Sevachim — Blatt 60b

1von drei Ältesten, und folgendes ist eines von diesen. R. Jišma͑él sagte : Man könnte glauben, man müsse in der Jetztzeit den zweiten Zehnten nach Jerusalem bringen und ihn da verzehren. Dies wäre durch einen Schluß zu folgern: beim Erstgeborenen ist das Hinbringen nach der Stätteerforderlich, und beim Zehnten ist das Hinbringen nach der Stätte erforderlich, wie nun das Erstgeborene nur beim Bestehen des Tempels Geltung hat, ebenso hat auch der Zehnt nur beim Bestehen des Tempels Geltung.

2Wohl das Erstgeborene, weil bei diesem Blutsprengen und [Auf räuchern der] Opfer teile auf dem Altarerforderlich sind.

3Beweist man von den Erstlingen [das Entgegengesetzte, so ist zu erwidern:] wohl die Erstlinge, weil sie des Niederlegensbenötigen.

4Daher heißt es:Ihr sollt da eure Brandopfer bringen &c. er vergleicht den Zehntenmit dem Erstgeborenen, wie das Erstgeborene nur bei Bestehen des Tempels Geltung hat, ebenso auch der Zehnt nur bei Bestehen des Tempels. –

5Sollte er doch den Schluß wiederholen und von beiden folgern!? –

6Es ist zu erwidern: das Gemeinsame bei ihnen ist, daß bei ihnen der Altar erforderlich ist. –

7Welcher Ansicht ist er: ist er der Ansieht, die erste Heiligunghatte Geltung für die damalige Zeit und für die Zukunft, so sollte diesauch vom Erstgeborenen gelten, und ist er der Ansicht, sie habe für die Zukunft keine Geltung, so sollte es ihm auch hinsichtlich des Erstgeborenen fraglichsein.

8Rabina erwiderte: Tatsächlich ist er der Ansicht, die Heiligung habe keine Geltung, und hier handelt es sich um den Fall, wenn das Blut des Erstgeborenen vor der Zerstörung des Tempels gesprengt worden war und darauf der Tempel zerstört worden, das Fleisch aber noch vorhanden ist.

9Man vergleiche das Fleisch mit dem Blute, wie für das Blut der Altar erforderlich ist, ebenso ist auch für das Fleisch der Altar erforderlich. –

10Wieso ist demnach vom Erstgeborenen auf den Zehnten zu folgern, kann denn von dem, was durch Vergleichung gefolgert wird, durch Vergleichung gefolgert werden!? – Der Getreidezehnt ist Profanes. –

11Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, man richte sich nach dem Gefolgerten, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, man richte sich nach dem, wovon gefolgert wird!? –

12Das Blut und das Fleisch gehören zusammen.

13Als Rabin hinaufkamund diese LehreR. Jirmeja vortrug, sprach dieser: Die törichten Babylonier lehren, weil sie in einem finsteren Lande leben, finstere Dinge. Sie haben wohl von folgender Lehre nichts gehört: Beim Reiseaufbruchewurden die Opfer untauglichund die Flußbehafteten und Aussätzigen aus dem Lager entfernt.

14Dagegen lehrt ein Anderes, daß die Opfer an zwei Stellengegessen wurden. Wahrscheinlich spricht eines von hochheiligen Opfern und eines von minderheiligenOpfern.

15Rabina erwiderte: Beide sprechen von minderheiligen Opfern, dennoch besteht hier kein Widerspruch,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.