Sevachim — Blatt 19b
1und da legte er die Tephillin an.
2DEM DIE SÜHNE NOCH FEHLT. Woher dies? R. Hona erwiderte: Die Schrift sagt:der Priester schaffe ihr Sühne, so wird sie rein werden; wenn sie dann rein wird, so ist sie ja bis dahin unrein.
3DER HÄNDE UND FÜSSE NICHT GEWASCHEN HAT. Dies ist durch [das Wort] Satzung zu folgern, das auch bei dem, der die Amtskleider nicht anhat, gebraucht wird.
4Die Rabbanan lehrten: Wenn der Hochpriesterzwischen dem einen Kleidungsstücke und dem anderen Kleidungsstücke, zwischen der einen Dienstverrichtung und der anderen Dienstverrichtung kein Tauchbad genommen, sich nicht gewaschenund Dienst getan hat, so ist sein Dienst gültig; wenn aber der Hochpriester oder ein gemeiner Priester morgensHände und Füße nicht gewaschen und Dienst getan hat, so ist sein Dienst ungültig.
5R. Asi sprach zu R. Joḥanan : Merke, die fünf Tauchbäder und die zehn Waschungen sind ja [Vorschrift] der Tora, auch heißt es bei ihnenSatzung, somit sollten sie doch unerläßlich sein!? –
6Die Schrift sagt:er ziehe sie an, nur das Anziehen ist unerläßlich, nicht aber ist etwas anderes unerläßlich.
7Da erhellte sich seinGesicht. Hierauf sprach er : Ich habe dir ein Vav auf einen Spangeschrieben. Demnach sollte dies auch vom Morgen[opfer] gelten!?
8Ḥizqija erklärte: Die Schrift sagt:dies soll ihnen als Satzung für die Ewigkeit gelten, für ihn und seine Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht; was bei seinen Nachkommen unerläßlichist, ist auch bei ihm unerläßlich, und was bei seinen Nachkommen nicht unerläßlich ist, ist auch bei ihm nicht, unerläßlich.
9R. Jonathan entnimmt dies aus folgendem :Es sollen Moše, Ahron und seine Söhne aus ihm waschen; was bei seinen Söhnen unerläßlich ist, ist auch bei ihm unerläßlich, und was bei seinen Söhnen nicht unerläßlich ist, ist auch bei ihm nicht unerläßlich. –
10Weshalb entnimmt R. Jonathan es nicht aus [dem Schriftverse] Ḥizqijas? – Er kann dir erwidern : dieser ist wegen der künftigen Geschlechter geschriebenworden. –
11Weshalb entnimmt jener es nicht aus diesem? – Dieser ist wegen einer Lehre des R. Jose b. R. Ḥanina nötig, denn R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Aus einem Waschbecken, aus dem nicht vier Priester sich waschen können, darf man sich nicht waschen, denn es heißt: es sollen Moše, Ahron und seine Söhne aus ihm waschen &c.
12Die Rabbanan lehrten: Wie erfolgt das Waschen? Er legt die rechte Hand auf den rechten Fuß und die linke Hand auf den linken Fußund wäscht sie. R. Jose b. R. Jehuda sagt, er legt die über einander liegenden Hände auf die über einander liegenden Füße und wäscht sie. Sie sprachen zu ihm: Du übertreibst, so zu verfahren ist nicht möglich. –
13Sie haben ihm ja treffend erwidert!? R. Joseph erwiderte: Ein Gefährte ist ihm behilflich. –
14Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Abajje erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich des angelehntenStehens.
15R. Sama, Sohn des R. Athi, sprach zu Rabina : Er kann sich ja hinsetzen und sie waschen!? – Die Schrift sagt:Dienst zu tun, und die Bedienung erfolgt stehend.
16Die Rabbanan lehrten: Hat er Hände und Füße am Tage gewaschen, so braucht er sie nicht nachtszu waschen, wenn aber nachts, so muß er sie auch am Tage waschen – so Rabbi. Rabbi ist nämlich der Ansicht, die Nachtwendesei von Wirkung beim Waschender Hände und Füße. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, die Nachtwende sei beim Waschen der Hände und Füße nicht von Wirkung.
17Ein Anderes lehrt: Wenn er die ganze Nacht am Altar steht und Opfer darbringt, so benötigt er bei Tagesanbruch des Waschens der Hände und Füße – so Rabbi. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagt, hat er beim Antritt des Dienstes Hände und Füße gewaschen, so brauche er es auch nach zehn Tagen nicht.
18Und beide [Lehren] sind nötig. Würde nur die erste gelehrt worden sein, [so könnte man glauben,] Rabbi vertrete seine Ansicht nur in dem Falle, wenn er zwischen einem Dienste und dem anderen Dienste unterbrochen hat, in einem Falle aber, wenn er nicht unterbrochenhat, pflichte er R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n bei. Und würde er nur die andere gelehrt haben, [so könnte man glauben,] R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n vertrete seine Ansicht nur in diesemFalle, während er in jenem Rabbi beipflichte. Daher sind beide nötig. –
19Was ist der Grund Rabbis? – Es heißt:wenn sie herantreten. – Was ist der Grund des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n? –
20Es heißt :wenn sie eintreten. – Und jener, es heißt ja auch eintreten!? – Hieße es nur herantreten und nicht eintreten, so könnte man glauben, bei jedem einzelnenHerantreten, daher schrieb der Allbarmherzige auch eintreten. –
21Und der andere, es heißt ja auch herantreten!? – Hieße es nur eintreten und nicht herantreten, so könnte man glauben, selbst bei einem außerdienstlichen Eintritt. –
22‘Außerdienstlicher Eintritt’, es heißt ja:Dienst zu tun!? – Vielmehr, [das Wort] herantreten ist wegen einer Lehre des R. Aḥa b. Ja͑qob nötig, denn R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Alle stimmen überein, daß das zweite Waschenangezogen zu erfolgen habe, denn es heißt: oder wenn sie herantreten, dem nur das Herantreten fehlt, ausgenommen derjenige, dem das Ankleiden und das Herantreten fehlt.–
23Wozu heißt es:ein Feueropfer aufzuräuchern? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.