Sanhedrin — Blatt 22a

1und jener Brief war aramäisch geschrieben und aramäisch übersetzt. Ferner heißt es: aber keiner konnte die Schrift lesen und dem König sagen, was sie bedeute . Ferner heißt es: er soll eine Abschrift dieses Gesetzes schreiben, eine Schrift, die dereinst geändert werden sollte. –

2Weshalb heißt sie assyrische Schrift? – Weil sie sie aus Assyrien mitgebracht haben.

3Es wird gelehrt: Ursprünglich wurde den Jisraéliten die Tora in dieser Schrift verliehen, als sie aber sündigten, wurde sie ihnen in die Frakturschrift geändert, und als sie darauf Buße taten, gab man ihnen jene zurück, denn es heißt: kehrt zurück nach der festen Burg, ihr Gefangenen auf Hoffnung; auch heute wird es verkündet: das Wiederholte will ich dir zurückgehen. –

4Weshalb heißt sie demnach assyrische [Schrift]? – Weil diese Schrift gerade [meúšereth] steht.

5R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte im Namen des R. Elie͑zer b. Proṭo, der es im Namen R. Elea͑zars aus Modai͑m sagte: Diese Schrift wurde überhaupt nicht geändert, denn es heißt: die Haken der Säulen. Ferner heißt es: und so auch an die Juden, gemäß ihrer Schrift und Sprache; wie sich ihre Sprache nicht geändert hat, ebenso hat sich auch ihre Schrift nicht geändert.

6Worauf aber beziehe ich [die Worte] die Abschrift dieses Gesetzes ? Auf die zwei Torarollen, eine, die er beim Gehen und Kommen bei sich führt, und eine, die er in seiner Schatzkammer aufbewahrt. Die er beim Gehen und Kommen bei sich führt, fertige er nach der Art eines Amulettes und trage sie am Arme, denn es heißt: ich habe den Herrn beständig vor mir. –

7Wofür verwendet der andere diesen Vers? – Diesen verwendet er für eine Lehre des R. Ḥana b. Bizna, denn R. Ḥana b. Bizna sagte im Namen R. Šimo͑n des Frommen: Wer das Gebet verrichtet, dem komme es vor, als befände sich die Göttlichkeit vor ihm, denn es heißt: ich habe den Herrn beständig vor mir. –

8Wie erklärt R. Šimo͑n, welcher sagt, diese Schrift wurde überhaupt nicht geändert, [den Vers]: aber keiner konnte die Schrift lesen!? Rabh erwiderte: Es war chiffriert geschrieben: jṭt jṭt ajdk pvgḥmṭ .

9Wie erklärte er es ihnen? – Mna mna tql vprsjn. Mna: Gott hat [die Tage] deines Königtums gezählt und ihm ein Ende bereitet; tql: du bist auf der Wage gewogen und zu leicht befunden worden; vprsjn: dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben worden,

10Šemuél sagte; [Die Inschrift lautete:] Mmtvs nnqpj aalrn . R. Johanan sagte: Anm anm. Iqt njsrpv . R. Aši sagte: Nma nma qtl pvrsjn .

11MAN DARF NICHT AUF SEINEM PFERDE REITEN, NOCH AUF SEINEM THRONE SITZEN, NOCH SICH SEINES STABES BEDIENEN. MAN DARF NICHT ZUSEHEN, WENN ER SICH DAS HAAR SCHNEIDEN LÄSST, AUCH NICHT WENN ER NACKT IST, AUCH NICHT WENN ER SICH IM BADE BEFINDET, DENN ES HEISST:( du sollst einen König über dich setzen, DASS DU EHRFURCHT VOR IHM HAST.

12GEMARA. R. Ja͑qob sagte im Namen R. Joḥanans: Abišag war Šelomo erlaubt und Adonija verboten; Šelomo erlaubt, da er ein König war, und der König sich des Stabes des Königs bedienen darf, Adonija aber verboten, da er Gemeiner war. –

13Was für eine Bewandtnis hat es mit der Abišag? – Es heißt: als der König David alt geworden war und hochbetagt &c. Da sprachen seine Diener zu ihm: Man suche &c. Ferner: und sie suchten nach einem schönen Mädchen &c. Ferner: das Mädchen war überaus schön, und sie wurde des Königs Pflegerin und bediente ihn. Sie sprach zu ihm: Heirate mich. Er antwortete ihr: Du bist mir verboten.

14Da erwiderte sie ihm: Fehlt dem Diebe der Mut, so wird er tugendhaft. Darauf sprach er: Ruft mir Bath Šeba͑. Und es heißt: da kam Bath Šeba͑ zum König in das Zimmer. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: In jener Stunde reinigte sich Bath Šeba͑ mit dreizehn Tüchern.

15R. Šamen b. Abba sagte: Komm und sieh, wie schwer die Scheidung ist; sie erlaubten dem König David das Beisammensein, nicht aber die Scheidung.

16R. Elie͑zer sagte: Wenn jemand sich von seiner ersten Frau scheiden läßt, so vergießt sogar der Altar Tränen über ihn, denn es heißt: Zum zweiten aber tut ihr folgendes: daß der Altar des Herrn mit Tränen, mit Weinen und Schluchzen bedeckt wird, sodaß er sich nicht mehr wenden mag zur Opfergabe und zur Entgegennahme von Wohlgefälligem aus eurer Hand. Und darauf folgt: ihr fragt: warum? Weil der Herr Zeuge war [des Bündnisses] zwischen dir und dem Weihe deiner Jugend, dem du untreu geworden bist, während sie doch deine Gefährtin und deine Jugendfrau war.

17R. Joḥanan, nach anderen R. Elea͑zar, sagte: Die Frau stirbt einem nur deshalb, weil man von ihm Geld fordert und er keines hat, denn es heißt: warum soll man dir das Lager unter dir wegnehmen, wenn du nicht bezahlen kannst.

18Ferner sagte R. Joḥanan: Wenn einem seine erste Frau stirbt, so ist es ebenso, als würde der Tempel in seinen Tagen zerstört worden sein, denn es heißt: Menschensohn, ich werde dir deiner Augen Lust durch die Seuche wegnehmen, du aber sollst nicht klagen noch weinen, noch sollen dir Tränen kommen. Darauf folgt: Und ich redete am Morgen zum Volke, und am Abend starb meine Frau. Und ebenso heißt es: Ich werde mein Heiligtum entweihen, der Gegenstand eures Stolzes, die Lust eurer Augen.

19R. Alexandri sagte: Wenn einem seine Frau stirbt, so verfinstert sich ihm die Welt, denn es heißt: das Licht verfinstert sich in seinem Zelte, und seine Leuchte über ihm erlischt. R. Jose b. Ḥanina sagte: Seine Schritte werden verkürzt, denn es heißt: seine rüstigen Schritte werden kurz. R. Abahu sagt: Sein Rückgrat fällt zusammen, denn es heißt: und sein Anschlag läßt ihn fallen.

20Raba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Die Verbindung [zwischen Mann und Frau] ist ebenso schwer, wie die Spaltung des Schilfmeeres, denn es heißt: Gott, der die Einzelnen in die Familie bringt, der die Gefangenen in Wohlergehen befreit. –

21Dem ist ja aber nicht so, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs, daß vierzig Tage vor der Geburt des Kindes eine Hallstimme ausrufe: Die Tochter von diesem für jenen!? – Das ist kein Einwand; eines gilt von der ersten Ehe und eines von der zweiten Ehe.

22R. Šemuél b. Naḥman sagte: Für alles gibt es einen Ersatz, nur nicht für die Jugendfrau, denn es heißt: und eine Jugendfrau, kann sie verschmäht werden? R. Jehuda lehrte seinen Sohn R. Jiçḥaq: Ein Mensch findet Befriedigung nur bei seiner ersten Frau, denn es heißt: dein Born sei gesegnet, daß du Freude hast vom Weibe deiner Jugend.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.