Schabbat — Blatt 14a

1sie aber nicht verunreinige? Rabba b. Bar Ḥana erwiderte: Hier ist die Ansicht R. Jehošua͑s vertreten, denn wir haben gelernt: R. Elie͑zer sagt, wer eine erstgradig unreine Speise ißt, sei erstgradig unrein, wer eine zweitgradig unreine Speise ißt, sei zweitgradig unrein, und wer eine drittgradig unreine Speise ißt, sei drittgradig unrein. R. Jehošua͑ sagt, wer erstgradig unreine oder zweitgradig unreine Speisen ißt, sei zweitgradig unrein, und wer drittgradig unreine Speisen ißt, sei bezüglich heiliger Speisen zweitgradig unrein, nicht aber bezüglich der Hebe. Dies kann bei Profanem, das in Reinheit der Hebe zubereitet wird, stattfinden. –

2Weshalb haben die Rabbanan bei einem, der eine erstgradig unreine Speise, und bei einem, der eine zweitgradig unreine Speise gegessen hat, Unreinheit angeordnet? – Weil es vorkommen könnte, daß man, nachdem man unreine Speisen gegessen hat, Getränke von Hebe in den Mund nimmt, wodurch man sie unbrauchbar machen würde. –

3Weshalb haben die Rabbanan bei einem, der unreine Getränke getrunken hat, Unreinheit angeordnet? – Weil es vorkommen könnte, daß man, nachdem man unreine Getränke getrunken hat, Speisen von Hebe in den Mund nimmt, wodurch man sie unbrauchbar machen würde. – Das ist ja dasselbe!? – Man könnte glauben, jenes kommt wohl oft vor, dies aber nicht, so lehrt er uns. –

4Weshalb haben die Rabbanan bei einem, der den Kopf und den größeren Teil des Körpers in geschöpftes Wasser untergetaucht hat, Unreinheit angeordnet? R. Bebaj erwiderte im Namen R. Asis: Früher pflegte man in angesammeltem, faulem Spülwasser unterzutauchen und sich nachher mit geschöpftem Wasser abzuspülen, und als man begonnen hatte, dies dauernd einzuführen, ordneten sie hierbei Unreinheit an. –

5Was heißt ‘dauernd’? Abbaje erwiderte: Man sagte, nicht jenes, sondern dieses und jenes zusammen bewirken die Reinigung. Raba sprach zu ihm: Was geht uns dies denn an, sie tauchten ja in jenes unter!? Vielmehr, sagte Raba: Man sagte, nicht jenes, sondern dieses bewirke die Reinigung. –

6Weshalb haben die Rabbanan bei einem Reinen, dem man auf den Kopf und den größeren Teil des Körpers drei Log geschöpftes Wasser gegossen hat, Unreinheit angeordnet? – Hätte man dies nicht bei diesem getan, so wäre es bei jenem nicht in Kraft geblieben. –

7Weshalb haben die Rabbanan bei einem Buche [aus der heiligen Schrift] Unreinheit angeordnet? R. Meštaršija erwiderte: Früher pflegte man Speisen von Hebe neben einer Torarolle zu verwahren, indem man sagte: dies ist heilig und jenes ist heilig. Als sie aber wahrnahmen, daß diese dadurch beschädigt wurde, ordneten sie hierbei Unreinheit an. –

8Und bei den Händen? – Weil die Hände tätig sind. Es wird gelehrt: Auch Hände, die durch ein Buch [der heiligen Schrift unrein] wurden, machen die Hebe unbrauchbar. Dies wegen [einer Lehre] R. Parnakhs, denn R. Parnakh sagte im Namen R. Joḥanans: Wer eine Torarolle entblößt anfaßt, wird entblößt begraben. – Entblößt begraben, wie kommst du darauf!? Vielmehr, sagte R. Zera, der Gebote entblößt. – Der Gebote, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr, dieses Gebotes entblößt. –

9Wobei wurde [die Unreinheit] zuerst angeordnet: wollte man sagen, sie wurde zuerst bei diesen angeordnet, wozu brauchte man,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.