Schabbat — Blatt 33a

1die wohl essen, aber nichts tun. Darauf folgt: ich schlug euch mit Brand und Rost [&c.]; euere Feigenbäume und Ölbäume zehrte der Nager auf. Ferner: was der Nager verschonte, zehrte die Heuschrecke auf, was die Heuschrecke noch verschonte, zehrte der Abfresser auf, und was auch der Abfresser verschonte, zehrte der Abschäler auf. Ferner: sie rissen rechts ab und blieben doch hungrig; sie fraßen links und wurden doch nicht satt. Sie fraßen ein jeder das Fleisch seines eigenen Armes. Man lese nicht besar zeroo͑ [das Fleisch seines Armes], sondern besar zaro͑ [das Fleisch seines Kindes].

2Wegen der Sünde der Gerichtsquälerei, Rechtsverdrehung, Fahrlässigkeit bei Gericht und Vernachlässigung der Tora mehren sich Schwert und Raub, Pest und Dürre brechen herein, die Leute essen und werden nicht satt, und nach Gewicht verzehren sie ihr Brot, denn es heißt: ich will ein Schwert über euch kommen lassen, das Rache nehmen soll für den [Bruch des] Bündnisses, und Bündnis ist nichts anderes als die Tora, denn es heißt: wenn nicht mein Bündnis tags und nachts &c.; dann heißt es: wenn ich euch die Stütze des Brotes zerbreche, so werden zehn Weiber backen &c.; ferner heißt es: dieweil sie meine Rechte verworfen haben.

3Wegen der Sünde des unnützen Schwörens, des Meineides, der Entweihung des [göttlichen] Namens und der Entweihung des Šabbaths vermehren sich die wilden Tiere, das Vieh wird vernichtet, die Menschen vermindern sich, und die Straßen veröden, denn es heißt: wenn ihr euch dadurch nicht von mir warnen lasset, und man lese nicht baéle [dadurch], sondern beála [durch Schwur]; und es heißt: ich werde die wilden Tiere auf euch reizen &c. Vom Meineid heißt es: ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören, daß du den Namen deines Gottes entweihest. Von der Entweihung des [göttlichen] Namens heißt es: und entweihet nicht meinen heiligen Namen. Von der Entweihung des Šabbaths heißt es: wer ihn entweiht, soll sterben. Man folgere dies [bezüglich der letzteren] durch [das Wort] entweihen vom Meineid.

4Wegen der Sünde des Blutvergießens ist das Heiligtum zerstört und die Göttlichkeit von Jisraél gewichen, denn es heißt: ihr sollt das Land nicht entweihen &c. Und verunreinigt das Land nicht, in dem ihr wohnet, da auch ich darin wohne; wenn ihr es aber verunreinigt, so werdet ihr darin nicht wohnen, und auch ich wohne nicht darin.

5Wegen der Sünde der Hurerei, des Götzendienstes und des [Nicht-]Erlassens im Erlaß- und Jobeljahre kommt Verbannung über die Welt; die einen werden verbannt, und andere kommen und lassen sich an ihrer Stelle nieder, wie es heißt: denn all diese Greueltaten haben die Bewohner des Landes verübt &c.; ferner: da wurde das Land unrein, und ich suchte seine Verschuldung an ihm heim &c.; ferner: daß nicht etwa das Land euch ausspeie, wenn ihr es verunreinigt.

6Bezüglich des Götzendienstes heißt es: und ich will euere Leichen werfen &c.; ferner: und euere Heiligtümer verwüsten &c., euch aber will ich unter die Völker zerstreuen.

7Bezüglich des Erlaß- und Jobeljahres heißt es: dann wird das Land seine Ruhezeiten ersetzt bekommen die ganze Zeit hindurch, in der es wüste liegt, während ihr im Lande euerer Feinde seid &c.; ferner: die ganze Zeit hindurch, in der es wüste liegt, wird es Ruhe haben.

8Wegen der Sünde obszöner Reden mehren sich die Leiden, harte Verhängnisse werden erneuert, die Jünglinge der Feinde Jisraéls sterben, Waisen und Witwen schreien und werden nicht erhört. Denn es heißt: Darum freut sich der Herr nicht seiner Jünglinge, und seiner Waisen und Witwen erbarmt er sich nicht; denn sie alle sind Ruchlose und Bösewichter, und jeder Mund redet Schändliches. Bei alledem wandte sich sein Zorn nicht, und blieb seine Hand noch ausgestreckt. –

9Was heißt: und blieb seine Hand noch ausgestreckt? R. Ḥanan b. Raba erwiderte: Jeder weiß, wozu die Braut unter den Baldachin geführt wird, allein, wer seinen Mund beschmutzt, dem wird, selbst wenn ihm ein siebzigjähriger Beschluß zum Guten besiegelt war, derselbe zum Bösen verwandelt. Rabba b. Šila sagte im Namen R. Ḥisdas: Wer seinen Mund beschmutzt, dem wird die Hölle tief gemacht, denn es heißt: eine tiefe Grube [für den] Lastermund. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Auch dem, der solches schweigend anhört, denn es heißt: der Verhaßte des Herrn fällt darein.

10R. Oša͑ja sagte: Wer sich dem Laster hingibt, wird von Wunden und Geschwüren befallen, wie es heißt: wunde Geschwüre säubern den Bösewicht. Und noch mehr, er wird auch mit Wassersucht gestraft, wie es heißt: und Schläge bis in das Innere des Leibes. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Wassersucht ist ein Zeichen des Lasters.

11Die Rabbanan lehrten: Es gibt drei Arten von Wassersucht. Infolge des Lasters ist sie hart, infolge des Hungers ist sie angeschwollen, und infolge der Behexung ist sie dünn.

12Šemuél der Kleine litt daran, da sprach er: Herr der Welt, wer wird unterscheiden!? Und er genas. Abajje litt daran. Da sprach Raba: Ich weiß, daß Naḥmani Hunger leidet. Raba litt daran. – Raba selber sagte ja aber, zahlreicher seien die Toten des Stuhles, als die vor Hunger Geschwollenen!? – Anders war es bei Raba, die Schüler veranlaßten ihn dazu.

13Die Rabbanan lehrten: Es gibt vier Zeichen. Wassersucht ist ein Zeichen des Lasters, Gelbsucht ist ein Zeichen des grundlosen Hasses, Armut ist ein Zeichen des Hochmuts, und die Bräune ist ein Zeichen der Verleumdung.

14Die Rabbanan lehrten: Bräune kommt über die Welt wegen [der Unterlassung]

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.