Schevuot — Blatt 8a

1Welcher Fall von Unzucht: wenn vorsätzlich, so verfällt er ja der Todesstrafe, und wenn unvorsätzlich, so hat er ja ein Opfer darzubringen!? –

2Wenn vorsätzlich, man ihn aber nicht gewarnt hat, oder unvorsätzlich, er sich aber nicht bewußt geworden ist, –

3Welcher Fall von Blutvergießen: wenn vorsätzlich, so verfällt er ja der Todesstrafe, und wenn unvorsätzlich, so muß er ja in die Verbannung!? –

4Wenn vorsätzlich, man ihn aber nicht gewarnt hat, oder unvorsätzlich, er sich aber nicht bewußt geworden ist, oder in solchen Fällen, wo er nicht in die Verbannung muß.

5Der Meister sagte: Man könnte nun glauben, dieser Bock sühne diese drei Verunreinigungen, so heißt es: von den Unreinheiten, nicht aber alle Verunreinigungen. Welche Verunreinigung hat die Schrift von den übrigen getrennt? Die Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer, ebenso handelt es sich auch hier um die Verunreinigung des Heiligtums und der heiligen Opfer – so R. Jehuda.

6In welcher Hinsicht ist diese getrennt? – Indem derentwegen ein auf- und absteigendes Opfer darzubringen ist. – Vielleicht die durch Götzendienst, und zwar ist diese dadurch getrennt,

7indem derentwegen durchaus eine Ziege, aber kein Lammdarzubringen ist!?

8R. Kahana erwiderte: Wir sprechen von der erleichternden Trennung, während hierbei die Trennung erschwerend ist. –

9Vielleicht [die Unreinheit] der Wöchnerin, und zwar ist diese dadurch getrennt, indem sie ein auf- und absteigendes Opfer darbringt!? R. Hoša͑ja erwiderte: All ihre Sünden, nicht aber all ihre Unreinheiten. –

10Wie ist es aber zu erklären nach R. Šimo͑n b. Johaj, welcher sagt, eine Wöchnerin sei ebenfallseine Sünderin!? – R. Šimo͑n vertritt hierbei seine Ansicht, daß diesaus dieser Stelle selbst hervorgehe. –

11Vielleicht [die Unreinheit] des Aussätzigen!? R. Hoša͑ja erwiderte: All ihre Sünden, nicht aber all ihre Unreinheiten. –

12Wie ist es aber zu erklären nach R. Šemuél b. Naḥmani, welcher sagt, daß man wegen sieben Vergehen vom Aussatz befallenwerde!? – Bei diesen ist ja der Aussatz, der sühnt, die Wirkung des Opfers besteht nur darin, daß er in die Gemeinde kommen darf. –

13Vielleicht [die Unreinheit] des unreinen Naziräers, und zwar ist diese dadurch getrennt, indem er Turteltauben und junge Tauben darbringt!? R. Hoša͑ja erwiderte: All ihre Sünden, nicht aber all ihre Unreinheiten. –

14Wie ist es aber zu erklären nach R. Ele͑zar haQappar, welcher sagt, der Naziräer seiebenfalls ein Sünder!? – Er ist der Ansicht R. Šimo͑ns, welcher sagt, dies gehe aus dieser Stelle selbst hervor; es heißt:und er entsündige das Heiligtum von den Unreinheiten, von den Unreinheiten des Heiligen &c.

15Der Meister sagte: R. Šimo͑n sagt, dies gehe aus dieser Stelle selbst hervor. R. Šimo͑n hat ja recht!? – R. Jehuda kann dir erwidern: dieser [Schriftvers] deutet darauf, daß er im Tempel ebensoverfahre, wie im Allerheiligsten. –

16Und R. Šimo͑n!? – Dies geht hervor aus:und ebenso verfahre er. – Und R. Jehuda!? – Wenn nur dieser Schriftvers, so könnte man glauben, er hole einen anderen Farren und einen anderen! Bock und richte sie her, so lehrt er uns. – Und R. Šimo͑n!?–Und so verfahre er mit dem Offenbarungszelte, dies heißt: mit demselben.

17Der Meister sagte: Man könnte nun glauben, dieser Bock sühne jede Verunreinigung des Heiligen, so heißt es: und ihre Freveltaten und all ihre Sünden &c. Welche sind es? – Wenn vorher und nachher Bewußtsein vorhanden war. – In diesem Falle ist ja ein Opfer darzubringen!? –

18In dem Falle, wenn er sich kurz vor Sonnenuntergangbewußt wurde; man könnte glauben, erbringe [die Sünde] in die Schwebe,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.