Schabbat — Blatt 88b

1die wir in Aufrichtigkeit wandeln, heißt es: die Rechtschaffenen leitet ihre Unschuld, von jenen, die in Verdrehungen wandeln, heißt es: die Treulosen richtet ihre Bosheit zugrunde.

2R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Es heißt: du hast mir das Herz genommen, meine Schwester Braut, du hast mir das Herz genommen durch eines deiner Augen; zuerst durch ein Auge, und als du [die Tora] auch befolgt hast, durch beide Augen. U͑la sagte: Schamlos ist die Braut, die in ihrer Hochzeitskammer buhlt. R. Mari, Sohn der Tochter Šemuéls, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: Während der König noch auf seinem Ruhepolster weilte, hat meine Narde &c. Rabh sagte: Dies ist uns gegenüber noch wohlwollend, denn es heißt ja [den Geruch] fortgegeben, nicht aber verstunken. Die Rabbanan lehrten: Über diejenigen, die gedemütigt werden, ohne zu demütigen, die ihre Schmähung anhören, ohne zu erwidern, die aus Liebe [die Gebote] ausüben und der Züchtigungen froh sind, spricht die Schrift: die ihn lieb haben, sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer Pracht.

3R. Joḥanan sagte: Es heißt: der Herr ließ einen Ruf erschallen, der Siegesbotinnen war ein großes Heer. Jedes Wort, das aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorging, wurde in siebzig Sprachen zerteilt. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Und wie ein Hammer, der Felsen zersplittert; wie der [Stein durch den] Hammer in viele Splitter zerteilt wird, so wurde auch jedes Wort, das aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorging, in siebzig Sprachen zerteilt. R. Ḥanina b. Papa sagte: Es heißt: höret zu, denn Fürstliches will ich reden. Weshalb werden die Worte der Tora mit Fürsten verglichen? Dies besagt: wie es in der Macht des Fürsten ist, töten und leben zu lassen, ebenso hat auch das Wort der Tora die Macht, töten und leben zu lassen.

4Das ist es, was Raba sagte: Für diejenigen, die sich ihr rechts widmen, ist sie eine Würze des Lebens, und für diejenigen, die sich ihr links widmen, ist sie eine Würze des Todes. Eine andere Erklärung: Fürstliches, jedem Worte, das aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorging, wurden zwei Kränze gewunden. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es heißt: mein Geliebter ist mir ein Myrrhenbündel, zwischen meinen Brüsten weilt er. Die Gemeinschaft Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, obgleich mein Geliebter mich bedrängt und verbittert, dennoch weilt er zwischen meinen Brüsten. Eine Cyprusdolde in den Weinbergen E͑ngedis ist mir mein Geliebter; der, dem alles gehört, vergibt mir die Sünde vom Böcklein [gedi], die ich auf mich geladen habe. – Woher ist es erwiesen, daß Kerem [Weinberg] die Bedeutung aufladen hat? Mar Zuṭra, der Sohn R. Naḥmans, erwiderte: Wie wir gelernt haben: Ein Wäschestuhl, auf den man Kleider legt [kormim].

5Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Es heißt: seine Wangen wie Balsambeete. Durch jeden einzelnen Satz, der aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorging, wurde die ganze Welt voll Wohlgerüche. – Wenn sie aber bereits durch den ersten Satz voll war, wo kam dann der zweite Satz hin? – Der Heilige, gepriesen sei er, brachte aus seiner Vorratskammer einen Wind hervor, der fortwährend den vorhergehenden fortwehte, denn es heißt: seine Lippen wie Lilien, fließende Myrrhe träufelnd, und man lese nicht Šošanim [Lilien], sondern šešonim [die sprechen].

6Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Bei jedem einzelnen Satze, der aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorkam, hauchte Jisraél die Seele aus, wie es heißt: bei seinem Sprechen hauchte ich meine Seele aus. – Wenn sie aber beim ersten Satze die Seele ausgehaucht haben, wie konnten sie dann den nächsten Satz hören? – Er ließ einen Tau niedersteigen, mit dem er dereinst die Toten beleben wird, und belebte sie wieder, wie es heißt: mit reichlichem Regen besprengtest du, o Gott, dein Erbium, und was ermattet war, stelltest du her. Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Bei jedem einzelnen Satze, der aus dem Munde des Heiligen, gepriesen sei er, hervorkam, bebten die Jisraéliten zwölf Mil rückwärts, und die Dienstengel ließen sie heranhüpfen, denn es heißt: die Engel der Heerscharen hüpfen, hupfen; und man lese nicht hüpfen, sondern sie ließen hüpfen.

7Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Zur Stunde, da Moše in die Höhe stieg, sprachen die Dienstengel vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, was soll ein Weibgeborener unter uns!? Er erwiderte ihnen: Er kam, die Tora in Empfang zu nehmen. Da sprachen sie zu ihm: Die Köstliche und Verwahrte, die du seit (den sechs Schöpfungstagen) neunhundertvierundsiebzig Generationen vor der Weltschöpfung verborgen gehalten hast, willst du einem [Menschen aus] Fleisch und Blut geben!? Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und das Menschenkind, daß du nach ihm schauest!? O Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, (welcher) verleihe deine Pracht auf dem Himmel.

8Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu Moše: Antworte du ihnen. Dieser aber erwiderte: Herr der Welt, ich fürchte, sie würden mich mit dem Hauche ihres Mundes verbrennen. Da sprach er: Fasse an meinen Thron der Herrlichkeit, und gib ihnen Antwort. Es heißt nämlich: er erfaßt den Anblick des Thrones, er zieht seine Wolke über ihn, und R. Naḥum sagte, dies lehre, daß der Allmächtige über ihn den Glanz seiner Gottheit ausgebreitet und ihn beschattet hatte. Hierauf sprach er vor ihm: Herr der Welt, was steht in der Tora, die du mir gibst, geschrieben? – Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Lande Miçrajim herausgeführt hat. Da fragte er jene: Waret ihr nach Miçrajim hinabgezogen? Waret ihr dem Pareo͑ dienstbar? Was wollt ihr mit der Tora? Ferner heißt es in dieser: ihr sollt keine fremden Götter haben;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.