Schabbat — Blatt 152a

1und vom [schmerzhaften] Stuhlgang sind sie schädlich; vom Gewürze, vom Lachen und von [scharfen] Früchten sind sie zuträglich.

2Zur Zeit, wo die Hüter des Hauses zittern, und &c. krümmen. Zur Zeit, wo die Hüter des Hauses zittern, das sind die Flanken und die Rippen; und die starken Männer sich krümmen, das sind die Schenkel; und die Müllerinnen müßig stehen, das sind die Zähne; und finster werden, die durch die Fenster sehen, das sind die Augen.

3Der Kaiser sprach zu R. Jehošua͑ b. Ḥananja: Weshalb bist du nicht in das Abidanhaus gekommen? Dieser erwiderte: Der Berg ist mit Schnee bedeckt, seine Umgebung voll Reif, seine Hunde bellen nicht, und seine Müller mahlen nicht mehr. In der Schule Rabhs sagten sie: Ich suche bereits, was ich nicht verloren habe.

4Es wird gelehrt: R. Jose b. Qisma sagte: Besser sind zwei als drei; wehe, daß das eine fortgeht und nie wiederkehrt. – Was ist das? R. Ḥisda erwiderte: die Jugend. Als R. Dimi kam, sagte er: Die Jugend ist ein Rosenkranz, das Alter ist ein Weidenkranz. Im Namen R. Meírs wurde gelehrt: Mahle mit den Zähnen, so findest du es in den Schritten, denn es heißt: da hatten wir Brot genug, und befanden uns wohl und erlebten kein Unheil. Šemuél sprach zu R. Jehuda: Scharfsinniger, öffne deinen Sack und tue Brot hinein. Bis vierzig Jahren ist das Essen zuträglich, von da ab ist das Trinken zuträglich.

5Einst sprach ein Eunuch zu R. Jehošua͑ b. Qorḥa: Wie weit ist es von hier nach Qorḥina? Dieser erwiderte: Wie von hier bis Gozneja. Der Minäer sprach ferner: Einen kahlen Bock um vier [Geldstücke], Dieser erwiderte: Ein kastrierter Hammel um acht.

6Als jener bemerkte, daß er keine Schuhe anhatte, sprach er: Zu Pferd der König, auf einem Esel der Edelherr, mit Schuhen an den Füßen der gewöhnliche Mann; besser als einer, der weder dies noch jenes hat, ist derjenige, der verscharrt und begraben ist. Dieser erwiderte: Eunuch, Eunuch, dreierlei sagtest du mir und dreierlei sollst du hören: die Zierde des Antlitzes ist der Bart, die Freude des Herzens ist die Frau, ein vom Herrn verliehener Besitz sind Kinder; gepriesen sei Gott, der diesem Manne dies alles vorenthalten hat. Jener sprach: Zänkischer Glatzkopf! – Dieser erwiderte: Kastrierter Hammel, es ist eine Zurechtweisung.

7Rabbi sprach zu R. Šimo͑n b. Ḥalaphta: Weshalb konnten wir dich am Feste nicht begrüßen, wie deine Vorfahren von meinen Vorfahren begrüßt zu werden pflegten? Dieser erwiderte: Die [kleinen] Felsen sind hoch geworden, die naheliegenden sind von einander entfernt worden, aus zweien sind drei geworden, und der Friedensstifter des Hauses hat seine Tätigkeit eingestellt.

8Und die Tür nach der Straße verschlossen wird &c., das sind die Öffnungen am [Körper des] Menschen; indem das Geräusch der Mühle abnimmt, wo der Magen nicht mehr verdaut; und man aufsteht beim Laute eines Vogels, wo selbst ein Vögelchen ihn aus dem Schlafe weckt; und alle Sängerinnen niedergebeugt sind, wo selbst die Laute der Sänger und Sängerinnen ihn niederdrücken.

9Auch Barzilaj aus Gilea͑d sprach zu David: Achtzig Jahre bin ich jetzt alt; könnte ich da noch Gutes und Schlechtes unterscheiden? Hieraus, daß bei den Greisen die Sinne sich verändern. Oder würde dein Knecht einen Geschmack von dem haben, was ich esse und trinke? Hieraus, daß bei den Greisen die Lippen schlotterig werden. Oder könnte ich noch der Stimme der Sänger und Sängerinnen lauschen? Hieraus, daß bei den Greisen die Ohren abgestumpft werden.

10Rabh sagte: Barzilaj aus Gilea͑d war ein Lügner; im Hause Rabbis war eine zweiundneunzigjährige Magd, die noch den Topf zu kosten pflegte. Raba sagte: Barzilaj aus Gilea͑d frönte der Wollust, und wer der Wollust frönt, den überfällt [frühzeitiges] Alter. Es wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte: Die Schriftgelehrten nehmen, je älter sie werden, an Weisheit zu, wie es heißt: bei Greisen ist Weisheit, langes Leben ist Einsicht; die Leute aus dem gemeinen Volke nehmen, je älter sie werden, an Torheit zu, wie es heißt: entzieht Wohlbewährten die Rede und beraubt Greise des gesunden Verstandes.

11Auch fürchtet man sich vor Anhöhen, selbst ein kleines Hügelchen erscheint ihm als gewaltiger Berg; und Schrecknisse auf dem Wege, wenn er auf dem Wege geht, ist er voller Beunruhigung; und es blüht der Mandelbaum, das ist das Hüftbein; und es schleppt sich die Heuschrecke, das sind die Hinterbacken; und es versagt der Reiz, das ist die Leidenschaft. R. Kahana las Bibelabschnitte vor Rabh, und als er an diesen Vers herankam, seufzte dieser und stöhnte. Da sprach er: Es scheint, daß bei Rabh die Leidenschaft aufgehört hat.

12R. Kahana sagte: Es heißt: denn er gebot, da geschah es, das ist die Frau; er befahl, da stand es da, das sind die Kinder. Es wird gelehrt: Die Frau ist ein Schlauch voll Unrat; ihre Öffnung ist voll Blut, dennoch läuft jeder ihr nach.

13Denn der Mensch geht zu seinem ewigen Hause hin. R. Jiçḥaq sagte: Dies lehrt, daß man jedem Gerechten eine seiner Ehre gebührende Wohnung errichtet. Ein Gleichnis. Wenn ein König [aus Fleisch und Blut] mit seiner Dienerschaft in die Stadt kommt, treten sie alle in ein Tor ein, beim Übernachten aber gibt man jedem eine seiner Ehre gebührende Wohnung.

14Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es heißt: denn die Jugend und die Schwärze des Haares sind eitel. Die [schlechten] Dinge, die der Mensch in seiner Jugend tut, verschwärzen ihm das Gesicht im Alter.

15Ferner sagte R. Jiçḥaq: Schmerzhaft ist der Wurm dem Fleische des Toten, wie eine Nadel dem Fleische des Lebenden, denn es heißt: solange sein Fleisch auf ihm, schmerzt ihn. R. Ḥisda sagte: Die Seele des Menschen trauert über ihn sieben Tage, denn es heißt: und seine Seele trauert über ihn, und es heißt: und er veranstaltete für seinen Vater eine siebentägige Trauer.

16R. Jehuda sagte: Wenn ein Toter keine Leidtragenden hinterläßt, so müssen zehn Leute hingehen und sich auf seinen Platz hinsetzen. Einst starb jemand in der Nachbarschaft R. Jehudas und hinterließ keine Leidtragenden;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.