Schabbat — Blatt 87a
1am Dienstag ordnete er ihnen das Gebot von der Abgrenzung an und am Mittwoch zogen sie sich von ihren Frauen zurück. Die Rabbanan sind der Ansicht, der Neumond sei am Montag festgesetzt worden, jedoch sprach er zu ihnen am Montag nichts, wegen der Reisemüdigkeit, am Dienstag sprach er zu ihnen: ihr sollt mir werden, am Mittwoch ordnete er ihnen das Gebot von der Abgrenzung an und am Donnerstag zogen sie sich von ihren Frauen zurück. Man wandte ein: Ihr sollt euch heute und morgen heilig halten; dies ist ja ein Einwand gegen R. Jose!? –
2R. Jose kann dir erwidern: Moše fügte aus eigenem Ermessen einen Tag hinzu. Es wird nämlich gelehrt: Dreierlei tat Moše aus eigenem Ermessen, und der Heilige, gepriesen sei er, stimmte ihm bei. Er fügte aus eigenem Ermessen einen Tag hinzu, er zog sich von seiner Frau zurück, und er zerbrach die Bundestafeln. –
3Worauf stützte er sich, einen Tag hinzuzufügen? – ‘Heute und morgen’; heute wie morgen: wie morgen mit der [vorangehenden] Nacht, ebenso heute mit der [vorangehenden] Nacht, und die Nacht des laufenden Tages war ja bereits vorüber. Also zwei Tage außer dem laufenden. – Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm zugestimmt hat? – Die Göttlichkeit ließ sich erst am Šabbath morgens nieder. –
4Worauf stützte er sich, sich von seiner Frau zurückzuziehen? – Er folgerte [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, indem er sprach: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach ja mit den Jisraéliten nur eine Stunde, auch setzte er ihnen dafür eine Zeit fest, dennoch sagte die Tora: bereitet euch vor &c. nähert euch nicht, um wieviel mehr ich, wo die Göttlichkeit mit mir zu jeder Stunde spricht und mir vorher keine Zeit festsetzt. – Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm zugestimmt hat? – Es heißt: geh, sprich zu ihnen: Kehret nach eueren Zelten zurück, darauf folgt: du aber bleibe hier bei mir stehen. Manche sagen, [hieraus:] von Mund zu Mund rede ich mit ihm. –
5Worauf stützte er sich, die Bundestafeln zu zerbrechen? – Er sprach: Wenn die Tora vom Pesaḥopfer, das nur eines von den sechshundertdreizehn Geboten ist, gesagt hat: kein Fremder darf es essen, um wieviel mehr ist die Tora den Jisraéliten verboten, wo sie alle abtrünnig sind. – Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm zugestimmt hat? – Es heißt: die du zerbrochen hast, und Reš Laqiš erklärte: Dank dir, daß du sie zerbrochen hast. –
6Komm und höre: Sie sollen zum dritten Tage bereit sein. Dies ist ja ein Einwand gegen R. Jose!? – Wir sagten ja bereits, daß Moše aus eigenem Ermessen einen Tag hinzugefügt hat. – Komm und höre: Der dritte, der dritte des Monats und der dritte der Woche. Dies ist ja ein Einwand gegen die Rabbanan!? – Die Rabbanan können dir erwidern, hier sei die Ansicht R. Joses vertreten. –
7Wovon der dritte? – Wie gelehrt wird: Und Moše erwiderte dem Herrn die Worte des Volkes; ferner heißt es: und Moše erzählte dem Herrn die Worte des Volkes.
8Was sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše? Was sprach Moše zu Jisraél? Was sprach Jisraél zu Moše? Was berichtete Moše der Allmacht? Das ist das Gebot von der Abgrenzung – so R. Jose b. Jehuda. Rabbi sagte: Zuerst hatte er ihnen die Strafandrohungen auseinandergesetzt, denn es heißt: und Moše erwiderte, Dinge, die dem Gemüte des Menschen widrig sind, und später setzte er ihnen die Belohnungen auseinander, denn es heißt: und Moše erzählte, Dinge, die das Herz des Menschen wie eine Erzählung anziehen. Manche sagen: Zuerst hatte er ihnen die Belohnungen auseinandergesetzt, denn es heißt: und Moše erwiderte, nämlich Dinge, die das Herz des Menschen beruhigen, und später setzte er ihnen die Strafandrohungen auseinander, denn es heißt: und Moše erzählte, nämlich Dinge, die für den Menschen herb sind, wie Wermut. –
9Komm und höre: Der sechste, der sechste des Monats und der sechste der Woche. Dies ist ja ein Einwand gegen die Rabbanan!? – Hier ist ebenfalls die Ansicht R. Joses vertreten. – Wovon der sechste? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.