Schevuot — Blatt 8b
1bis dieser [sein Opfer] gebracht hat, so lehrt er uns.
2Der Meister sagte: Woher ferner, daß dieser Bock solche Fälle, wo vorher Bewußtsein vorhanden war, nicht aber Bewußtsein nachher, in die Schwebe bringt. Was ist ihm denn da schwierig, daß er diese Frage aufwirft!? –
3Folgendes ist ihm schwierig: jetzt nun, wo du erklärt hast, Sünden gleich Frevel taten, wie nämlich wegen Freveltaten kein Opfer darzubringen ist, ebenso auch Sünden, derentwegen kein Opfer darzubringen ist, sollte man doch auch erklären: wie wegen Frevel taten niemals ein Opfer darzubringen ist, ebenso auch solche Sünden, derentwegen niemals ein Opfer darzubringen ist, also nur in dem Falle, wenn vorher kein Bewußtsein vorhanden war, nachher aber Bewußtsein vorhanden war, wenn aber vorher Bewußtsein vorhanden war, nachher aber kein Bewußtsein vorhanden war, wobei, wenn man nachher Bewußtsein erlangt, ein Opfer darzubringen ist, könnte man glauben, bringe er [die Sünde] nicht in die Schwebe, so lehrt er uns.
4Wollte man einwenden, wenn vorher kein Bewußtsein und nachher Bewußtsein vorhanden war, sühnen es der außerhalb hergerichtete Bock und der Versöhnungstag,
5so könnte man glauben, es verhalte sich entgegengesetzt ; es heißt also: all ihre Sünden, derentwegen man zur Darbringung eines Sündopfers kommen kann. –
6Sollte er doch eine vollständige Sühne schaffen!? – Würde es geheißen haben: von ihren Sünden, so würdest du Recht haben, es heißt aber: all ihre Sünden, die Sündopfer darzubringen haben. –
7Was nützt es nun, wenn er keine Sühne schafft, daß er [die Sünde] in die Schwebe bringt!? R. Zera erwiderte: Wenn erstirbt, so stirbt er ohne Sünde. Raba entgegnete: Wenn er stirbt, läutert ihn ja der Tod!? Vielmehr, erklärte Raba, dies schützt ihn vor Züchtigungen.
8WAR VORHER KEIN BEWUSSTSEIN VORHANDEN, WOHL ABER BEWUSSTSEIN NACHHER, SO SCHAFFEN IHM DER AUSSERHALB HERGERICHTETE BOCK UND DER VERSÖHNUNGSTAG SÜHNE &C.
9Merke, sie gleichen ja einander, sollte doch der innere Sühne schaffen für sich selbst und für den äußeren, und zwar ist dies von Bedeutung in dem Falle, wenn der äußere nicht hergerichtet worden ist!? – Die Schrift sagt:einmal, er erwirkt nur eine Sühne, nicht aber zwei Sühnen. –
10Sollte doch der äußere Sühne schaffen für sich selbst und für den inneren; und zwar ist dies von Bedeutung in dem Falle, wenn zwischen beiden eine Verunreinigung erfolgt ist!? – Die Schrift sagt: einmal im Jahre, diese Sühnefindet
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.