Schevuot — Blatt 6a
1[Dieser erwiderte:] Das ist nichts; wenn man vom kalkfarbigen absieht, so ist von dem eierschalfarbigen nichts einzuwenden, denn der eierschalfarbige gehört zum Hochfleck, obgleich er viel tiefer als dieser steht, denn der Allbarmherzige sagt:Hochfleck und Ansatzfleck, womit der Ansatzfleck dem Hochfleck angehängt wird, auch wenn er viel tiefer als dieser steht; vom kalkfarbigen aber ist ein Einwand zu erheben. – Am richtigsten ist vielmehr, unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht R. A͑qibas.
2Wo finden wir, daß R. A͑qiba der Ansicht ist, eines stehe über dem anderen;
3wollte man sagen, in der folgenden Lehre: R. Jose erzählte: Jehošua͑, der Sohn R. A͑qibas, fragte R. A͑qiba: Weshalb sagten sie, daß es zwei Arten der Aussatzmale gebe, die in vier zerfallen? Dieser erwiderte: Was dennsollten sie sagen? – Sie sollten sagen, was über dem eierschalfarbigen [Fleck]steht, sei unrein!?
4Dieser erwiderte: Dies besagt, daß sie mit einander vereinigt werden. Jener entgegnete: Sollten sie sagen, was über dem eierschalfarbigen steht, sei unrein, und sie werden mit einander vereinigt!? Dieser erwiderte: Dies besagt, daß ein Priester, der in diesen und in ihren Namen nicht kundig ist, die Aussatzmale nicht besichtigen dürfe.
5Da er nun nicht sagte: was über dem kalkfarbigen steht, so ist zu entnehmen,
6daß er von R. A͑qiba gehört hatte, daß sie alle mit dem [wollfarbigen] Hochfleck vereinigtwerden.
7Vielleicht aber spricht er vom Hochfleck und seiner Unterart und vom Glanzfleck und seiner Unterart. –
8Vielmehr, dies ist aus einer Lehre R. Ḥaninas zu entnehmen, denn R. Ḥanina sagte: [Die Klassifizierung] R. A͑qibas ist zu vergleichen mit vier Bechern Milch: in einen fielen zwei Tropfen Blut, in einen vier Tropfen, in einen acht [Tropfen] und in einen zwölf, und wie manche sagen, sechzehn [Tropfen]; alle haben sie eine weiße Farbe, jedoch einer in höherem Grade als der andere, und der andere in höherem Grade als jener. –
9R. A͑qiba sagte dies nur von den [rot] melierten, sagte er es etwa auch von den einfarbigen!?
10Wolltest du entgegnen, wie er dieser Ansicht hinsichtlich der [rot] melierten ist, sei er dieser Ansicht auch hinsichtlich der einfarbigen, so ist es ja überhaupt nicht ausgemacht, daß er dieser Ansicht selbst hinsichtlich der [rot] melierten ist, denn es wird gelehrt: R. A͑qiba sagt, die Röte ist bei diesem und jenem wie beim mit Wasser verdünnten Weine, nur ist die des [schneefarbigen] Glanzflecks intensiv und die des kalkfarbigen matter als jene.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.