Schabbat — Blatt 10b

1Nein, vielleicht ist es bei einem Aborte anders, der ekelhaft ist.

2«So darf man da nicht Frieden bieten.» Dies ist also eine Stütze für R.Hamnuna, der im Namen U͑las sagte, daß man nicht im Badehause seinem Nächsten Frieden bieten dürfe, denn es heißt: und er nannte ihn ‘der Herr ist Frieden’. –

3Demnach ist es auch verboten, im Aborte [das Wort] Wahrheit auszusprechen, denn es heißt: der wahrhaftige Gott!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so sagte ja Raba b. Meḥasja im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs, daß es erlaubt sei, im Aborte [das Wort] Wahrheit auszusprechen. – Der Gottesname selber wird nicht so genannt, denn wir übersetzen: der wahrhaftige Gott, während der Gottesname selber ‘Friede’ genannt wird, wie es heißt: und er nannte ihn ‘der Herr ist Frieden’.

4Ferner sagte Raba b. Meḥasja im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Wenn jemand seinem Nächsten ein Geschenk macht, so muß er es ihm kund tun, denn es heißt: um kund zu tun, daß ich der Herr bin, der euch heiligt. Desgleichen wird gelehrt: Um kund zu tun, daß ich der Herr bin, der euch heiligt. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich zu Moše: Ich habe ein kostbares Geschenk in meiner Schatzkammer, dessen Name ist Šabbath, und ich will es den Jisraéliten schenken, geh und tue es ihnen kund. Hieraus folgernd sagte R. Šimo͑n b. Gamliél: Wer einem Kinde Brot gibt, tue es der Mutter kund. – Wie mache man dies? Abajje erwiderte: Er bestreiche es mit Öl, oder man trage ihm etwas Schminke auf. – Wie aber jetzt, wo wir Zauberei befürchten? R. Papa erwiderte: Man bestreiche es mit derselben Art. –

5Dem ist ja aber nicht so, R. Ḥama b. Ḥanina sagte ja, wer seinem Nächsten ein Geschenk macht, brauche ihm dies nicht kund zu tun, denn es heißt: und Moše wußte nicht, daß die Haut seines Antlitzes strahlend geworden war, infolge seiner Unterredung mit ihm!? – Das ist kein Einwand; dies bei einer Sache, die auch sonst bekannt wird, jenes bei einer Sache, die sonst nicht bekannt wird. – Aber auch der Šabbath ist ja eine Sache, die auch sonst bekannt wurde!? – Dessen Belohnung wäre nicht bekannt geworden.

6R. Ḥisda hielt zwei Priestergeschenke von einem Ochsen in der Hand und sprach: Wer da kommt und mir eine neue Lehre im Namen Rabhs sagt, dem gebe ich sie. Da sprach Raba b. Meḥasja zu ihm: Folgendes sagte Rabh: Wenn jemand seinem Nächsten ein Geschenk macht, so muß er es ihm kund tun, denn es heißt: um kund zu tun, daß ich der Herr bin, der euch heiligt. Da gab er sie ihm. Hierauf sprach dieser: Sind dir die Lehren Rabhs so sehr lieb? Jener erwiderte: Jawohl. Da sprach dieser: Das ist es, was Rabh gesagt hat: Das Kleid ist seinem Träger teuer. Jener versetzte: Das hat Rabh gesagt? Das andere ist mir lieber als das erste; hätte ich bei mir ein zweites [Geschenk], so würde ich es dir gegeben haben.

7Ferner sagte Raba b. Meḥasja im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Nie zeichne ein Vater ein Kind vor den anderen aus; denn wegen eines Kleides im Gewichte von zweiSelai͑m, das Ja͑qob dem Joseph mehr als seinen übrigen Söhnen gab, beneideten ihn seine Brüder, und daraus entwickelte es sich, daß unsere Vorfahren nach Miçrajim hinabzogen.

8Ferner sagte Raba b. Meḥasja im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Stets sei man bestrebt, in einer neubesiedelten Stadt zu wohnen, denn da sie neu besiedelt ist, sind deren Sünden wenig, wie es heißt: siehe, da ist eine nahe Stadt, darin könnte ich fliehen, und sie ist nur gering. Was heißt nahe: wollte man sagen, sie liegt in der Nähe und ist klein, so sahen sie es ja, wozu brauchte er es ihnen zu sagen!? Vielmehr, sie ist erst seit kurzem bewohnt, und ihre Sünden sind daher gering. R. Ahm sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: dorthin möchte ich mich doch flüchten; der Zahlenwert [des Wortes] na [doch]beträgt einundfünfzig, während Sedom zweiundfünfzig [Jahre bestanden hatte].

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.