Schabbat — Blatt 27b

1schließen die Çiçith ein. – Von den Çiçith heißt es ja ausdrücklich: du sollst kein Mischgewebe anziehen, Wolle und Flachs zusammen, und darauf folgt: Quasten sollst du dir machen!? – Man könnte glauben, dies deute auf die Lehre Rabas. Raba wies nämlich auf einen Widerspruch hin: Es heißt: Zipfel, aus dem Stoffe des Zipfels, dagegen heißt es: Wolle und Flachs zusammen; wie ist dies [in Übereinstimmung zu bringen]? [Çiçith aus] Wolle oder Flachs sind sowohl für den gleichen Stoff als auch für einen anderen Stoff verwendbar, aus anderen Stoffen aber sind sie es nur für den gleichen Stoff, für andere Stoffe aber nicht. Man könnte glauben, es sei nach Raba zu erklären, so läßt er uns hören.

2R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: Nach dem Tanna aus der Schule R. Jišma͑éls werden bezüglich der Unreinheit auch andere Kleiderstoffe einbegriffen, weil es oder ein Gewand heißt, somit sollten hierbei auch andere Kleiderstoffe einbegriffen sein, weil es [einschließend] heißt: womit du dich zudeckst!? – Dies deutet auf das Gewand eines Blinden. Es wird nämlich gelehrt: Ihr sollt sie sehen, ausgenommen das Nachtgewand. Du sagst, das Nachtgewand, vielleicht ist dem nicht so, sondern ausgenommen das Gewand eines Blinden? Wenn es heißt: womit du dich zudeckst, so ist ja damit das Gewand eines Blinden gemeint, somit deuten [die Worte:] ihr sollt sie sehen, auf die Ausschließung des Nachtgewandes. –

3Was veranlaßt dich, das Gewand eines Blinden einzuschließen und das Nachtgewand auszuschließen? – Ich schließe das Gewand eines Blinden ein, weil andere es sehen, und ich schließe das Nachtgewand aus, weil auch andere es nicht sehen. –

4Vielleicht schließen [jene Worte] andere Kleiderstoffe ein? – Es ist einleuchtend, daß, wenn er von Wolle und Flachs spricht, er Wolle und Flachs einschließt; sollte er denn, wenn er von Wolle und Flachs spricht, andere Kleiderstoffe einschließen!?

5Abajje sagte: R. Šimo͑n b. Elea͑zar und Symmachos lehrten eines und dasselbe. R. Šimo͑n b. Elea͑zar [lehrte] das, was wir bereits gesagt haben, und Symmachos das der folgenden Lehre: Symmachos sagte: Wenn man [die Festhütte] mit Gesponnenem bedeckt hat, so ist sie unbrauchbar, weil sie dann durch Aussatz verunreinigungsfähig ist. – Nach wessen Ansicht? –

6Nach dem Tanna der folgenden Lehre: Ein [Gewebe von] Aufzug- und Einschlagfaden ist durch Aussatz sofort verunreinigungsfähig – so R. Meír; R. Jehuda sagt, der Aufzugfaden, sobald er gebrüht wird, der Einschlagfaden sofort, und Flachsbündel, sobald sie gebleicht werden.

7VON ALLEM, WAS VOM BAUME KOMMT, DARF MAN NUR FLACHS BRENNEN. VON ALLEM, WAS VOM BAUME KOMMT, IST NUR FLACHS ALS ZELT VERUNREINIGUNGSFÄHIG.

8GEMARA. Woher, daß Flachs Baum genannt wird? Mar Zuṭra erwiderte: Die Schrift sagt: sie führte sie auf das Dach und verbarg sie unter dem Baumflachse.

9VON ALLEM, WAS VOM BAUME KOMMT, IST NUR FLACHS ALS ZELT VERUNREINIGUNGSFÄHIG. Woher dies? R. Elea͑zar erwiderte: Er folgert dies durch [das Wort] Zelt

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.