Schevuot — Blatt 6b

1Wenn dem nun sowäre, so müßte er ja sagen, die des wollfarbigen sei matter als jene!? –

2Ich will dir sagen, dem ist auch so, denn es wird gelehrt: R. Nathan sagte: R. A͑qiba sagte nicht, die der kalkfarbigen sei matter als jene, sondern, die der wollfarbigen sei matter als jene. –

3Woher, daß unter Glanzfleck der intensive zu verstehen ist? Abajje erwiderte: Die Schrift sagt:findet sich aber ein weißer Fleck, dieser ist [intensiv] weiß, nicht aber ein anderer.

4Die Rabbanan lehrten: Der Glanzfleck [erscheint] tiefer liegend, denn so heißt es:und er erscheint tiefer liegend als die Haut, wie eine besonnte [Stelle] tiefer erscheint als eine beschattete; der Hochfleck erscheint höher liegend, denn so heißt es:über alle hohe Berge und über alle hochragende Hügel. Der Ansatzfleck ist eine sich anschließende [Unterart], denn so heißt es:indem er spricht: schließe mich doch an. –

5Wir finden [in der Schrift]die sich anschließende [Unterart] des Hochflecks, woher ist die sich anschließende [Unterart] des Glanzflecks zu entnehmen? R. Zera erwiderte: Beim Hochfleck heißt es weiß und ebenso heißt es weiß beim Glanzfleck, wie nun die Weißheit des Hochflecks eine sich anschließende [Unterart] hat, ebenso hat auch die Weißheit des Glanzflecks eine sich anschließende [Unterart].

6In einer Barajtha wurde gelehrt: Die Schrift setzte den Ansatz fleck zwischen Hockfleck und Glanzfleck, um dir zu sagen, wie der Hochfleck eine sich anschließende [Unterart] hat, ebenso hat auch der Glanzfleck eine sich anschließende [Unterart].

7«Der Hochfleck, wie weiße Wolle.» Was heißt: wie weiße Wolle? R. Bebaj erwiderte im Namen R. Asis: Wie die saubere Wolle eines eintägigen Schafes, das zur [Gewinnung von] feiner Wolle eingehüllt wird.

8R. Ḥanina sagte: Die Klassifizierung der Rabbanan ist zu vergleichen mit zwei Königen und zwei Eparchen; der König des einen steht höher als der König des anderen, und der Eparch des einen steht höher als der Eparch des anderen. –

9Das heißt ja also, dieser steht höher als jener, und jener steht höher als der andere!? –

10Vielmehr, der eine König steht höher als sein eigner Eparch und der andere König steht höher als sein eigner Eparch.

11R. Ada b. Abba sagte: Wie beispielsweise der König, der Rufulus, der Alkaftaund der Exilarch. – Hierbei steht ja ebenfalls der eine über dem anderen!? – Vielmehr, wie beispielsweise der König und sein Rufulus, der Alkafta und der Exilarch.

12Raba sagte: Wie beispielsweise der [persische] König Sapor und der [römische] Kaiser.

13R. Papa sprach zu Raba: Wer von beidensteht höher? Dieser erwiderte ihm: Er frisst ihn in seinem Waldeauf. Sieh doch, ob es in der Welt eine größere Macht gibt. Es heißt:es die ganze Erde fressen, zerstampfen und zermalmen, und R. Joḥanan sagte, dies sei das schuldbeladene Rom, dessen Macht über die ganze Welt ausgedehnt ist.

14Rabina erklärte: Wie beispielsweise ein wollenes Gewand im Vergleiche zu einem abgetragenen, und ein leinenes Gewand im Vergleiche zu einem abgetragenen.

15WAR BEWUSSTSEIN VORHANDEN VORHER &C. Die Rabbanan lehrten: Woher, daß die Schrift nur von der Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer spricht? –

16Dies ist durch einen Schluß zu folgern: bei der Verunreinigung gibt eseine Verwarnung und eine Strafe, und ebenso gibt eswegen der Verunreinigung eine Verpflichtung zu einem Opfer, wie nun die Verwarnung und die Strafe sich nur auf die Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opferbeziehen, ebenso bezieht sich auch die Verpflichtung zu einem Opfer nur auf die Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer. –

17Vielleicht [spricht die Schrift] von der Hebe, bei der es ebenfalls eine Verwarnung und eine Strafe gibt!? – Wir finden keine mit der Todesstrafe belegte Sünde, derentwegen man zu einem Opfer verpflichtet wäre. –

18Vielleicht aber nur kein bestimmtes Opfer,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.