Sanhedrin — Blatt 93b
1Wollte man sagen, sechs Seá, –
2kann denn eine Frau sechs Seá tragen? Vielmehr, er gab ihr eine Andeutung, daß ihr sechs Kinder entstammen werden, die mit je sechs Segen bedacht werden sollen, und zwar: David, der Messias, Daniél, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja. Von David heißt es: da nahm einer von den Dienern das Wort und sprach: Ich habe da einen Sohn des Betleḥemiten, Jišaj gesehen, der ist des Saitenspieles kundig, ein tüchtiger Mann und kriegsgeübt, dazu der Worte verständig, von schöner Gestalt und der Herr ist mit ihm &c.
3Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Diesen ganzen Schriftvers sprach Doég nur zur Verleumdung. Der des Saitenspieles kundig ist, der in Fragestellungen kundig ist; ein tüchtiger Mann, er versteht eine Antwort zu geben; kriegsgeübt, er ist kundig bei Verhandlungen im Kampfe der Tora; von schöner Gestalt; er versteht der Halakha verschiedene Gestalten zu geben; der Worte verständig, er versteht eine Sache durch die andere; der Herr ist mit ihm, die Halakha wird stets nach seiner Ansicht entschieden.
4Bei all diesen [Lobesworten] erwiderte er, bei seinem Sohne Jonathan verhalte es sich ebenso, als er ihm aber etwas sagte, was bei ihm selber nicht der Fall war, wurde er verdrießlich und neidisch. Von Šaúl heißt es nämlich: wohin er sich auch wandte, da verdammte er; von David aber heißt es: Wohin er sich auch wandte, da war er siegreich. –
5Woher, daß es Doég war? – Hier heißt es: da nahm einer von den Dienern das Wort, der ausgezeichnete unter den Dienern, und dort heißt es: da befand sich an jenem Tage einer von Šaúls Beamten, der sich vor dem Herrn aufhielt, namens Doég der Edomiter, der Oberste des Hirten Šaúls &c. –
6Vom Messias heißt es: der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht &c. Es heißt: er wird ihn an der Gottesfurcht Gefallen finden lassen.
7R. Alexandri erklärte, dies besagte, daß er ihn mit gottgefälligen Handlungen und Leiden wie mit Mühlsteinen beladen. wird, Raba erklärte, er werde riechen und richten, denn es heißt: er wird nicht nach dem richten, was seine Augen sehen, sondern über die Geringen mit Gerechtigkeit richten und über die Elenden des Landes mit Geradheit urteilen.
8Bar Kochba, der zwei und ein halbes Jahr regierte, sagte zu den Weisen, er sei der Messias. Da sprachen sie: Von dem Messias heißt es, er werde riechen und richten, wir wollen nun sehen, ob er riechen und richten könne. Als sie sahen, daß er nicht riechen und richten konnte, töteten sie ihn.
9Von Daniél, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja heißt es: die keinen körperlichen Fehler haben, von schönem Aussehen, in allem Wissen wohlbewandert, kenntnisreich und einsichtsvoll wären und die Fähigkeit besäßen, im Palaste des Königs zu dienen, und sie in der Schrift und Sprache der Khaldäer zu unterrichten. –
10Was heißt: die keinen körperlichen Fehler haben? R. Ḥama b. Ḥanina erwiderte: Nicht einmal ein Stich der Schröpflanzette war an ihnen. – Was heißt: die Fähigkeit besäßen, im Palast des Königs zu dienen? R. Ḥama b. Ḥanina erwiderte: Sie vermochten sich des Lachens, des Geplauders und des Schlafes zu enthalten, und sich zu verkneifen, wenn sie ihre Notdurft zu verrichten hatten, aus Ehrfurcht vor dem Könige.
11Es befanden sich unter ihnen die Judäer Daniél, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja. R. Elie͑zer sagte, sie waren alle vom Stamme Jehuda; R. Šemuél b. Naḥmani sagte, Daniél vom Stamme Jehuda, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja von den übrigen Stämmen.
12Und von deinen Söhnen, die von dir abstammen werden, die du erzeugen wirst, wird man welche nehmen, daß sie im Palaste des Königs von Babel als Kastraten dienen. Was ist unter Kastraten zu verstehen? – Rabh erklärte, wirkliche Kastraten; R. Ḥanina erklärte, in ihren Tagen wurde der Götzendienst kastriert. –
13Einleuchtend ist nach demjenigen, welcher erklärt, in ihren Tagen wurde der Götzendienst kastriert, der Schriftvers: und keine Verletzung ist an ihnen, wie ist aber der Schriftvers: und keine Verletzung ist an ihnen, nach demjenigen zu erklären, welcher erklärt, wirkliche Kastraten!? – [Keine] Verletzung durch das Feuer. – Es heißt ja bereits: und daß kein Brandgeruch an ihnen war!? – Weder eine Verletzung noch ein Geruch. –
14Einleuchtend ist nach demjenigen, welcher erklärt, in ihren Tagen wurde der Götzendienst kastriert, der Schriftvers: so spricht der Herr von den Kastraten, die meine Šabbathe halten &c., nach demjenigen aber, welcher erklärt, wirkliche Kastraten, erzählt ja die Schrift die Schande der Frommen!? – Beides war bei ihnen. –
15Einleuchtend ist nach demjenigen, welcher erklärt, wirkliche Kastraten, der Schriftvers: in meinem Tempel und meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen verleihen, die besser sind als Söhne und Töchter, welche Bedeutung aber haben die Worte: die besser sind als Söhne und Töchter, nach demjenigen, welcher erklärt, in ihren Tagen wurde der Götzendienst kastriert!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Als die Kinder, die sie hatten und gestorben sind. – Was heißt: einen ewigen, unvertilgbaren Namen will ich ihm geben? R. Tanḥum erwiderte: Bar Qappara trug in Sepphoris vor, dies sei das Buch Daniél, das seinen Namen trägt. –
16Merke, das ganze [Buch] E͑zra rührt ja von Neḥemja, dem Sehne Ḥakhaijas her, weshalb nun trägt es nicht den Namen Neḥemjas, des Sohnes Ḥakhaljas!? R. Jirmeja b. Abba erwiderte: Weil er sich selber Anerkennung zollte, denn es heißt: Gott gedenke es mir zum Besten. – David sagte ja ebenfalls: gedenke meiner, o Herr, in Huld, bedenke mich mit deiner Hilfe!? – David sagte es nur als Gebet.
17R. Joseph erwiderte: Weil er die Schändlichkeiten der Altvorderen erzählt, denn es heißt: und die früheren Statthalter, die vor mir waren, hatten das Volk belastet und sie bezogen von ihnen für Brot und Wein jeder vierzig Šeqel Silber &c. Und selbst über Daniél, der bedeutender als er war, redete er. –
18Woher, daß er bedeutender war als er? – Es heißt: ich, Daniél, allein sah diese Erscheinung, während die Männer, die bei mir waren, nichts von der Erscheinung sahen; aber ein großer Schrecken hatte sie befallen, daß sie flohen, um sich zu verbergen. Wer waren diese Männer? R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba, erwiderte: Es waren Ḥaggaj, Zekharja und Maleákhi.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.