Schabbat — Blatt 133b

1GEMARA. Merke, er zählt ja alles auf, was schließen [die Worte] ‘alles, was zur Beschneidung erforderlich’ ein? —

2Sie schließen das ein, was die Rabbanan gelehrt haben: Solange der Beschneidende sich mit der Beschneidung befaßt, darf er die Hautfasern entfernen, ob solche, die die Beschneidung ungültig machen, oder solche, die die Beschneidung nicht ungültig machen; ist er fertig, so darf er nur Hautfasern ablösen, die die Beschneidung ungültig machen, nicht aber solche, die die Beschneidung nicht ungültig machen. —

3Wer ist der Tanna, welcher lehrt, daß er, sobald er fertig ist, sie nicht mehr ablösen darf? Rabba b. Bar Ḥana erwiderte im Namen R. Joḥanans: Es ist R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa. Es wird nämlich gelehrt: Wenn der vierzehnte auf einen Šabbath fällt, so häute man das Pesaḥopfer bis zur Brust ab — so R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa; die Weisen sagen, man häute es ganz ab. —

4Wieso denn, vielleicht ist R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, dieser Ansicht nur da, worauf [die Schriftworte:] er ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen, nicht zu beziehen sind, hierbei aber, worauf [die Schriftworte:] er ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen, zu beziehen sind, pflichtet er bei.

5Es wird nämlich gelehrt: Er ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen, verherrliche ihn bei der Ausführung der Gebote. Ihm [zu Ehren] errichte dir eine schöne Festhütte, [schaffe dir] einen schönen Feststrauß an, eine schöne Posaune, schöne Çiçith, eine schöne Torarolle, schreibe sie auf seinem Namen mit schöner Tinte, mit schöner Feder, durch einen geübten Schreiber und hülle sie in schöne Seidengewänder.

6Abba Šaúl erklärte: Er ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen; gleiche ihm: wie er gnädig und barmherzig ist, so sei auch du gnädig und barmherzig!?

7Vielmehr, erklärte R. Aši, hier ist R. Jose vertreten, denn wir haben gelernt: Einerlei ob [der Neumond] klar erschienen ist oder nicht klar erschienen ist, darf man dieserhalb den Šabbath entweihen; R.Jose sagt, ist er klar erschienen, dürfe man dieserhalb den Šabbath nicht entweihen. —

8Wieso denn, vielleicht ist R. Jose dieser Ansicht nur da, wo der Šabbath überhaupt nicht verdrängt zu werden braucht, hierbei aber, wo der Šabbath bereits verdrängt worden ist, pflichtet er bei.

9Vielmehr, erklärten die Nehardeenser, hier sind die Rabbanan, die gegen R. Jose streiten, vertreten, denn wir haben gelernt: Vier Priester traten ein; zwei hielten die zwei Schichten [Schaubrote] in den Händen, und zwei hielten zwei Schalen [Weihrauch] in den Händen; ihnen gingen vier [Priester] voran, zwei, um die [alten] zwei Schichten, und zwei, um die zwei Schalen fortzunehmen. Die Hereinbringenden standen in der Nordseite mit dem Gesichte nach der Südseite, und die Herausbringenden standen in der Südseite mit dem Gesichte nach der Nordseite; die einen zogen [die alten] hervor, und die anderen legten [die frischen] nieder, der Handrücken des einen gegen den Handrücken des anderen, denn es heißt: beständig vor mir.

10R. Jose sagt, auch wenn die einen [zuerst] fortnehmen und die anderen [nachher] niederlegen, heiße dies beständig.

11Die Rabbanan lehrten: Man löse bei der Beschneidung die Hautfasern ab; löst man sie nicht ab, so zieht man sich die Ausrottung zu. — Wer? R. Kahana erwiderte: der Beschneidende.

12R. Papa wandte ein: Der Beschneidende kann ja sagen: Ich habe die Hälfte des Gebotes ausgeübt, übt ihr die andere Hälfte aus!? Vielmehr, erklärte R. Papa, der Erwachsene.

13R. Aši wandte ein: Vom Erwachsenen heißt es ja ausdrücklich: ein unbeschnittener Mann aber, der nicht beschneidet!? Vielmehr, erklärte R. Aši, tatsächlich der Beschneidende, wenn er nämlich [die Beschneidung] am Vorabend des Šabbaths bei Dämmerung begonnen und man zu ihm gesagt hat: ‘Du wirst nicht fertig’, er aber erwidert hat: ‘Ich werde wohl fertig’. Da er sie vollzogen hat und nicht fertig geworden ist, so hat er eine Wunde gemacht und sich die Ausrottung zugezogen.

14[DAS BLUT] ABSAUGEN &C. R. Papa sagte: Wenn ein Beschneidender [das Blut] nicht absaugt, so ist dies lebensgefährlich, und man setze ihn ab. —

15Selbstverständlich ist es lebensgefährlich, da man dieserhalb den Šabbath entweiht!? — Man könnte glauben, das Blut sei [an dieser Stelle] angesammelt, so lehrt er uns, daß es [im Fleische] verteilt ist.

16Es gleicht [dem Auflegen von] Pflaster und Kümmel: wie bei diesem die Unterlassung lebensgefährlich ist, so ist auch bei jenem die Unterlassung lebensgefährlich.

17[AUF DIE WUNDE] EIN PFLASTER LEGEN. Abajje erzählte: Mutter sagte mir, daß gegen jedes Leiden das Pflaster aus sieben Teilen Talg und einem Teile Wachs bestehen müsse. Raba sagte: Aus Wachs und Harz.

18Als Raba dies in Maḥoza vortrug, zerrissen die Söhne des Arztes Minjamin ihre Kleider; da sprach er zu ihnen: Ein [Heilmittel] habe ich noch für euch zurückgelassen. Šemuél sagte nämlich: Wer sich das Gesicht gewaschen und nicht gut abgetrocknet hat, dem

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.