Schabbat — Blatt 79b

1QLAPH, ALS MAN DARAUF DEN KLEINSTEN ABSCHNITT [DER TEPHILLIN] SCHREIBEN KANN. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Qlaph und Dixeslos, als man darauf eine Mezuza schreiben kann!? – Unter ‘Mezuza’ ist die Mezuza der Tephillin zu verstehen. – Nennt man denn die Tephillin Mezuza? – Allerdings, es wird auch gelehrt: Die Riemen samt den Tephillin verunreinigen die Hände, diese allein verunreinigen die Hände nicht. R. Šimo͑n b. Jehuda sagte im Namen R. Šimo͑ns, wer den Riemen berührt, sei rein, es sei denn, er berührt die Kapsel selbst. R. Zakkaj sagt in dessen Namen, er sei auch dann rein, es sei denn, er berührt die Mezuza selbst. –

2Wenn er aber im Schlußsatze lehrt, Qlaph, als man darauf den kleinsten Abschnitt der Tephillin, nämlich ‘Höre Jisraél’ schreiben kann, so spricht ja wohl der Anfangssatz von einer wirklichen Mezuza!? – So meint er es: welche Größe gilt für Qlaph und Dixestos? Dixestos, als man darauf eine Mezuza schreiben kann, Qlaph, als man darauf den kleinsten Abschnitt der Tephillin, nämlich ‘Höre Jisraél’ schreiben kann.

3Rabh sagte: Dixestos gleicht dem Qlaph: wie man Tephillin auf Qlaph schreibt, ebenso schreibe man Tephillin auf Dixestos. – Wir haben gelernt: Qlaph, als man darauf den kleinsten Abschnitt der Tephillin, nämlich ‘Höre Jisraél’ schreiben kann. Nur Qlaph und nicht Dixestos!? – Darauf ist es bevorzugter. – Komm und höre: Es ist eine dem Moše am Sinaj überlieferte Halakha, daß die Tephillin auf Qlaph und die Mezuza auf Dixestos [zu schreiben seien]; auf Qlaph auf die Fleischseite, auf Dixestos auf die Haarseite!? – Dies ist bevorzugter. –

4Es wird ja aber gelehrt, wenn umgekehrt, sei es unbrauchbar!? – Dies gilt von der Mezuza. – Es wird ja aber gelehrt, wenn diese oder jene umgekehrt, so ist es unbrauchbar!? – Beides gilt von der Mezuza; entweder wenn man auf Qlaph auf die Haarseile geschrieben hat, oder auf Dixestos auf die Fleischseite. Wenn du aber willst, sage ich: wenn diese oder jene umgekehrt, streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Wenn diese oder jene umgekehrt, so ist es unbrauchbar; R. Aḥa erklärt es im Namen des R. Aḥi b. Ḥanina, und wie manche sagen, im Namen des R. Ja͑qob b. R. Ḥanina, für brauchbar. R. Papa erwiderte: Rabh vertritt die Ansicht des Tanna der Schule Menašes, denn ein Tarma der Schule Menašes lehrte: Hat man sie auf Papier oder auf einen Fleck geschrieben, so ist sie unbrauchbar; hat man sie auf Qlaph, auf Gevil oder auf Dixestos geschrieben, so ist sie brauchbar.

5Was geschrieben: wollte man sagen, eine Mezuza, so darf man ja keine Mezuza auf Qlaph schreiben, wahrscheinlich doch Tephillin. – Darf man denn, nach deiner Erklärung, Tephillin auf Gevil schreiben!? Diese Lehre bezieht sich vielmehr auf eine Torarolle. – Aus folgendem wäre für ihn eine Stütze zu erbringen: Desgleichen darf man aus alten Tephillin oder aus einer alten Torarolle keine Mezuza machen, weil man nichts aus einem höheren Grade der Heiligkeit in einen niedrigeren herabsetzen darf.

6Also nur aus dem Grunde, weil man nicht herabsetzen darf, wäre dies aber erlaubt, so dürfte man sie daraus wohl machen. Doch wohl, wenn sie auf Dixestos geschrieben ist. -- Nein, wenn sie auf Qlaph geschrieben ist. – Darf man denn eine Mezuza auf Qlaph schreiben!? – Freilich. – Es wird ja aber gelehrt, daß, wenn man sie auf Qlaph, auf Papier oder auf einen Fleck geschrieben hat, sie unbrauchbar sei!? – R. Šimo͑n b. Elea͑zar erzählte, R. Meír schrieb sie auf Qlaph, weil dieses haltbarer ist. – Jetzt nun, wo du zu dieser [Erklärung] gekommen bist, so sage auch nach Rabh nicht, Dixestos gleiche dem Qlaph, sondern Qlaph gleiche dem Dixestos: wie man die Mezuza auf Dixestos schreibt, ebenso schreibe man sie auf Qlaph.

7TINTE, ALS MAN &C. SCHREIBEN KANN.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.