Sevachim — Blatt 20a
1Man könnte glauben, dies gelte nur von einem für die Sühne unerläßlichen Dienst, nicht aber von einem für die Sühne nicht unerläßlichen Dienst, so lehrt er uns.
2Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans, Ilpha habe folgendes gefragt: Wird nach demjenigen, welcher sagt, die Nachtwende sei beim Waschen der Hände und Füße nicht von Wirkung, das Wasser im Wasserbeckenuntauglich : sagen wir, dieses ist ja zum Waschen der Hände und Füße bestimmt, und das Waschen der Hände und Füße selbst wird durch die Nachtwende nicht untauglich, oder aber wird es, da es durch das Dienstgefäß geweiht worden ist, untauglich?
3Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Jirmejas im Namen R. Amis im Namen R. Joḥanans, Ilpha habe es später entschieden: wie sie über das eine streiten, so streiten sie auch über das andere.
4R. Jiçḥaq b. Bisna sprach vor ihm : Meister, so sagst du, aber R. Ami sagte im Namen R. Joḥanans, daß man aus einem Waschbecken, das nicht abends hinabgelassen worden ist, sich für den Nachtdienst wasche, am folgenden Tage aber wasche man sich daraus nicht.
5Wir fragten, ob unter ‘am folgenden Tage wasche man sich daraus nicht’ zu verstehen sei, man brauche sich daraus nicht zu waschen, oder aber, es sei durch die Nachtwende untauglich geworden, und er entschied es uns nicht; der Meister aber entscheidet dies! –
6Komm und höre: Ben-Qaṭṭin machte zwölfHähne an das Waschbecken; ebenso machte er eine Vorrichtungfür das Waschbecken, damit das Wasser nicht durch das Übernachten untauglich werde. Wahrscheinlich [auch] nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n. – Nein, [nur] nach Rabbi. –
7Wenn aber die erste Lehre die Ansicht des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n vertritt, so vertritt ja auch die andere die des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n!?
8In der ersten wird nämlich gelehrt: Sodann begab ersich zu seinem Farren, der zwischen der Vorhalle und dem Altar stand, den Kopf nach Süden mit dem Gesichte nach Westen gewendet. Der Priester stellte sich östlich mit dem Gesichte nach Westen. Derjenige, welcher sagt, der Raum zwischen der Vorhalle und dem Altar gehöre zur Nordseite, ist ja R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n,
9denn es wird gelehrt: Was gehörte zur Nordseite? Von der nördlichen Wand des Altars bis zur nördlichen Wand des Vorhofes, gegenüber dem ganzen Altar – so R. Jose b. R. Jehuda. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n fügt noch den Raum zwischen der Vorhalle und dem Altarhinzu. Rabbi fügt noch hinzu den Raum, wo die Priester sich aufhielten, und den Raum, wo die Jisraéliten sich aufhielten. Alle stimmen jedoch über ein, daß es vom Messerraumeab einwärts unzulässigsei. –
10Du glaubst wohl, da sei nur die Ansicht des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n vertreten, und Rabbi gehe nur über die Ansicht des R. Jose b. R. Jehuda und nicht auch über die Ansicht des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑nhinaus!? –
11Wir meinen es wie folgt: nach Rabbi sollte man ihn doch da stehen lassen, wo die Priester sich aufhielten und die Jisraéliten sich aufhielten. –
12Auch nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sollte man ihn doch zwischen der Nordseite des Altars und der nördlichen Wand des Vorhofesstehen lassen!? Du mußt also erklären, wegen der Schwäche des Hochpriesters, ebenso auch [nach Rabbi], wegen der Schwäche des Hochpriesters.
13R. Joḥanan sagte: Hat er Hände und Füße zur Abhebung der Aschegewaschen, so braucht er sie am folgenden Tage nicht mehr zu waschen, weil er dies bereits beim Antritt des Dienstes getan hat.
14Nach wessen Ansicht: wenn nach Rabbi, so sagt er ja, daß es durch die Nachtwende ungültig werde, und wenn nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n, so sagt er ja, daß er sie nicht einmal nach zehn Tagen zu waschen brauche!?
15Abajje erwiderte : Tatsächlich nach Rabbi, da aber die [Wirkung der] Nachtwende nur rabbanitisch ist, so pflichtet er bei, daß sie von der Zeit des Hahnenrufes bis zum Morgen nicht von Wirkung sei.
16Raba erwiderte : Tatsächlich nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n, jedoch nur hinsichtlich des Antrittesdes Dienstes, nicht aber hinsichtlich der Beendigung des Dienstes.
17Man wandte ein : Sobald seine Brüder, die Priester, ihn herabsteigensahen, liefen sie heran und wuschen schnell Hände und Füße aus dem Wasserbecken.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.