Schabbat — Blatt 118b
1das Erbteil deines Vaters Ja͑qob genießen lassen &c. Nicht das Erbteil Abrahams, von dem es heißt: auf, durchwandle das Land in der Länge und in der Breite &c., nicht das Erbteil Jiçḥaqs, von dem es heißt: denn dir und deinen Kindern will ich all diese Länder geben, sondern das Erbteil Ja͑qobs, von dem es heißt: und du sollst dich ausbreiten nach West und Ost und Nord und Süd.
2R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Er wird auch vor der Knechtschaft der Regierungen bewahrt, denn hierbei heißt es: ich will dich auf die Höhen des Landes einherfahren lassen, und dort heißt es: du wirst über ihre Höhen einherschreiten. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wer den Šabbath in Wonne feiert, dem werden die Wünsche seines Herzens gewährt, denn es heißt: so wirst du an dem Herrn Wonne haben, und er wird dir geben, was dein Herz wünscht. Ich würde nicht gewußt haben, was das für eine Wonne ist, wenn es aber heißt: du sollst den Šabbath eine Wonne nennen, so ist darunter die Wonne des Šabbaths zu verstehen. – Womit bereite man ihm eine Wonne? R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, sagte im Namen Rabhs: Mit Mangoldspeisen, großen Fischen und Knoblauchköpfen. R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Selbst das Wenige ist, wenn man es nur zu Ehren des Šabbaths bereitet, für ihn eine Wonne. – Was ist damit gemeint? R. Papa erwiderte: Eine Bratfischspeise.
3R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer den Šabbath nach Vorschrift hält, dem wird, selbst wenn er wie EnošGötzendienst getrieben hat, dies vergeben, denn es heißt: Heil dem Menschen, der dies tut &c. vor Entweihung bewahrt [meḥialelo]; man lese nicht meḥalelo, sondern maḥul lo [es sei ihm vergeben].
4R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Hätten die Jisraéliten den ersten Šabbath gehalten, so hätte keine Nation und kein Sprachstamm über sie Gewalt gehabt, denn es heißt: und es geschah am siebenten Tage, da gingen etliche Leute hinaus, um einzusammeln, und darauf folgt: und A͑maleq kam. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Würden die Jisraéliten zwei Šabbathe nach Vorschrift halten, so würden sie sofort erlöst werden, denn es heißt: so spricht der Herr: Den Verschnittenen, die meine Šabbathe beachten, und darauf folgt: ich will sie zu meinem heiligen Berge heimbringen &c.
5R. Jose sagte: Mein Teil möge unter denen sein, die am Šabbath drei Mahlzeiten halten. R. Jose sagte ferner: Mein Teil möge unter denen sein, die jeden Tag das Loblied vollständig lesen. – Dem ist ja aber nicht so, der Meister sagte ja, wer das Loblied täglich liest, schmäht und lästert!? – Unter dem Lobliede, von dem wir sprechen, sind die Singverse zu verstehen.
6R. Jose sagte ferner: Mein Anteil möge unter denen sein, die das Gebet mit dem Sonnenerröten verrichten. R. Ḥija b. Abba sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Es ist Gebot, das Gebet mit dem Sonnenerröten zu verrichten. R. Zera sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: Sie mögen dich mit der Sonne fürchten, und vor dem Monde, von Geschlecht zu Geschlecht.
7Ferner sagte R. Jose: Mein Anteil möge unter denen sein, die an Leibschmerzen sterben. Der Meister sagte nämlich; Die meisten der Gerechten sterben an Leibschmerzen. Ferner sagte R. Jose: Mein Anteil möge unter denen sein, die auf der Reise zu gottgefälligen Handlungen sterben. Ferner sagte R. Jose: Mein Anteil möge unter denen sein, die den Šabbathbeginn in Ṭiberjas und den Šabbathausgang in Sepphoris halten. Ferner sagte R. Jose: Mein Anteil möge unter denen sein, die zum Studium ins Lehrhaus führen, und nicht unter denen, die seine Abbrechung verkünden. Ferner sagte
8R. Jose: Mein Anteil möge unter den Almoseneinnehmern sein, nicht aber unter den Almosen verteilen. R. Jose sagte ferner: Mein Anteil möge unter denen sein, die man unschuldig verdächtigt. R. Papa sagte: Ich wurde unschuldig verdächtigt.
9R. Jose sagte: Fünfmal habe ich den Beischlaf vollzogen und fünf Zedern in Jisraél gepflanzt. – Wer sind diese? R. Jišma͑él b. R. Jose, R. Elie͑zer b. R. Jose, R. Ḥalaphta b. R. Jose, R. Avtilos b. R. Jose und R. Menaḥem b. R. Jose. – Aber es gibt ja noch den Vardimos!? – Vardimos ist mit Menaḥem identisch, und man nennt ihn deshalb Vardimos, weil sein Gesicht einer Rose [vered] glich. – Demnach hat R. Jose das Gebot der Begattung nicht [pflichtgemäß] gehalten!? – Sage vielmehr so: fünfmal habe ich den Beischlaf vollzogen und wiederholt.
10Ferner sagte R. Jose: Nie im Leben nannte ich meine Frau ‘Frau’ und meinen Ochsen ‘Ochs’; meine Frau nannte ich vielmehr Haus und meinen Ochsen nannte ich Feld.
11Ferner sagte R. Jose: Nie im Leben habe ich mein Glied betrachtet. – Dem ist aber nicht so, als man Rabbi fragte, weshalb man ihn den heiligen Lehrer nannte, erwiderte er, weil er nie im Leben sein Glied betrachtet habe!? – Bei Rabbi war noch etwas anderes: er kam nicht mit der Hand unterhalb des Gürtels. Ferner sagte R. Jose: Nie im Leben haben die Balken meines Hauses den Saum meines Hemdes gesehen.
12Ferner sagte R. Jose: Nie im Leben habe ich die Worte meiner Genossen übertreten. Ich selber weiß, daß ich kein Priester bin, trotzdem würde ich die Estrade besteigen, wenn meine Genossen mich dazu auffordern würden. Ferner sagte R. Jose: Nie im Leben habe ich etwas gesagt und es bestritten.
13R. Naḥman sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich am Šabbath drei Mahlzeiten abhalte. R. Jehuda sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich die Andacht beim Gebete bewahrt habe. R. Hona, der Sohn Jehošua͑s, sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich keine vier Ellen barhäuptig gehe. R. Šešeth sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich das Tephillingebot ausübe. R. Naḥman sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich das Çiçithgebot ausübe.
14R. Joseph sprach zu R. Joseph, dem Sohne Rabbas: Was hat dein Vater am genauesten beobachtet? Dieser erwiderte: Das Çiçithgebot. Einst stieg er auf eine Treppe und ein Çiçithfaden riß ihm ab; da rührte er sich nicht [von der Stelle], bis man ihm einen anderen einknüpfte. Abajje sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich, sobald ich einen Gelehrtenjünger einen Traktat beenden sehe,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.