Schabbat — Blatt 20b
1Es wurde gelehrt: R. Kahana sagte: Hat man Röhricht zusammengebunden, so muß [das Feuer] die größere Hälfte [erfaßt haben]; hat man Fruchtkerne in Matten getan, so braucht [das Feuer] die größere Hälfte nicht [erfaßt zu haben].
2R. Joseph lehrte: Bei vier Flammen braucht [das Feuer] die größere Hälfte nicht [erfaßt zu haben]: Pech, Schwefel, Käse und Fett. In einer Barajtha wird gelehrt: Auch Stroh und Stoppeln.
3R. Joḥanan sagte: Babylonisches Holz braucht [das Feuer] nicht zur größeren Hälfte [erfaßt zu haben]. R. Joseph wandte ein: Welches: wollte man sagen, Späne, so müßte doch, wenn U͑la von einem Dochte gesagt hat, wenn man ihn anzündet, müsse die Flamme die größere Hälfte des vorstehenden Teiles erfaßt haben, dies um so mehr von Spänen gelten!? Vielmehr, sagte R. Joseph, Zederbast. Rami b. Abba sagt: Sträucher.
4WAS MAN ALS BRENNSTOFF [ZUR BELEUCHTUNG] VERWENDEN DARF, UND WAS MAN ALS BRENNSTOFF NICHT VERWENDEN DARF. MAN DARF KEINE LYGOS BRENNEN, KEIN ḤOSEN, KEINE WERGSEIDE, KEINEN BASTDOCHT, KEINEN DOCHT DER WÜSTENPFLANZE UND KEIN WASSERMOOS; FERNER KEIN PECH, KEIN WACHS, KEIN QIQÖL, KEIN VERBRENN-ÖL, KEIN SCHWANZFETT UND KEINEN TALG. NAḤUM DER MEDER SAGT, MAN DÜRFE GESCHMOLZENEN TALG BRENNEN; DIE WEISEN SAGEN, MAN DÜRFE IHN WEDER GESCHMOLZEN NOCH UNGESCHMOLZEN BRENNEN.
5GEMARA. Was ist Lygos? – Zederbast. – Zederbast ist ja nichts als Holz!? – Die wollartigen Fasern desselben
6KEIN ḤOSEN. R.Joseph erklärte: Flachswerg. Abajje sprach zu ihm: Es heißt ja: der Mächtige [ḥason] soll zu Werg werden, woraus zu schließen, daß Ḥosen nicht Werg ist!? Vielmehr, erklärte Abajje, Flachs, der geklopft, aber nicht gehechelt worden ist.
7KEINE WERGSEIDE. Šemuél sagte: Ich habe alle Seefahrer ausgefragt, und man sagte mir, daß diese Kulka genannt werde. R. Jiçḥaq b. Zee͑ra sagte: Grobe [Seide].
8Rabin und Abajje saßen vor Rabbana Neḥemja, dem Bruder des Exilarchen, und als Rabin bemerkte, daß dieser [ein Gewand] aus Rohseide trug, sprach er zu Abajje: Das ist das Kalakh [Wergseide], von dem wir gelernt haben. Dieser erwiderte: Wir nennen dies Parnianseide.
9Man wandte ein: Seide, Wergseide und Serikon unterliegen dem Çiçithgesetze. Dies ist ja eine Widerlegung Rabins!? – Eine Widerlegung. Wenn du willst, sage ich: Seide besonders, und Parnianseide besonders.
10KEINEN BASTDOCHT. Reisig. Rabin und Abajje gingen im Tale Ṭamruritha, und als sie da Bachweiden bemerkten, sprach Rabin zu Abajje: Das ist das Idan [Bastdocht], von dem wir gelernt haben. Dieser erwiderte: Das ist ja nichts als Holz!? Da schälte jener sie ab und zeigte ihm wollartige Fasern dazwischen. KEINEN DOCHT DER WÜSTENPFLANZE. Bergraute.
11KEIN WASSERMOOS. Was ist dies: wollte man sagen das Schwarzgrüne auf den Sümpfen, so bröckelt dies ja!? Vielmehr, sagte R. Papa, das Schwarzgrüne an den Schiffen.
12Es wird gelehrt: Hierzu haben sie noch [Dochte aus] Wolle und Haar hinzugefügt. – Und unser Tanna!? – Wolle schrumpft zusammen, Haar versengt.
13KEIN PECH. Zepheth ist Pech. Šaa͑va ist Wachs. Es wird gelehrt: Bis hier werden die verbotenen Dochte, von hier ab die verbotenen Öle aufgezählt. – Selbstverständlich!? – Er lehrt dies wegen des Wachses; man könnte glauben, es sei auch als Kerze verboten, so lehrt er uns.
14Rami b. Abin sagte: Teeröl ist ein Nebenprodukt des Peches, Wachs ist ein Nebenprodukt des Honigs. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.