Sanhedrin — Blatt 39b
1und sich unter die übrigen Völker nicht rechnet
2R. Elea͑zar wies auf einen Widerspruch hin: Es heißt: gütig ist der Herr gegen alle, dagegen heißt es: gütig ist der Herr gegen die, die auf ihn hoffen!? Dies ist mit einem zu vergleichen, der einen Obstgarten hat; ist er bei der Bewässerung, so bewässert er den ganzen, ist er aber beim Jäten, so jätet er nur vor den guten [Bäumen].
3DAHER MUSS JEDER &C. Da erscholl der Jubelruf durch das Heer. R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Wenn die Gottlosen umkommen, ertönt Jubel; als Aḥáb, der Sohn O͑mris, umkam, ertönte Jubel. –
4Freut sich denn der Heilige, gepriesen sei er, über das Unglück der Gottlosen, es heißt ja: während sie vor den Kampfgerüsteten einherzogen, sprachen sie: Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Gnade, und hierzu sagte R. Jonathan: Weshalb stehen in diesem Dankspruch nicht [die Worte:] denn er ist gütig ? Weil der Heilige, gepriesen sei er, sich nicht über das Unglück der Gottlosen freut!?
5R. Šemuél b. Naḥman sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Es heißt: und sie kamen sich die ganze Nacht nicht nahe; die Dienstengel wollten dann vor dem Heiligen, gepriesen sei er, das Lied anstimmen, da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihnen: Mein Händewerk ertrinkt im Meere und ihr wollt vor mir das Lied anstimmen!?
6R. Jose b. Ḥanina erklärte: Er selbst freut sich darüber nicht, wohl aber läßt er andere sich freuen. Dies ist auch zu beweisen: es heißt: sich freuen lassen, nicht aber: sich freuen. Schließe hieraus.
7Und die Huren badeten sich &c. R. Elea͑zar erklärte: Um zwei Visionen in ihrer Klarheit zu zeigen, die des Mikhajhu und die des Elijahu. Mikhajhu weissagte: Kehrst du wohlbehalten zurück, so hat der Herr nicht mit mir geredet. Elijahu weissagte: An der Stätte, wo die Hunde das Blut Naboths geleckt haben.
8Raba erklärte: Wirkliche Huren, Aḥa͑b war nämlich kaltblütig, und Izebel ließ die Bilder zweier Huren in seinem Wagen anbringen, damit er sie betrachte und [sein Blut] in Wallung gerate.
9Ein Mann aber hatte von ungefähr den Bogen gespannt und traf. R. Elea͑zar erklärte: Ohne Absicht zu zielen. Raba erklärte: Um zwei Visionen in Erfüllung gehen zu lassen, die des Mikhajhu und die des Elijahu.
10Es heißt: da ließ Aḥáb den Haushofmeister O͑badja rufen. O͑badja aber war sehr gottesfürchtig. Was sprach er zu ihm?
11R. Jiçḥaq erwiderte: Er sprach zu ihm: Bei Ja͑qob heißt es: ich spüre daß mich der Herr um deinetwillen gesegnet hat, bei Joseph heißt es: und der Herr segnete das Haus des Miçri um Josephs willen, mein Haus aber ist nicht gesegnet worden; du bist wahrscheinlich nicht gottesfürchtig. Da ertönte eine Hallstimme und sprach; O͑badja ist sehr gottesfürchtig, das Haus Aḥábs aber ist nicht zum Segen bestimmt.
12R. Abba sagte: Bedeutender ist das, was von O͑badja gesagt wird, als das, was von Abraham gesagt wird, denn bei Abraham heißt es nicht sehr, bei O͑badja heißt es aber sehr.
13R. Jiçḥaq sagte: Aus welchem Grunde war dem O͑badjahu die Prophetie beschieden? Weil er die hundert Propheten in der Höhle versteckt hatte, wie es heißt: und als Izebel die Propheten des Herrn ausrottete, nahm O͑badja hundert Propheten und versteckte sie je fünfzig in einer Höhle &c. – Weshalb je fünfzig? R. Elea͑zar erwiderte: Er lernte dies von Ja͑qob, wie es heißt: so kann das andere Lager entrinnen. R. Abahu erklärte: Die Höhle faßte nicht mehr als fünfzig.
14Die Offenbarung des O͑badja. So spricht Gott der Herr über Edom &c. Weshalb weissagte gerade O͑badja über Edom?
15R. Jiçḥaq erwiderte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Mag O͑badja, der zwischen zwei Frevlern weilte, ohne von ihren Taten gelernt zu haben, kommen und weissagen über den gottlosen E͑sav, der zwischen zwei Frommen weilte, ohne von ihren Taten gelernt zu haben. Ephrajim der Fragensteller, ein Schüler R. Meírs, sagte im Namen R. Meírs: O͑badja war ein edomitischer Proselyt; das ist es also, was die Leute sagen: Vom Walde selber kommt der Axtstiel.
16Er schlug die Moabiter und maß sie mit einer Schnur ab, indem er sie auf die Erde niederlegen ließ. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Das ist es, was die Leute sagen: vom Walde selber kommt der Axtstiel. Als R. Dimi kam, sagte er: Der Schenkel stinkt von seiner Mitte aus.
17Da nahm er seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm herrschen sollte, und opferte ihn auf der Mauer als Brandopfer. [Hierüber streiten] Rabh und Šemuél, einer sagt, im Namen des Himmels, und einer sagt, im Namen des Götzen. –
18Erklärlich ist der Schriftvers: da kam ein gewaltiger Zorn über Jisraél, nach demjenigen, der im Namen des Himmels sagt, wieso aber kam über sie ein gewaltiger Zorn nach demjenigen, der im Namen des Götzen sagt!? –
19Dies nach einer Lehre des R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: nach den Rechten der Völker rings um euch her habt ihr nicht gehandelt, dagegen heißt es: nach den Rechten der Völker rings um euch her habt ihr gehandelt!? Nach den Guten unter ihnen habt ihr nicht gehandelt, nach den Schlechten unter ihnen habt ihr wohl gehandelt.
20Da zogen sie ab und kehrten nach dem Lande zurück. R. Ḥanina b. Papa sagte: In dieser Stunde sanken die Feinde Jisraéls in die unterste Stufe.
21Und das Mädchen war bis [zum äußersten] sehr schön. R. Ḥanina b. Papa sagte: Sie erlangte nicht einmal die Hälfte der Schönheit Saras, denn es heißt bis [zum Äußersten], also ausschließlich des Äußersten.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.