Schabbat — Blatt 12b

1R. Jehuda sagte: Gott möge sich deiner und aller Kranken Jisraéls erbarmen. R. Jose sagte: Gott möge sich deiner unter allen Kranken Jisraéls erbarmen. Šebna aus Jerušalem pflegte bei seinem Kommen zu sagen: Friede. Bei seinem Fortgehen: Es ist Šabbath, man darf nicht klagen, Genesung wird bald eintreten; seine Barmherzigkeit ist groß, feiert eueren Šabbath in Frieden. – Wessen Ansicht vertritt die Lehre des R. Ḥanina, daß nämlich derjenige, der einen Kranken in seinem Hause hat, ihn mit anderen Kranken Jisraéls vereinigen soll, (wessen)? R. Joses.

2Auch sagte R. Ḥanina: Nur widerwillig haben sie erlaubt, am Šabbath Leidtragende zu trösten und Kranke zu besuchen. Rabba b. Bar Ḥana erzählte: Wenn wir R. Elea͑zar folgten, einen Kranken zu besuchen, sagte er oft: [Gott] gedenke deiner zum Heile. Und oft sagte er: Der Allbarmherzige gedenke deiner zum Heile. – Wieso aber tat er dies, R. Jehuda sagte ja, daß man um seine Bedürfnisse nie in aramäischer Sprache bitte; auch sagte R. Joḥanan, daß, wenn jemand um seine Bedürfnisse in aramäischer Sprache bittet, die Dienstengel sich ihm [beim Gebete] nicht anschließen, weil die Dienstengel die aramäische Sprache nicht verstehen!? – Anders ist es bei einem Kranken, denn die Göttlichkeit ist bei ihm.

3R. A͑nan sagte nämlich im Namen Rabhs: Woher, daß die Göttlichkeit den Kranken unterstützt? Es heißt: der Herr wird ihn auf dem Siechbette unterstützen. Desgleichen wird gelehrt: Wer einen Kranken besucht, setze sich nicht auf ein Bett oder auf einen Stuhl, vielmehr hülle er sich ein und setze sich ihm gegenüber, denn die Göttlichkeit befindet sich über der Kopfseite des Kranken, wie es heißt: der Herr wird ihn auf dem Siechbette unterstützen. Auch sagte Raba im Namen Rabins: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, den Kranken pflegt? Es heißt: der Herr wird ihn auf dem Siechbette unterstützen.

4BEI LAMPENLICHT &C. NICHT LESEN. Rabba sagte: Selbst, wenn es sich zwei Mann hoch befindet, selbst zwei Ochsenstecken hoch, und selbst zehn Stockwerke übereinander. – Nur einer darf nicht lesen, wohl aber zwei, dagegen wird gelehrt, weder einer noch zwei!? R. Elea͑zar erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn sie zusammen einen Gegenstand lesen, das andere, wenn sie verschiedene Gegenstände lesen. R. Hona sagte: Vor einer Fackel dürfen auch zehn Personen nicht lesen.

5Raba sagte: Ist es ein vornehmer Mann, so darf er es. Man wandte ein: Man darf vor einer Lampe nicht lesen, weil man sie heranrücken könnte. R. Jišma͑él b. Eliša͑ sprach: Ich werde lesen und sie nicht heranrücken. Einst las er und war im Begriffe, sie heranzurücken. Da rief er aus: Wie bedeutend sind die Worte der Weisen, die sagten, daß man vor Lampenlicht nicht lese. R. Nathan erzählte: Er las und rückte [die Lampe] heran; darauf schrieb er in sein Buch: Ich, Jišma͑él b. Eliša͑, habe am Šabbath gelesen und die Lampe herangerückt; sobald das Heiligtum erbaut sein wird, werde ich ein fettes Sündopfer darbringen. R. Abba erwiderte: Anders R. Jišma͑él b. Eliša͑, der sich der Tora wegen als Gemeiner betrachtete. –

6Das Eine lehrt, der Tischdiener dürfe vor Lampenlicht Trinkgefäße und Schüsseln besichtigen, und ein Anderes lehrt, er dürfe nicht besichtigen!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt von einem ständigen Tischdiener, und eines gilt von einem gelegentlichen Tischdiener. Wenn du aber willst, sage ich: beides von einem ständigen Tischdiener, dennoch ist dies kein Widerspruch; eines gilt von einer Öllampe, und eines gilt von einer Naphtalampe.

7Sie fragten: Wie ist es mit einem gelegentlichen Tischdiener bei einer Öllampe? Rabh erwiderte: So ist die Halakha, man entscheide aber nicht danach. R. Jirmeja [b. Abba] erwiderte: So ist die Halakha, und man entscheide danach. – R. Jirmeja b. Abba war bei R. Asi eingekehrt, und als sein Diener etwas vor der Lampe untersuchte, sprach seine Frau zu [ihrem Manne]: Der Meister tut dies aber nicht! Dieser erwiderte: Laß ihn, er ist der Ansicht seines Herrn.

8DOCH SAGTEN SIE, DER AUFSEHER &C. Du sagtest ja im Anfangssatze, er dürfe zusehen, doch wohl, um zu lesen!? – Nein, um sich die Anfänge der Abschnitte zu merken. Ebenso sagte Rabba b. Šemuél, er dürfe sich aber die Anfänge der Abschnitte merken. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.