Schabbat — Blatt 28a
1von der Stiftshütte: hier heißt es: dies die Lehre, wenn jemand in einem Zelte stirbt, und dort heißt es: er spannte das Zelt über die Stiftshütte aus; wie der Flachs dort Zelt heißt, so heißt er auch hier Zelt. – Demnach sollte er, wie dort gesponnen und sechsfach gedrehter Faden, auch hierbei gesponnen und sechsfach gedrehter Faden sein müssen!? – Es heißt zweimal Zelt, und dies ist einbegreifend. – Wenn die Wiederholung des Wortes Zelt einbegreifend ist, so sollte auch alles andere einbegriffen sein!? – Welche Bedeutung hätte demnach die Wortanalogie? –
2Vielleicht gelten, wie es da Bretter waren, auch sonst Bretter [als Zelt]!? – Die Schrift sagt: du sollst Bretter für die Stiftshütte anfertigen: nur die Stiftshütte heißt ‘Stiftshütte’, nicht aber heißen Bretter ‘Stiftshütte’. – Es heißt ja auch: du sollst eine Decke für das Zelt machen; mithin heißt auch die Decke nicht Zelt!? Wieso fragte R. Elea͑zar demnach, ob das Fell eines unreinen Viehs als Leichenzelt verunreinigungsfähig sei – wenn das Fell eines reinen Viehs nicht verunreinigungsfähig ist, um wieviel weniger das Fell eines unreinen Viehs! – Anders dieses, das die Schrift weiter besonders nennt, denn es heißt: sie sollen die Teppiche der Stiftshütte tragen und das Offenbarungszelt, seine Decke und die Taḥiašdecke, die oben darüber; er vergleicht das obere mit dem unteren: wie das untere ‘Zelt’ heißt, so heißt auch das obere ‘Zelt’.
3Der Text. R. Elea͑zar fragte: Ist die Haut eines unreinen Viehs als Zelt verunreinigungsfähig? – Was war ihm da fraglich? R. Ada b. Ahaba erwiderte: Er fragte, ob das Taḥaš zur Zeit Mošes rein oder unrein war. R. Joseph entgegnete: Wieso konnte ihm dies fraglich sein, es wird ja gelehrt, daß nur Felle reiner Tiere für das göttliche Werk brauchbar waren!?
4R. Abba wandte ein: R. Jehuda sagt, es waren zwei Decken, eine aus rotgefärbten Widderfellen und eine aus Taḥašfellen; R. Neḥemja sagt, es war eine Decke [von einem Tiere, das] dem Frettchen gleicht. Das Frettchen ist ja ein unreines Tier!? – Er meint es wie folgt: es gleicht dem Frettchen, indem es buntfarbig war, und es gleicht nicht dem Frettchen, denn dieses ist unrein, während jenes rein war. B. Joseph sprach; Deshalb heißt es in unserer Übersetzung Sasgona; es freut sich seiner Buntfarbigkeit.
5Raba sagte: Daß das Fell eines unreinen Viehs als Leichenzelt verunreinigungsfähig ist, ist aus folgendem zu entnehmen: Es wird gelehrt: Oder in Fell, dies schließt das Fell eines unreinen Viehs ein, und das in der Hand des Priesters aussätzig geworden ist. Woher dies von dem Falle, wenn man aus allen zusammen [ein Kleid] gefertigt hat? Es heißt: oder an irgend etwas aus Leder. – Dies ist zu widerlegen: wohl gilt dies beim Aussatze, wobei schon [ein Gewebe von] Aufzug- und Einschlagfaden verunreinigungsfähig ist!? –
6Vielmehr, es ist von [der Unreinheit] der Kriechtiere zu entnehmen. Es wird nämlich gelehrt: Fell, ich weiß dies vom Felle eines reinen Viehs, woher dies vom Felle eines unreinen Viehs? Es heißt: oder in Fell. – Dies ist zu widerlegen: wohl gilt dies bei Kriechtieren, die schon bei Linsengröße verunreinigend sind!? [Die Unreinheit] des Aussatzes beweist es. Die Replikation wiederholt sich nun: Die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen, und die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des ersten; das Gemeinsame an ihnen ist, daß sie das Fell unrein machen, und bei ihnen gleicht das Fell des unreinen Viehs dem des reinen Viehs. Somit gilt dies auch vom Leichenzelte; es macht das Fell unrein, mithin gleicht dabei das Fell des unreinen Viehs dem des reinen Viehs.
7Raba aus Barniš sprach zu R. Aši: Dies ist zu widerlegen: das Gemeinsame an ihnen ist, daß bei beiden schon [ein Quantum] unter Olivengröße verunreinigend ist, während ein Leichnam nur in Olivengröße verunreinigend ist!?
8Vielmehr, sagte Raba aus Barniš,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.