Sevachim — Blatt 81b
1wozu heißt es zweimalBlut? Man könnte glauben, diesgelte nur von dem Falle, wenn esmit dem des Eingetauschten verwechselt worden ist, das auch lebend als solches dargebracht wird, woher, daß auch Dankopfer und Heilsopfer einbegriffen sind?
2Man begreife Dankopfer und Heilsopfer ein, da sie gleich jenem als Gelobtes und freiwillige Spende dargebracht werden. Woher, daß auch das Schuldopfer einbegriffen ist?
3Man begreife das Schuldopfer ein, da dieses gleich jenem vier Sprengungen benötigt. Woher dies vom Erstgeborenen, dem Zehnten und dem Pesaḥopfer? Es heißt zweimal Blut.
4Doch wohl, wenn beim Schlüsse des Brandopfers und dem [Beginne]des Erstgeborenen, somit ist hieraus zu entnehmen, daß die Stelle des Brandopfers die Stelle des zurückbleibenden Blutes ist!? –
5Nein, dies gilt vom Beginne des Brandopfers und des Erstgeborenen. – Er lehrt uns demnach, daß die Opfer einander nicht aufheben, und dies geht ja hervor schon aus [dem Schriftverse:] er nehme vom Blute des Farren und vom Blute des Ziegenbockes!? –
6[Hierüber streiten] Tannaím, einer entnimmt es aus diesem und einer entnimmt es aus jenem. Alle Tannaím entnehmen esnicht aus [dem Schriftverse:] er nehme vom Blute des Farren und vom Blute des Ziegenbockes, denn sie sind der Ansicht, man vermische [beim Besprengen] der Hörner [das Blut]nicht; aus der Wiederholung [des Wortes] Blut entnehmen sie es ebenfalls nicht, weil ihnen [die Auslegung des Wortes] Blut nicht einleuchtet;
7weshalb aber entnehmen sie es nicht aus [den Worten]: sie sind heilig!? – [Sie legen aus:] sie sind heilig, sie sind darzubringen, nicht aber ist das Eingetauschte von diesen darzubringen. –
8Und jener!? – Dies entnimmt er aus [dem Schriftverse:]ob ein Rind oder ein Schaf, dem Herrn gehört es, es selbst ist darzubringen, das Eingetauschte aber ist nicht darzubringen. –
9Komm und höre: Hat man es ohne zu fragen oberhalb gesprengt, so stimmen alle überein, daß man es dann unterhalb sprenge, und beide werden ihm angerechnet.
10Doch wohl, wenn ein Sündopfer und ein Brandopfer vermischt worden sind; wenn man oberhalb gesprengt hat, ist es ja zurückbleibendesBlut, dennoch lehrt er, alle stimmen überein, daß man es dann unterhalbsprenge. Hieraus ist somit zu entnehmen, daß die Stelle des Brandopfers die Stelle des zurückbleibenden Blutes ist!?
11Als R. Jiçḥaq b. Joseph kam, sagte er: Im Westen erklärten sie, hier handle es sich um den Fall, wenn das außerhalb zu sprengende [Blut des] Sündopfers mit dem zurückbleibendenvermischt worden ist.
12Abajje sprach zu ihm: Sollte doch der Meister erklären, wenn es mit dem zurückbleibendenvermischt worden ist!? – Vielleicht lehrt er uns folgendes: selbst nach demjenigen, welcher sagt, das Ausgießensei unerläßlich, ist nichts dabei, wenn davon etwas fehlt.
13Raba Tospaa͑ sprach zu Rabina: Wir haben ja erklärt, diese Lehre spreche von dem Falle, wenn das oberhalb zu sprengende mehr ist und man oberhalb im Quantum des unterhalb zu sprengenden mit einem Überschüsse aufgetragenhat!? – Dies nur nach der ursprünglichen Auffassung, es gebe keine Vermengung, nach der späteren Erklärung aber streiten sie über [die Verwechselung] der Gefäße.
14IST INNERHALBZU SPRENGENDES [BLUT] MIT AUSSERHALB ZU SPRENGENDEM VERMISCHT WORDEN, SO IST ES IN DEN KANAL ZU GIESSEN; HAT MAN ES ZUERST AUSSERHALB UND NACHHER INNERHALB GESPRENGT, SO IST ES GÜLTIG,
15WENN ZUERST INNERHALB UND NACHHER AUSSERHALB, SO IST ES NACH R. A͑QIBA UNGÜLTIGUND NACH DEN WEISEN GÜLTIG. R. A͑QIBA SAGT NÄMLICH, JEDES BLUT, DAS ZUR SÜHNUNG IN DEN TEMPEL GEKOMMEN IST, SEI UNTAUGLICH; DIE WEISEN SAGEN, NUR DAS DES SÜNDOPFERS; R. ELIE͑ZER SAGT, AUCH DAS DES SCHULDOPFERS, DENN ES HEISST:gleich dem Sündopfer und dem Schuldopfer.
16GEMARA. Sollte R. Elie͑zerauch gegen diese Lehre streiten!? –
17Wie sollte denn hierbei verfahren werden; wollte man zuerst außerhalb und nachher innerhalb sprengen, so ist ja, wie es Gebot ist, das obere früher als das unterezu sprengen, auch Gebot, innerhalb früher als außerhalb zu sprengen. – Sollte man doch zuerst innerhalb und nachher außerhalb sprengen!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.