Sevachim — Blatt 88b

1so darf man sie auch in Wasser nicht waschen. Manche sagen, man dürfe sie überhaupt nicht waschen, denn wo Reichtum ist, darf keine Ärmlichkeit walten.

2Die Rabbanan lehrten: Das Obergewandwar ganz aus blauem Purpur, wie es heißt:und er fertigte das Obergewand für das Schulterkleid ganz aus blauem Purpur. Wie fertigte manes? – Man holte gesponnenen blauen Purpur, roten Purpur und Karmesin, und fertigte daraus eine Art nicht aufgebrochener Granatäpfel und eine Art Helmkuppen, wie sie die Kinder auf dem Kopfe zu tragen pflegen,

3und an diese wurden zweiundsiebzig Glöckchen mit zweiundsiebzig Klöppeln angehängt. Sechsunddreißig wurden an der einen Seite angehängt und sechsunddreißig an der anderen Seite. R. Dosa sagte im Namen R. Jehudas: Es waren zusammen sechsunddreißig, achtzehn an der einen Seite und achtzehn an der anderen Seite.

4R. I͑njani b. Sason sagte: Wie sie hierüber streiten, so streiten sie auch hinsichtlich der Erscheinungen des Aussatzes, denn wir haben gelernt: Die Erscheinungen des Aussatzessind, wie R. Dosa b. Archinos sagt, sechsunddreißig, und wie A͑qabja b. Mahalalél sagt, zweiundsiebzig.

5Ferner sagte R. I͑njani b. Sason: Weshalb wurde der Abschnitt von den Opfern dem Abschnitte von den Priestergewändern angereiht? Um dir zu sagen: wie die Opfer Sühne schaffen, ebenso schaffen auch die priesterlichen Gewänder Sühne.

6Der Rock sühnt das Blutvergießen, denn es heißt:sie schlachteten einen Ziegenbock und tauchten den Rock in das Blut. Die Beinkleider sühnen die Unzucht, denn es heißt:und mache ihnen Beinkleider aus Leinen, um die Blöße ihres Fleisches zu bedecken. Der Kopfbund sühnt den Hochmut. – Woher dies? R. Ḥanina erwiderte: Es komme das, was hoch ist, und sühne das, was hoch ist.

7Der Gürtel sühnt die sündhaften Gedanken des Herzens, wo er sichbefindet. Das Brustschild sühnt [Vergehen gegen] das Recht, denn es heißt:du sollst ein Brustschild des Rechtes machen. Der Schulterlatz sühnt den Götzendienst, denn es heißt:ohne Schulterlatz und ohne Teraphim.

8Das Obergewand sühnt die Verleumdung. – Woher dies? R. Ḥanina erwiderte: Es komme das Tönendeund sühne das Tönende. Das Stirnblatt sühnt die Frechheit; vom Stirnblatt heißt es:es soll auf der Stirn Ahrons sein, und von der Frechheit heißt es:du hattest die Stirn eines Hurenweibes. –

9Dem ist ja aber nicht so, R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, für zwei Dinge sei keine Sühne durch Opfer zu finden, wohl aber sei für sie eine Sühne durch etwas anderes zu finden, und zwar: das Blutvergießen und die Verleumdung;

10das Blutvergießen durch das genickbrochene Kalbund die Verleumdung durch das Räucherwerk. R. Ḥananja lehrte nämlich: Woher, daß das Räucherwerk Sühne schafft? Es heißt:da legte er das Räucherwerk auf und sühnte das Volk.

11Ferner lehrte R. Jišma͑él: Was sühnt das Räucherwerk? Die Verleumdung; es komme das Heimliche und sühne das Heimliche.

12Hier besteht also ein Widerspruch sowohl hinsichtlich der Verleumdung als auch hinsichtlich des Blutvergießens!? –

13Das ist kein Widerspruch; eines, wenn man weiß, wer ihn getötet hat, und eines, wenn man nicht weiß, wer ihn getötet hat. – Wenn man weiß, wer ihn getötet hat, wird er ja hingerichtet!? – Wenn es vorsätzlich erfolgt ist und man ihn nicht gewarnthat.

14Hinsichtlich der Verleumdung besteht ebenfalls kein Widerspruch; eines, wenn es heimlich erfolgt, und eines, wenn es öffentlich erfolgt.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.