Schabbat — Blatt 116a
1daß er sich nicht auf der richtigen Stelle befinde. Rabbi sagte: Nicht aus diesem Grunde, sondern weil dieser Abschnitt einen bedeutenden Text für sich bildet. –
2Wessen Ansicht vertritt das, was R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans gesagt hat: Sie hat ihre sieben Säulen ausgehauen, das sind nämlich die sieben Bücher der Tora. Wessen nun? Die des Rabbi. –
3Wer ist der Tanna, der gegen Rabbi streitet? – Es ist R. Šimo͑n b. Gamliél, denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Dereinst wird dieser Abschnitt aus dieser Stelle entfernt und an die richtige Stelle gesetzt werden. Weshalb aber steht er hier? Um zwischen dem ersten und dem zweiten Unglücke zu trennen. – Welches ist das zweite Unglück? – Und das Volk beklagte sich. – Welches ist das erste Unglück? – Und sie zogen vom Berge des Herrn, und R. Ḥama b. R. Ḥanina erklärte: Sie zogen sich von Gott zurück. – Wo gehört er hin? R. Aši erwiderte: In [den Abschnitt von den] Bannern.
4Sie stellten die Frage: Darf man die unbeschriebenen Ränder einer Torarolle aus einer Feuersbrunst retten oder nicht? – Komm und höre: [Ein Fragment einer] vermoderten Torarolle darf man, wenn man auf diesem fünfundachtzig Buchstaben zusammensuchen kann, wie sie der Abschnitt ‘Und als die Lade sich in Bewegung setzte’ enthält, [aus einer Feuersbrunst] retten, sonst aber nicht. Weshalb denn, dies sollte ja schon wegen des Randes erfolgen!? – Anders ist es bei einem vermoderten. –
5Komm und höre: Ein verwischtes [Fragment einer] Torarolle darf man, wenn man auf diesem fünfundachtzig Buchstaben zusammensuchen kann, wie sie der Abschnitt ‘Und als die Lade sich in Bewegung setzte’ enthält, [aus einer Feuersbrunst] retten, sonst aber nicht. Weshalb denn, dies sollte ja schon wegen des Randes erfolgen!? – Hinsichtlich der Stelle, auf der einst Schrift war, ist es mir nicht fraglich, denn wie diese nur durch die Schrift heilig war, so schwindet ihre Heiligkeit mit dem Verschwinden der Schrift; fraglich ist es mir nur hinsichtlich [des Randes] oben und unten und [des Raumes] zwischen den Abschnitten, zwischen den Spalten und am Beginne und Schlusse des Buches. – So sollte es doch wegen des [Randes] erfolgen!? – Wenn man [den Rand] abgeschnitten und fortgeworfen hat. –
6Komm und höre: Die Ränder oben und unten, [der Raum] zwischen den Abschnitten, zwischen den Spalten, am Beginne und am Schlusse des Buches machen die Hände unrein!? – Vielleicht ist es anders, wenn es mit der Torarolle selbst erfolgt. –
7Komm und höre: Die Ränder und Minäerbücher darf man aus einer Feuersbrunst nicht retten; man lasse sie vielmehr an ihrer Stelle verbrennen, sie selbst samt ihren Gottesnamen. Doch wohl die Ränder einer Torarolle!? – Nein, die Ränder der Minäerbücher. – Wenn man die Minäerbücher selbst nicht retten darf, wozu braucht er es von den Rändern zu lehren!? – Er meint es, wie folgt: die Minäerbücher gleichen den Rändern.
8Der Text. Die Ränder und die Minäerbücher darf man aus einer Feuersbrunst nicht retten. R. Jose sagte: Am Wochentage schneide man die darin enthaltenen Gottesnamen aus und verstecke sie, und das Übrige verbrenne man. R. Tryphon sagte: Ich will meiner Kinder beraubt sein, wenn ich sie nicht, wenn sie mir in die Hände kommen sollten, samt den in ihnen enthaltenen Gottesnamen verbrennen würde. Selbst wenn einer jemand verfolgt, um ihn zu töten, oder eine Schlange ihm nachläuft, um ihn zu beißen, flüchte er sich lieber in ein Götzenhaus, als die Häuser von diesen zu betreten. Diese kennen [Gott] und leugnen, während jene ihn nicht kennen und leugnen. Über sie spricht die Schrift: hinter Tür und Pfosten stellst du dein Gedächtnis auf.
9R. Jišma͑él sagte: Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn die Tora gesagt hat, mein in Heiligkeit geschriebener Name sei durch das [Fluch]wasser auszulöschen, um Frieden zwischen Mann und Frau herzustellen, um wieviel mehr [wegen] dieser, die Neid, Haß und Streit zwischen den Jisraéliten und ihrem Vater im Himmel stiften. Über sie spricht David: Sollte ich nicht hassen, o Herr, die dich hassen, und nicht zanken mit denen, die sich gegen dich auflehnen? Mit vollendetem Hasse hasse ich sie, als Feinde gelten sie mir. Und wie man diese nicht aus einer Feuersbrunst retten darf, so darf man sie auch nicht aus einem Trümmerhaufen, aus dem Wasser, noch aus sonst etwas, das sie vernichtet, retten.
10R. Joseph b. Ḥanin fragte R. Abahu: Darf man die Bücher des Abidanhauses aus einer Feuersbrunst retten oder nicht? – Ja und nein; er schwankte. Rabh besuchte nicht das Abidanhaus und um so weniger das Niçrephehaus. Šemuél besuchte nicht das Niçrephehaus, wohl aber das Abidanhaus. Einst sprachen sie zu Raba: Weshalb kommst du nicht in das Abidanhaus? Er erwiderte: Jene Palme befindet sich auf dem Wege und sie ist mir hinderlich. – So möge er sie entwurzeln. – Dann wird mir diese Stelle hinderlich sein. Mar b. Joseph sagte: Ich gehöre zu ihnen und fürchte sie nicht. Einmal aber ging er hin, und sie wollten ihn gefährden. R. Meír nannte [das Evangelium] ‘Aven-giljon [Unheilsblätter]’, R. Joḥanan nannte es ‘A͑von-giljon [Sündenblätter]’.
11Imma Šalom, die Frau R. Elie͑zers und Schwester R. Gamliéls, hatte einen Philosophen in der Nachbarschaft,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.