiderte: Komm und höre: Man könnte glauben, daß, wenn er sie in Beth Phage trifft und sich ihnen widersetzt, dies als Widersetzlichkeit gelte, so heißt es: du sollst dich aufmachen und zur Stätte gehen; dies lehrt, daß die Stätte Bedingung sei.

5Wieviel sollen hinausgegangen sein: wollte man sagen, ein Teil, so können ja die anderen, die sich innen befinden, seiner Ansicht sein; doch wohl, wenn alle hinausgegangen sind. Wozu: wollte man sagen, zu einer freigestellten Handlung, so dürfen sie ja nicht hinausgehen, denn es heißt: dein Schoß ein gerundetes Becken, dem der Mischwein nicht fehlen darf; doch wohl zur Ausübung eines Gebotes.

6Zu welchem also? Wahrscheinlich zur Messung [beim Genickbrechen] des Kalbes, und zwar nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob, welcher sagt, hierzu sei das ganze Synedrium erforderlich. Abajje erwiderte ihm: Nein, wenn sie hinausgegangen sind, die Stadt oder die Tempelhöfe zu erweitern. Wir haben nämlich gelernt: Man darf die Stadt und die Tempelhöfe nur durch das Gericht von einundsiebzig [Mitgliedern] erweitern.

7Übereinstimmend mit R. Joseph wird gelehrt: Man könnte glauben, daß, wenn er sie in Beth Phage trifft, wenn sie beispielsweise zur Messung [beim Genickbrechen] des Kalbes oder zur Erweiterung der Stadt oder der Tempelhöfe hinausgegangen sind, und sich ihnen widersetzt, dies als Widersetzlichkeit gelte, so heißt es: du sollst dich aufmachen und zur Stätte gehen; dies lehrt, daß die Stätte Bedingung sei.

8VIERJAHRSFRUCHT UND ZWEITER ZEHNT, DESSEN WERT NICHT BEKANNT IST, WERDEN VOR DREI [RICHTERN AUSGELÖST]. Die Rabbanan lehrten: Was heißt zweiter Zehnt, dessen Wert unbekannt ist? Verfaulte Früchte, saurer Wein und schimmlige Münzen. Die Rabbanan lehrten: Zweiten Zehnten, dessen Wert unbekannt ist, löse man durch drei Kaufleute aus, nicht aber durch drei, die keine Kaufleute sind, selbst wenn einer unter ihnen ein Nichtjude oder der Eigentümer ist.

9R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn die drei für einen Beutel arbeiten? – Komm und höre: Ein Mann und seine beiden Frauen können zweiten Zehnten, dessen Wert nicht bekannt ist, auslösen. – Vielleicht wenn sie in einem solchen Verhältnisse leben wie R. Papa mit der Tochter des Abba aus Sura.

10GEHEILIGTES VOR DREI. Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagt, selbst bei der Auslösung eines Häkchens des Heiligtumes seien zehn Personen erforderlich.

11R. Papa sprach zu Abajje: Einleuchtend ist die Ansicht des R. Elie͑zer b. Ja͑qob, denn er ist der Ansicht Šemuéls, der sagt, in diesem Abschnitte werde [das Wort] Priester zehnmal wiederholt, woher aber entnehmen die Rabbanan, daß es drei sein müssen?

12Wolltest du sagen, weil es bei diesem dreimal vorkommt, so sollten doch bei Grundstücken, wobei es viermal vorkommt, vier [Personen] ausreichen. Wolltest du erwidern, dem sei auch so, so haben wir ja gelernt, bei [der Auslösung von] Grundstücken seien neun [Personen] und ein Priester erforderlich.

13Wolltest du erwidern, weil es bei diesen auf zehn ergänzt wird, so sollten doch beim Geheiligten, wobei es bis auf sechs ergänzt wird, sechs erforderlich sein!? – Ein Einwand.

14SCHÄTZGELÜBDE &C. Was heißt Schätzgelübde beweglicher Sachen? R. Gidel erwiderte im Namen Rabhs: Wenn jemand sagt: Ich spende den Schätzungswert dieses Gerätes. R. Gidel sagte nämlich im Namen Rabhs:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.