Sevachim — Blatt 64b
1Einen Rundgangzu Fuß. Raba sagte: Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: man reichte ihm Wein zur Libation, und es heißt nicht: man sagte zu ihm: gieße; schließe hieraus.
2Die Rabbanan lehrten: Wer auf den Altar stieg, ging rechts hinauf und kam links herunter, er ging die östliche Seite hinauf und kam die westliche Seite herunter, außer wenn ihn jemand zu jenen drei Verrichtungen hinaufging; er ging dann die westliche Seite hinauf und kam die westliche Seite herunter, er ging rechts hinauf und kam rechts herunter. –
3Wieso rechts, diesist ja links!? Rabina erwiderte: Lies: links. Raba erwiderte: Unter rechtsist die rechte Seite des Altarsund unter links ist die linke Seite der Person zu verstehen. –
4Sollte er doch entweder beides inbezug auf den Altar oder beides inbezug auf die Person lehren!? – Ein Einwand.
5WIE WURDE DAS GEFLÜGEL-SÜNDOPFER HERGERICHTET? ER STIEG AUF DIE ALTARRAMPE, WANDTE SICH ZUM SIMSE UND GELANGTE ZUM SÜDÖSTLICHEN HORN; SODANN KNIFF ER IHM DEN KOPF GEGEN DAS GENICK, AB, OHNE IHN ABZUTRENNEN, UND SPRENGTE VOM BLUTEAN DIE WAND DES ALTARS; DAS ZURÜCKBLEIBENDE BLUT WURDE AUF DAS FUNDAMENTAUSGEPRESST. AUF DEN ALTAR KAM NUR DAS BLUT, SONST GANZ FÜR DIE PRIESTER.
6GEMARA. Die Rabbanan lehrten:Er sprenge vom Blute des Sündopfers, aus dem Körper des Sündopfers. Wie machte er dies? Er faßte es am Kopfe mit dem Rumpfe und sprengte auf die Wand des Altars; nicht aber an die Wand der Altarrampe, nicht an die Wand des Tempels und nicht an die Wand der Vorhalle, und zwar auf den unteren Teilder [Altarwand].
7Vielleicht ist dem nicht so, sondern auf den oberen, und zwar ist dies durch einen Schluß zu folgern: wenn bei einem Vieh, von dem das Brandopfer unterhalb gesprengt wird, das Sündopfer oberhalb gesprengt wird, um wieviel mehr ist bei einem Geflügel, von dem das Brandopfer oberhalb gesprengt wird, das Sündopfer oberhalb zu sprengen!?
8Es heißt daher :und was vom Blute zurückbleibt, werde auf das Fundament des Altars ausgepreßt, auf [den Teil der] Wand, von dem das Zurückbleibende auf das Fundament ausgepreist wird, das ist der untere Teil der Wand. –
9Sollte er es doch vorher oberhalb und nachher unterhalb tun!? Raba erwiderte: Es heißt ja nicht: drücke eraus, sondern: werde ausgedrückt, von selbst.
10R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Wie wurde der Kopf des Geflügelsündopfers abgekniffen? Er erfaßte mit zwei Fingern die beiden Flügel und mit zwei Fingern die beiden Füße, zog den Hals über die Breite des Daumensund kniff den Kopf ab.
11In einer Barajtha wurde gelehrt: [Er nahm] den Vogelauf den Handrücken, erfaßte mit zwei Fingern die beiden Flügel, mit zwei Fingern die beiden Füße, zog den Hals über die Breite von zwei Fingern und kniff den Kopf ab. Dies war eine schwierige Dienstverrichtungim Tempel. –
12Dies und nichts weiter, es gibt ja noch das Abhäufenund das Abheben!? – Sage vielmehr, dies war eine von den schwierigen Dienstverrichtungen im Tempel.
13WIE WURDE DAS GEFLÜGEL-BRANDOPFER HERGERICHTET? ER STIEG AUF DIE ALTARRAMPE, WANDTE SICH ZUM SIMSE UND GELANGTE ZUM SÜDÖSTLICHEN HORN; SODANN KNIFF ER IHM DEN KOPF GEGEN DAS GENICK AB, TRENNTE IHN ABUND PRESSTE DAS BLUT AUF DIE WAND DES ALTARS AUS. HIERAUF NAHM ER DEN KOPF, DRÜCKTE DIE ABGEKNIFFENE STELLE AN DEN ALTAR, RIEB IHN MIT SALZ EIN UND WARF IHN INS FEUER.
14DANN NAHM ER DEN RUMPF, ENTFERNTE DEN KROPF SAMT DEN FEDERN UND DEM DAMIT HERVORKOMMENDEN EINGEWEIDE UND WARF SIE IN DEN ASCHENRAUM, UND RISS IHN AUSEINANDER, OHNE HIN ZU TEILEN, HAT ER IHN GETEILT, SO IST ES TAUGLICH; DANN RIEB ER IHN MIT SALZ EIN UND WARF IHN INS FEUER.
15HAT ER DEN KROPF, DIE FEDERN UND DAS DAMIT HERVORKOMMENDE EINGEWEIDE NICHT ENTFERNT, IHN NICHT MIT SALZ EINGERIEBEN, ODER LIESS ER NACH DEM AUSDRÜCKEN DES BLUTES SONST EINE ÄNDERUNG EINTRETEN, SO IST ES TAUGLICH.
16HAT ER BEIM SÜNDOPFER [DEN KOPF] ABGETRENNT ODER BEIM BRANDOPFER NICHT ABGETRENNT, SO IST ES UNTAUGLICH. HAT ER DAS BLUT DES KOPFES AUSGEPRESST UND NICHT DAS BLUT DES RUMPFES, SO IST ES UNTAUGLICH, WENN DAS BLUT DES RUMPFES UND NICHT DAS BLUT DES KOPFES, SO IST ES TAUGLICH.
17HAT MAN BEIM GEFLÜGEL-SÜNDOPFER [DEN KOPF] ABGEKNIFFEN ODER DAS BLUT AUSGEPRESST AUF EINEN ANDEREN NAMEN, ODER AUF DEN RICHTIGEN NAMEN UND AUF EINEN ANDEREN NAMEN, ODER AUF EINEN ANDEREN NAMEN UND AUF DEN RICHTIGEN NAMEN, SO IST ES UNTAUGLICH; WENN ABER BEI EINEM GEFLÜGEL-BRANDOPFER, SO IST ES TAUGLICH, NUR WIRD ES DEM EIGENTÜMER NICHT ALS PFLICHTOPFER ANGERECHNET. HAT MAN ABER BEI EINEM GEFLÜGEL-SÜNDOPFER ODER BEI EINEM GEFLÜGEL-BRANDOPFER DEN KOPF ABGEKNIFFEN ODER DAS BLUT AUSGEPRESST IN DER ABSICHT, AUSSERHALB DES RAUMES ZU ESSEN, WAS ZU ESSENIST, ODER AUFZURÄUCHERN, WAS AUFZURÄUCHERNIST, SO IST ES UNTAUGLICH UND MAN VERFÄLLT NICHTDER AUSROTTUNG; WENN ABER AUSSERHALB DER FRIST, SO IST ES VERWERFLICH UND MAN VERFÄLLT DER AUSROTTUNG, NUR MUSS DAS ERLAUBTMACHENDE NACH VORSCHRIFT DARGEBRACHT WORDEN SEIN.
18AUF WELCHE WEISE ERFOLGT DIE DARBRINGUNG DES ERLAUBTMACHENDEN NACH VORSCHRIFT? HAT MAN STILLSCHWEIGEND [DEN KOPF] ABGEKNIFFEN UND DAS BLUT AUSSERHALB DER FRISTAUSGEPRESST, ODER [DEN KOPF] AUSSERHALB DER FRIST ABGEKNIFFEN UND DAS BLUT STILLSCHWEIGEND AUSGEPRESST, ODER AUSSERHALB DER FRIST [DEN KOPF] ABGEKNIFFEN UND DAS BLUT AUSGEPRESST, SO IST DIE DARBRINGUNG DES ERLAUBTMACHENDEN NACH VORSCHRIFTERFOLGT.
19AUF WELCHE WEISE IST DIE DARBRINGUNG DES ERLAUBTMACHENDEN NICHT NACH VORSCHRIFT ERFOLGT? HAT MAN [DEN KOPF] AUSSERHALB DES RAUMES ABGEKNIFFENUND DAS BLUT AUSSERHALB DER FRIST AUSGEPRESST, ODER [DEN KOPF] AUSSERHALB DER FRIST ABGEKNIFFEN UND DAS BLUT AUSSERHALB DES RAUMESAUSGEPRESST, ODER AUSSERHALB DES RAUMES [DEN KOPF] ABGEKNIFFEN UND DAS BLUT AUSGEPRESST, ODER BEI EINEM GEFLÜGEL
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.