Schabbat — Blatt 20a

1FEUER [NOCH AM TAGE] DEN GRÖSSEREN TEIL ERFASSEN KANN. R. JEHUDA SAGTE, BEI KOHLEN, WENN NUR ETWAS [VOM FEUER ERFASST WIRD].

2GEMARA. Wieviel? R. Elea͑zar sagte im Namen Rabhs: Daß sie noch am Tage wie die Speise des Ben Drusaj anbraten. Desgleichen wird auch gelehrt: R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Was [bei einem Jisraéliten] wie die Speise des Ben Drusaj angekocht hat, ist nicht mehr als Speise eines Nichtjuden zu betrachten. Es wird gelehrt: Ḥananja sagte: Was wie die Speise des Ben Drusaj angekocht hat, darf man auf dem Herde stehen lassen, auch wenn darauf die Kohlen nicht weggescharrt oder mit Asche bedeckt sind.

3MAN DARF &C. BROT SCHIEBEN &C. Sie fragten: Versteht er unter ‘unten’ die untere Seite [an den Wänden] des Ofens oder die untere Seite zum Feuer? – Komm und höre: R. Elie͑zer sagt, auch wenn die Seite, die am Ofen klebt, eine Kruste bekommt.

4MAN DARF DAS PESAḤ[LAMM] IN DEN OFEN HÄNGEN. Aus welchem Grunde? – Weil die Beteiligten achtsam sind. – Ist es denn sonst nicht erlaubt, der Meister sagte ja, beim Fleische eines Zickleins sei es erlaubt, einerlei [ob der Ofen] verklebt ist oder nicht!? – Jenes wird zerschnitten, dieses aber nicht.

5AUCH DARF MAN DAS FEUER &C. ANZÜNDEN. – Woher dies? R. Hona erwiderte: In all eueren Wohnorten dürft ihr kein Feuer anzünden; in all eueren Wohnungen darfst du nicht anzünden, wohl aber die Flamme in der Wärmehalle. R. Ḥisda wandte ein: Demnach sollte dies auch am Šabbath erlaubt sein!? Vielmehr, erklärte R. Ḥisda, bezieht sich die Erlaubnis des Schriftverses nur auf die Glieder und Schmeerstücke, aber die Priester sind achtsam.

6IN DER PROVINZ NUR DANN, WENN DAS FEUER &C. ERFASSEN KANN. – Was heißt ‘größeren Teil’? Rabh erwiderte: Den größeren Teil eines jeden [Scheites]. Šemuél erwiderte: Daß man nicht mehr zu sagen braucht, hole noch Holzspäne zum Darunterlegen. R. Ḥija lehrte folgendes als Stütze für Šemuél: Daß die Flamme von selbst, ohne Hinzutun von etwas anderem auflodert.

7An einem einzelnen Scheite muß das Feuer, wie Rabh sagt, den größeren Teil seines Durchmessers, und wie manche sagen, den größeren Teil seines [äußeren] Umfanges erfaßt haben. R. Papa sagte: Daher ist es erforderlich, daß es den größeren Teil seines Durchmessers und den größeren Teil seines Umfanges erfaßt haben muß. Hierüber streiten auch Tannaím: R. Ḥija sagt, daß das Holzstück für den Handwerker unbrauchbar wird, und R. Jehuda b. Bethera sagt, daß das Feuer beide Seiten erfaßt hat. Wenn es hierfür auch keinen Beweis gibt, so doch eine Andeutung: seine beiden Enden hat das Feuer verzehrt, seine Mitte angebrannt, taugt es dann noch zu einer Arbeit?

8Und vor ihm brannte das Aḥ [KohlenbeckenJ. Was heißt Aḥ? Rabh erklärte, Reisig, und Šemuél erklärte, Holz, das brüderlich brennt. Einst rief jemand aus: Wer wünscht Reisig? Es war Weidenholz.

9R. Hona sagte: Röhricht braucht [das Feuer] nicht zum größeren Teile [erfaßt zu haben]; hat man es zusammengebunden, so muß [das Feuer] den größeren Teil [erfaßt haben]. Bei Fruchtkernen braucht [das Feuer] den größeren Teil nicht [erfaßt zu haben]; hat man sie in Matten getan, so muß [das Feuer] den größeren Teil [erfaßt haben]. R. Ḥisda wandte ein: Im Gegenteil, das Entgegengesetzte leuchtet ja ein!? Einzelne Rohrstäbchen fallen auseinander, zusammengebunden fallen sie nicht auseinander; einzelne Fruchtkerne fallen auseinander, in Matten getan fallen sie nicht auseinander.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.