Sanhedrin — Blatt 21a
1sie salbten ihn dem Herrn zum Fürsten und den Çadoq [zum. Priester]; wie [die Abgaben an den Priester] Çadoq zur Hälfte ihm und zur Hälfte seinen Brüdern gehören, ebenso gehört [die Beute] des Fürsten zur Hälfte ihm und zur Hälfte seinen Brüdern. –
2Woher dies vom [Priester] Çadoq selber! – Es wird gelehrt: Rabbi sagte: es soll Ahron und seinen Söhnen zufallen, die Hälfte Ahron und die Hälfte seinen Söhnen.
3E r darf sich nicht viele Frauen halten, NICHT MEHR ALS ACHTZEHN. R. JEHUDA SAGT, ER DÜRFE SICH MEHR HALTEN, NUR DASS SIE SEIN HERZ NICHT ABWENDIG MACHEN. R. ŠIMO͑N SAGT, SELBST EINE, DIE ABER SEIN HERZ ABWENDIG MACHT, DÜRFE ER NICHT NEHMEN; NUR DESHALB HEISST ES, ER DÜRFE SICH NICHT VIELE HALTEN, SELBST SOLCHE WIE ABIGAJIL.
4GEMARA. Demnach berücksichtigt R. Jehuda den Grund des Schriftverses und R. Šimo͑n berücksichtigt nicht den Grund des Schriftverses, und wir wissen ja von ihnen, daß sie entgegengesetzter Ansicht sind!?
5Es wird nämlich gelehrt: Eine Witwe darf man nicht pfänden, einerlei ob sie arm oder reich ist, denn es heißt: du sollst das Gewand einer Witwe nicht pfänden – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagt, eine reiche dürfe man pfänden, eine arme dürfe man nicht pfänden; du mußt ihr [das Pfand] zurückgeben und bringst sie in einen üblen Ruf unter ihren Nachbarinnen.
6Auf unsere Frage, wie dies zu verstehen sei, [wird erklärt], er meine es wie folgt: wenn du sie pfändest, mußt du ihr [das Pfand] zurückgeben, und dadurch bringst du sie in einen üblen Ruf unter ihren Nachbarinnen. R. Jehuda berücksichtigt also nicht den Grund des Schriftverses, und R. Šimo͑n berücksichtigt wohl den Grund des Schriftverses!? –
7Sonst berücksichtigt R. Jehuda nicht den Grund des Schriftverses, hierbei ist es aber anders, da die Schrift selber den Grund angibt: er darf sich deshalb nicht viele Frauen halten, damit sich sein Herz nicht abwende. –
8Und R. Šimo͑n!? – Er kann dir erwidern: sonst berücksichtigen wir wohl den Grund des Schriftverses, hier aber könnte es ja heißen: er darf sich nicht viele Frauen halten, und nichts weiter, denn man würde ja selber gewußt haben, daß er sich deshalb nicht viele Frauen halten dürfe, damit er nicht abwendig werde, wenn es aber dennoch heißt: damit [sein Herz] nicht abwendig werde, [so besagt dies], auch eine, die aber sein Herz abwendig macht, dürfe er nicht nehmen; ferner besagen [die Worte] nicht viele, selbst solche wie Abigajil.
9Woher dies von achtzehn? – Es heißt: In Ḥebron wurden David Söhne geboren; sein Erstgeborener war Amnon, von Ahinoa͑m aus Jisraél, sein zweiter Kileáb, von Abigajil, der Frau Nabal des Karmeliters, der dritte Abšalom, der Sohn Ma͑khas &c., der vierte Adonija, der Sohn der Ḥaggith, der fünfte Šephaṭja, der Sohn Abiṭals, der sechste Jithrea͑m, von Davids Frau E͑gla. Diese wurden David in Ḥebron geboren.
10Und der Prophet sagte zu ihm: Ist dies zu wenig, so gebe ich dir doppelt so viel und doppelt so viel. Doppelt so viel, sechs, und doppelt so viel, sechs, das sind zusammen achtzehn.
11Rabina wandte ein: Vielleicht: doppelt so viel, zwölf, und doppelt so viel, vierundzwanzig!?
12Ebenso wird auch gelehrt: Er darf sich nicht mehr als vierundzwanzig Frauen halten. Nach demjenigen aber, der das und zur Forschung verwendet, sind es achtundvierzig. Ebenso wird auch gelehrt: Er darf sich nicht mehr als achtundvierzig Frauen halten. –
13Was ist der Grund von unserem Autor? R. Kahana erwiderte: Er vergleicht das erste doppelt so viel mit dem zweiten: wie das erste sechs, ebenso das zweite sechs. –
14Die Mikhal kommt ja noch hinzu!? Rabh erwiderte: E͑gla ist Mikhal, nur heißt sie deshalb E͑gla, weil sie ihm lieb war wie ein Kalb [e͑gla], wie es auch heißt: hättet ihr nicht mit meinem Kalbe gepflügt &c. –
15Hatte denn Mikhal Kinder, es heißt ja: aber Mikhal, die Tochter Šaúls, hatte bis an ihren Todestag kein Kind!? R. Ḥisda erwiderte: Bis an ihren Todestag hatte sie keines, an ihrem Todestage hatte sie. –
16Merke, die Söhne werden ja als in Ḥebron geboren aufgezählt, während das Ereignis mit der Mikhal in Jerušalem geschah, wie es heißt: und Mikhal, die Tochter Šaúls, schaute durch das Fenster, und als sie den König David erblickte, wie er vor dem Herrn her sprang und tanzte, verachtete sie ihn, und hierzu sagte R. Jehuda, nach anderen R. Joseph, Mikhal habe ihre Strafe erhalten!? – Sage vielmehr, bis zu diesem Ereignisse hatte sie, später hatte sie nicht mehr. –
17Es heißt ja ober: in Jerušalem nahm sich David noch weitere Kebsweiber und Frauen!? – Zur Ergänzung der achtzehn. – Welche sind Frauen und welche sind Kebsweiber? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Frauen, mit Morgengabe und Antrauung, Kebsweiber, ohne Morgengabe und ohne Antrauung.
18R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Vierhundert Kinder hatte David, es waren Kinder von den schönen Frauen; alle trugen sie Locken, fuhren in goldenen Wagen und gingen an der Spitze von Raubtruppen; diese waren die Faustmänner des Davidischen Hauses.
19Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs; Tamar war die Tochter einer schönen Frau, denn es heißt: Rede doch lieber mit dem König, er wird mich dir gewiß nicht versagen. Wieso wäre ihm, wenn man sagen wollte, sie war die Tochter einer angetrauten Frau, seine Schwester erlaubt? Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß sie die Tochter einer schönen Frau war.
20Nun hatte Amnon einen Freund, Namens Jonadab, Sohn von Davids Bruder Šimea͑; dieser war ein überaus kluger Mann &c. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Klug zum Bösen.
21Der fragte ihn: Warum bist du so abgezehrt, Königssohn &c. Da sprach Jonadab zu ihm: Lege dich zu Bett und stelle dich krank &c., bis: wenn sie vor meinen Augen das Essen bereitete. Da nahm sie die Pfanne und schüttete vor ihm. R. Jehuda sagte im Namen Rabhas: Sie bereitete ihm eine Art Brägelspeise.
22Dann aber haßte sie Amnon sehr. Aus welchem Grunde? R. Jiçḥaq erwiderte: Ein Haar verwickelte sich ihm [um das Glied] und verstümmelte ihm die Harnröhre. – Was konnte sie denn dafür, daß es sich umwickelt hatte!? – Sage vielmehr, sie wickelte ihm ein Haar [um das Glied] und verstümmelte ihm die Harnröhre. –
23Dem ist ja aber nicht so. Raba trug ja vor: Es heißt: und dein Ruhm erscholl unter den Völkern wegen deiner Schönheit; die Töchter Jisraéls haben Haare weder in der Achselhöhle noch an der Scham!? – Anders verhielt es sich bei Tamar, sie war die Tochter einer schönen Frau.
24Da streute Tamar Asche auf ihr Haupt und zerriß das Ärmelkleid, das sie anhatte. Im Namen des R. Jehošua͑ b. Qorḥa wird gelehrt: Tamar errichtete einen großen Zaun. Man sagte dann nämlich: Wenn dies Töchtern von Königen passieren kann, um wieviel mehr Töchtern von Gemeinen; wenn dies Keuschen passieren kann, um wieviel mehr Ausgelassenen! R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: In jener Stunde verboten sie das Beisammensein
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.