Schabbat — Blatt 152b

1da brachte R. Jehuda an jedem [der sieben] Tage je zehn Leute, die auf seinem Platze saßen. [Nach sieben Tagen] erschien er R. Jehuda im Traume und sprach zu ihm: Mögest du Befriedigung finden, wie du mir Befriedigung verschafft hast.

2R. Abahu sagte: Der Tote weiß alles, was man, bevor der Rollstein sich schließt, vor ihm spricht. Hierüber streiten R. Ḥija und R. Šimo͑n b. Rabbi: Einer sagt, bis der Rollstein sich schließt, und einer sagt, bis das Fleisch verwest ist.

3Einer sagt, bis das Fleisch verwest ist, denn es heißt: solange sein Fleisch auf ihm, schmerzt ihn, und seine Seele trauert über ihn. Und einer sagt, bis der Rollstein sich schließt, denn es heißt: und der Staub zur Erde zurückkehrt, wie er gewesen &c.

4Die Rabbanan lehrten: Und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. Gib ihn ihm zurück, wie er ihn dir gegeben hat, [wie er dir] in Reinheit, ebenso du ihm in Reinheit. Ein Gleichnis. Einst verteilte ein König aus Fleisch und Blut unter seine Diener königliche Gewänder; die Klugen wickelten sie zusammen und legten sie in die Truhe, die Toren aber verrichteten in diesen ihre Arbeit. Als nach Tagen der König nach seinen Gewändern verlangte, gaben die Klugen sie ihm sauber zurück, die Toren aber gaben sie ihm schmutzig zurück. Da freute sich der König über die Klugen, über die Toren aber zürnte er.

5Darauf ordnete er bezüglich der Klugen an: Die Gewänder sind in die Schatzkammer zu bringen, und diese mögen in Frieden nach Hause gehen. Bezüglich der Toren aber ordnete er an: Die Gewänder sind zum Wäscher zu bringen, und diese sperre man ins Gefängnis.

6Ebenso spricht auch der Heilige, gepriesen sei er, über den Leib der Gerechten: Er komme in Frieden, sie mögen auf ihren Lagerstätten ruhen. Und von ihrer Seele heißt es: so möge die Seele meines Herrn in das Bündel des Lebens eingebunden sein. Über den Leib der Frevler aber spricht er: Keinen Frieden, spricht der Herr, gibt es für die Frevler. Und von ihrer Seele heißt es: und die Seele deiner Feinde möge er in de Schleuderpfanne fortschleudern.

7Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Die Seelen der Gerechten werden unter dem Throne der Herrlichkeit verwahrt, wie es heißt: so möge die Seele meines Herrn in das Bündel des Lebens eingebunden sein; die der Frevler werden hin- und hergeschleudert. [Ein Engel steht an einem Ende der Welt und ein anderer Engel am anderen Ende der Welt und sie schleudern einander ihre Seelen zu,] wie es heißt: und die Seele deiner Feinde möge er in der Schleuderpfanne fortschleudern.

8Rabba sprach zu R. Naḥman: Wie ist es mit den Mittelmäßigen? Dieser erwiderte: Wäre ich tot, so würde ich euch dies nicht gesagt haben. Šemuél sagte, die einen und die anderen werden dem Duma übergeben; die einen haben Ruhe, die anderen haben keine Ruhe. R. Mari sagte (zu ihm): Auch die Gerechten werden dereinst in Staub verwandelt, denn es heißt: und der Staub zur Erde zurückkehrt, wie er gewesen.

9Einst gruben Gräber auf einem Grundstücke R. Naḥmans, und R. Aḥaj b. Jošija schnaubte sie an. Da kamen sie zu R. Naḥman und sprachen zu ihm: Ein Mann schnaubte uns an. Hierauf ging er hin und sprach: Wer ist der Herr? Jener erwiderte: Ich bin Aḥaj b. Jošija. Dieser sprach: Sagte etwa nicht R. Mari, daß auch die Gerechten dereinst in Staub verwandelt werden!? Jener erwiderte: Was ist das für ein Mari, den ich nicht kenne? Da sprach dieser: Die Schrift sagt ja: und der Staub zur Erde zurückkehrt, wie er gewesen.

10Jener erwiderte: Wer dich [das Buch] Qoheleth lehrte, lehrte dich nicht [das Buch] der Sprüche. In diesem heißt es: der Neid ist eine Fäulnis der Knochen; wer Neid in seinem Herzen trägt, dessen Knochen verfaulen, wer keinen Neid in seinem Herzen trägt, dessen Knochen verfaulen nicht.

11Hierauf betastete ihn dieser und bemerkte an ihm etwas Faßbares. Da sprach er: Möge doch der Meister ins Haus kommen! Jener entgegnete: Du hast nun bekundet, daß du auch die Propheten nicht gelesen hast, denn es heißt; damit ihr erkennet, daß ich der Herr bin, wenn ich euere Gräber öffne. –

12Es heißt ja aber: denn Erde bist du, und zu Erde mußt du wieder werden!? Jener erwiderte: Dies erfolgt eine Stunde vor der Auferstehung der Toten.

13Ein Minäer sprach zu R. Abahu: Ihr sagt, die Seelen der Gerechten werden unter dem Throne der Herrlichkeit verwahrt, wieso konnte demnach die Totenbeschwörerin den Šemuél durch Nekromantie heraufsteigen lassen? Dieser erwiderte: Es war innerhalb der zwölf Monate. Es wird nämlich gelehrt: Zwölf Monate bleibt der Körper erhalten, und die Seele steigt auf und ab; nach zwölf Monaten verwest der Körper,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.