Schabbat — Blatt 32b
1und sind Leuten aus dem gemeinen Volke anvertraut worden.
2Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Wegen der Übertretung von Gelübden stirbt dem Menschen seine Frau, denn es heißt: wenn du nichts hast, um zu bezahlen, warum soll man dir dein Lager unter dir wegnehmen? Rabbi sagte: Wegen der Übertretung von Gelübden sterben die Kinder in der Jugend, denn es heißt: gestatte deinem Munde nicht, deinen Leib in Schuld zu bringen, und sage nicht vor dem Engel: es war eine Übereilung. Warum soll Gott über dein Gerede zürnen und das Werk deiner Hände verderben? Das Werk der Hände des Menschen sind seine Söhne und seine Töchter.
3Die Rabbanan lehrten: Wegen der Übertretung von Gelübden sterben die Kinder – so R. Elea͑zar, Sohn R. Šimo͑ns. R. Jehuda der Fürst sagt, wegen der Sünde der Vernachlässigung der Tora. – Erklärlich ist dies nach demjenigen, der wegen der Übertretung von Gelübden sagt, wie wir dies belegt haben, welcher Schriftvers aber [deutet darauf] nach demjenigen, der wegen der Sünde der Vernachlässigung der Tora sagt? – Es heißt: habe ich euere Kinder etwa vergeblich geschlagen? Nur weil sie keine Zucht angenommen haben. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Auch nach demjenigen, der wegen der Übertretung von Gelübden sagt, ist es aus diesem Verse zu folgern: Vergeblich habe ich euere Kinder geschlagen, wegen des Vergeblichen. – Merke, R. Jehuda der Fürst ist ja Rabbi, und Rabbi sagt ja, wegen der Übertretung von Gelübden!? – Nachdem er es von R. Elea͑zar, dem Sohne R. Šimo͑ns, gehört hat.
4Hierüber streiten auch R. Ḥija b. Abba und R. Jose; einer sagt, wegen Übertretung des Mezuzagebotes, und einer sagt, wegen der Sünde der Vernachlässigung der Tora. Derjenige, der wegen Übertretung des Mezuzagebotes sagt, ist der Ansicht, der Schriftvers beziehe sich auf das Vorhergehende, nicht aber auf das diesem Vorangehende, und derjenige, der wegen der Sünde der Vernachlässigung der Tora sagt, ist der Ansicht, der Schriftvers beziehe sich sowohl auf das Vorhergehende als auch auf das diesem Vorangehende.
5Hierüber streiten auch R. Meír und R. Jehuda; einer sagt, wegen Übertretung des Mezuzagebotes, und einer sagt, wegen der Übertretung des Çiçithgebotes. – Erklärlich ist dies nach demjenigen, der wegen Übertretung des Mezuzagebotes sagt, denn es heißt: du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses schreiben, und darauf folgt: damit sich euere und euerer Kinder Tage mehren; welche Begründung aber hat derjenige, der wegen der Übertretung des Çiçithgebotes sagt? R. Kahana, nach anderen, Šila Mari, erwiderte: Es heißt: auch an deinen Zipfeln befindet sich Blut der Seelen unschuldiger Armen; nicht beim Einbruche hast du sie erwischt. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Auch derjenige, der wegen der Übertretung des Mezuzagebotes sagt, kann es hieraus folgern: sie machen nämlich ihre Türen wie zum Einbrechen.
6Reš Laqiš sagte: Wer auf das Çiçithgebot achtet, dem ist es beschieden, daß ihn zweitausendachthundert Sklaven bedienen; denn es heißt: so spricht der Herr der Heerscharen: In jenen Tagen wird es geschehen, daß zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen einen judäischen Mann beim Zipfel ergreifen und sprechen werden: Wir wollen mit euch ziehen & c.
7Es wird gelehrt: R. Neḥemja sagte: Wegen der Sünde des grundlosen Hasses wächst Zwistigkeit im Hause des Menschen, seine Frau gebiert Fehlgeburten, und seine Söhne und seine Töchter sterben in ihrer Jugend. R. Elea͑zar b. R. Jehuda sagte: Wegen der Übertretung des Gebotes von der Teighebe fehlt Segen in den Vorräten, Fluch kommt über die Marktpreise, und wenn man Saaten säet, essen sie andere, denn es heißt: so will ich demgemäß mit euch verfahren und will Schreckliches über euch verhängen: Schwindsucht und Fieber, die die Augen erlöschen und das Leben schwinden machen. Ihr werdet vergeblich eueren Samen säen, denn euere Feinde werden ihn verzehren. Man lese nicht behala [Schreckliches], sondern beḥala [wegen der Teighebe]. Wenn man sie aber entrichtet, wird man gesegnet, wie es heißt: das Erste von euerem Teig sollt ihr dem Priester geben, um Segen auf dein Haus zu bringen.
8Wegen Unterlassung der Heben und der Zehnte hält der Himmel Tau und Regen zurück, eine Teuerung tritt ein, der Verdienst fehlt, und die Leute jagen nach ihrem Unterhalt, ohne ihn zu erreichen, denn es heißt: Dürre und Hitze raffen die Schneewasser hinweg, die Unterwelt, die so gesündigt haben. – Wieso geht dies hieraus hervor? – In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wegen der Dinge, die ich euch für den Sommer befohlen, die ihr aber nicht befolgt habt, soll euch das Regenwasser in der Regenzeit geraubt werden. Wenn man sie aber entrichtet, wird man gesegnet, denn es heißt: bringet den Zehnten ganz in das Schatzhaus, daß sich Zehrung in meinem Hause befinde, und versucht es einmal auf diese Weise mit mir, spricht der Herr der Heerscharen, ob ich euch dann nicht die Fenster des Himmels öffne und euch bis zum Übermaße mit Segen überschütte. – Was heißt bis zum Übermaße? – Rami b. Rabh erwiderte im Namen Rabhs: Bis euere Lippen müde werden, ‘genug’ zu sagen.
9Wegen der Sünde des Raubes ziehen die Heuschrecken herauf, der Hunger tritt ein, und die Leute verzehren das Fleisch ihrer Söhne und ihrer Töchter, denn es heißt: höret dieses Wort, ihr Bašanskühe auf den Bergen Šomron, die die Armen berauben und die Dürftigen zermalmen. Raba sagte: Wie zum Beispiel die Frauen von Maḥosa,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.