Schabbat — Blatt 89a

1weilet ihr zwischen den Unbeschnittenen, die Götzendienst treiben!? Ferner heißt es in dieser: gedenke, den Šabbath zu heiligen; verrichtet ihr Arbeit, daß ihr der Ruhe bedürfet? Ferner heißt es in dieser: du sollst nicht nennen; gibt es unter euch Handel und Wandel? Ferner heißt es in dieser: ehre deinen Vater und deine Mutter; habt ihr Vater und Mutter? Ferner heißt es in dieser: du sollst nicht morden, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen; gibt es unter euch Neid oder einen bösen Trieb? Da pflichteten sie dem Heiligen, gepriesen sei er, bei, denn es heißt: o Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name &c., es folgt aber nicht: verleihe deine Pracht auf dem Himmel.

2Hierauf wurde ihm jeder ein Freund und übergab ihm etwas, wie es heißt: du bist in die Höhe gestiegen, du hast Beute fortgeführt, du hast Geschenke von den Menschen empfangen; als Belohnung dafür, daß sie dich einen Menschen genannt haben, hast du Geschenke erhalten. Und auch der Todesengel übergab ihm etwas, denn es heißt: da setzte er das Räucherwerk auf und schaffte dem Volke Sühne, und weiter heißt es: und er stand zwischen den Toten und den Lebendigen &c. Wieso konnte er dies wissen, wenn jener es ihm nicht gesagt hätte.

3Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Zur Stunde, da Moše vom Heiligen, gepriesen sei er, fortgegangen war, kam der Satan und sprach vor ihm: Herr der Welt, wo ist die Tora? Er erwiderte: Ich habe sie der Erde gegeben. Da ging er zur Erde und sprach zu ihr: Wo ist die Tora? Diese erwiderte: Gott kennt ihren Weg &c. Da ging er zum Meere. Dieses erwiderte: Sie ist nicht bei mir. Da ging er zur Meerestiefe. Diese erwiderte: Sie ist nicht in mir, denn es heißt: die Meerestiefe spricht: In mir ist sie nicht; und das Meer spricht: Sie ist nicht bei mir. Abgrund und Tod sprechen: Wir haben mit unseren Ohren ein Gerücht von ihr gehört. Da kam er zum Heiligen, gepriesen sei er, zurück und sprach: Herr der Welt, ich habe sie auf der ganzen Erde gesucht und nicht gefunden. Da erwiderte er: Gehe zum Sohne A͑mrams.

4Darauf ging er zu Moše und sprach zu ihm: Wo ist die Tora, die der Heilige, gepriesen eei er, dir gegeben hat? Dieser erwiderte: Wer bin ich denn, daß der Heilige, gepriesen sei er, die Tora mir gegeben haben sollte? Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše: Moše, bist du ein Lügner? Dieser erwiderte: Herr der Welt, du hast eine Köstliche und Verwahrte, an der du täglich deine Freude hast, soll ich mir dies zugute kommen lassen!? Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše: Da du dich unterschätzest, so soll sie nach dir genannt werden. Denn es heißt: gedenket der Tora meines Dieners Moše &c.

5Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi; Zur Stunde, da Moše in die Höhe stieg, traf er den Heiligen, gepriesen sei er, für die Buchstaben Kränze winden. Da sprach er zu ihm: Kennt man in deiner Ortschaft keinen Gruß? Da sprach dieser vor ihm: Grüßt etwa ein Knecht seinen Herrn? Darauf sprach er zu ihm: Du solltest mir Erfolg wünschen. Sogleich sprach jener: Möchte sich doch deine Macht, o Herr, groß erweisen, wie du verheißen hast.

6Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Es heißt: und das Volk sah, daß sich Moše verzögerte. Lies nicht bošeš [verzögerte], sondern baú šeš [die sechs sind vorüber]. Als nämlich Moše in die Höhe stieg, sprach er zu den Jisraéliten: Nach Ablauf von vierzig Tagen, zu Anfang der [ersten] sechs Stunden, komme ich zurück. Nach Ablauf der vierzig Tage kam der Satan und brachte Verwirrung in die Welt. Er sprach zu ihnen; Wo ist euer Meister Moše? Sie erwiderten ihm: Er ist in die Höhe gestiegen. Darauf sprach er zu ihnen: Die sechs [Stunden] sind ja bereits verstrichen. Sie aber beachteten ihn nicht. – Er ist gestorben. – Sie aber beachteten ihn nicht. Da zeigte er ihnen das Bild seiner Bahre, Deshalb sagten sie zu Ahron: Dieser Mann Moše &c.

7Einer von den Jüngern sprach zu R. Kahana: Hast du vielleicht gehört, was ‘Berg Sinaj’ bedeute? Dieser erwiderte: Der Berg, auf dem Jisraél Wunder geschehen sind. – Demnach sollte er ja Berg Nisaj heißen!? – Vielmehr, der Berg, der ein gutes Zeichen für Jisraél geworden ist. – Demnach sollte er ja Berg Simnaj heißen!? Alsdann sprach er zu ihm: Weshalb pflegst du nicht vor R. Papa und R. Hona, dem Sohne R. Jehošua͑s, zu verweilen, die in der Agada kundig sind? R. Ḥisda und Rabba, Sohn des R. Hona, sagten beide: Was bedeutet ‘Berg Sinaj’? Der Berg, auf den Haßüber die Völker der Welt herabgestiegen ist. Das ist es, was R. Jose b. R. Ḥanina gesagt hat: Er hat fünf Namen: Wüste Çin, auf dem ihnen Befehle erteilt worden sind; Wüste Qadeš, auf dem Jisraél geheiligt worden ist; Wüste Qedemoth, auf dem ihnen das Uralte verliehen worden ist; Wüste Paran,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.