Sevachim — Blatt 89b
1GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Und einen zweiten jungen Farren nimm als Sündopfer;
2lehrt er etwa, daß es zwei sind, so heißt es ja bereits:er richte den einen als Sündopfer und den anderen als Brandopfer her, wozu heißt es nun: und einen zweiten jungen Farren nimm als Sündopfer? Man könnte glauben, das Sündopfer gehe in seiner ganzen Herrichtungdem Brandopfer vor, so heißt es: und einen zweiten jungen Farren nimm als Sündopfer.
3Aus [den Worten] einen zweiten Farren könnte man entnehmen, daß das Brandopfer in seiner ganzen Herrichtung dem Sündopfer vorgehe, so heißt es: er richte den einen als Sündopfer und den anderen als Brandopfer her. Wie ist dies nun zu erklären? Nur das Blut des Sündopfers geht dem Blute des Brandopfers vor, weil es Sühne schafft, dieGlieder des Brandopfers &c. –
4Sollte doch nur die erste Sprengung vorgehen, die Sühne schafft, die übrigen aber nicht!?
5Rabina erwiderte: Hier wird vom Sündopfer der Leviten gesprochen; dieses gleicht einem Brandopfer, dennoch sagt der Allbarmherzige, daß es vorgehe. Im Westen erklärten sie: Da man mit dem Sprengen begonnen hat, so beende man es auch.
6Sie fragten: Was geht von Blut des Sündopfers und Gliedern des Brandopfers vor: geht das Blut des Sündopfers vor, weil es Sühne schafft, oder gehen die Glieder des Brandopfers vor, weil sie vollständig verbrannt werden? –
7Komm und höre: Das Blut des Sündopfers geht dem Blute des Brandopfers vor; nur dem Blute des Brandopfers geht es vor, nicht aber geht es den Gliedern des Brandopfers vor. –
8Das entgegengesetzte ist aus dem Schlußsatz zu entnehmen: die Glieder des Brandopfers gehen den Opferteilen des Sündopfers vor; nur den Opferteilen des Sündopfers gehen sie vor, dem Blute des Sündopfers gehen sie aber nicht vor. Hieraus ist also nichts zu entnehmen.
9Sie fragten: Was geht von Blut des Brandopfers und Opferteilen des Sündopfers vor: geht das Blut des Brandopfers vor, weil es von einem vollständig zu verbrennenden Opfer kommt, oder gehen die Opferteile des Sündopfers vor, weil sie von einem sühneschaffenden kommen? –
10Komm und höre: Das Blut des Sündopfers geht dem Blute des Brandopfers vor; nur das Blut des Sündopfers geht dem Blute des Brandopfers vor, nicht aber die Opferteile des Sündopfers. –
11Das entgegengesetzte ist aus dem Schlußsatz zu entnehmen: die Glieder des Brandopfers gehen den Opferteilen des Sündopfers vor; nur die Glieder des Brandopfers gehen den Opferteilen des Sündopfers vor, nicht aber das Blut des Brandopfers. Hieraus ist also nichts zu entnehmen.
12Sie fragten: Was geht von Blut des Brandopfers und Blut des Schuldopfers vor: geht das Blut des Brandopfers vor, weil es von einem vollständig zu verbrennenden Opfer kommt, oder geht das Blut des Schuldopfers vor, da es von einem sühneschaffenden kommt? –
13Komm und höre: Das Blut des Sündopfers geht dem Blute des Brandopfers vor; nicht aber das Blut des Schuldopfers. –
14Eigentlich sollte dies vom Blute des Schuldopfers gelehrt werden, da er aber im Schlußsatz lehren will, daß die Glieder des Brandopfers den Opferteilen des Sündopfers vorgehen,
15denn wenn er gelehrt hätte: den Opferteilen des Schuldopfers, so könnte man glauben, sie gehen nur den Opferteilen des Schuldopfers vor, nicht aber den Opferteilen des Sündopfers, so lehrt er es vom Sündopfer. –
16Komm und höre: Das Sündopfer geht dem Schuldopfer vor; nur das Sündopfer geht dem Schuldopfer vor, das Brandopfer aber nicht, und dies bezieht sich ja wahrscheinlich auf das Blut. –
17Nein, auf die Opferteile. Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: weil dessen Blut gesprengt wird. Schließe hieraus.
18DAS SÜNDOPFER GEHT &C. VOR. Im Gegenteil, das Schuldopfer sollte ja vorgehen, denn für dieses ist ein Betrag festgesetzt!? – Trotzdem geht die Bevorzugung hinsichtlich des Altars vor.
19DAS SCHULDOPFER GEHT DEM DANKOPFER &C. VOR. Im Gegenteil, das Dankopfer und der Widder des Nazirs sollten doch vorgehen, denn sie benötigen der Brote!? – Trotzdem geht das Hochheilige vor.
20DAS DANKOPFER UND DER WIDDER DES NAZIRS &C. Im Gegenteil, das Heilsopfer sollte doch vorgehen, denn es wird sowohl von einer Gemeinde als auch von einem einzelnen dargebracht!? – Trotzdem gehen diejenigen, die einen Tag gegessen werden, vor.
21Sie fragten: Was geht von Dankopfer und Widder des Nazirs vor: geht das Dankopfer vor, weil für dieses vier Arten Brote erforderlich sind, oder aber geht der Widder des Nazirs vor, weil mit diesem anderes Blut dargebracht wird? – Komm und höre: jenes geht diesem vor, denn jenes benötigt vier Arten Brote, dieses aber nur zwei Arten Brote.
22DAS SCHULDOPFER GEHT DEM DANKOPFER &C. VOR. Im Gegenteil, das Erstgeborene sollte doch vorgehen, denn es ist heilig vom Mutterschoße aus und darf nur von Priestern gegessen werden!? – Trotzdem ist die Mehrheit der Gebotezu bevorzugen.
23DAS ERSTGEBORENE GEHT &C. VOR. Im Gegenteil, der Zehnte sollte doch vorgehen, denn er überträgt die Heiligkeit auf das Vorangehende und das Folgende!? – Trotzdem geht die Heiligkeit vom Mutterschoße aus vor.
24DER ZEHNT GEHT DEM GEFLÜGELOPFER VOR &C. Im Gegenteil, das Geflügelopfer sollte doch vorgehen, denn es ist hochheilig!? – Trotzdem geht das Schlachtopfer vor.
25Rabina b. Šila sagte: Sind die Opferteile von minderheiligen Opfern vor dem Blutsprengen hinausgekommen, so sind sie untauglich. Und der Autor [unserer Mišna] lehrt dasselbe: weil es ein Schlachtopfer ist und Hochheiliges enthält: das Blut und die Opferteile.
26Allerdings gibt es beim Geflügel keine Opferteile, das Blut aber ist ja auch bei diesem vorhanden? Wahrscheinlich lehrt er uns folgendes: die Opferteile gleichen dem Blute,
27wie das Blut es vor dem Sprengen ist, ebenso auch die Opferteile vor dem Sprengen, und er nennt sie hochheilig; wie nun das Blut durch das Hinausbringen untauglich wird, ebenso werden auch die Opferteile durch das Hinausbringen untauglich.
28Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Wenn das Fleisch von minderheiligen Opfern vor dem Blutsprengen hinausgebracht worden ist, so ist es, wie R. Joḥanan sagt, tauglich, und wie Reš Laqiš sagt, untauglich.
29R. Joḥanan sagt, es sei tauglich, da es später hinausgebrachtwird; Reš Laqiš sagt, es sei untauglich, denn die Zeit des Hinausbringens ist noch nicht herangereicht. Sie streiten also nur über das Fleisch, nicht aber über die Opferteile. –
30Ihr Streit bezieht sich auch auf die Opferteile, nur streiten sie deshalb über das Fleisch, um die Ansicht des Reš Laqiš hervorzuheben, daß er es auch vom Fleische sagt, das später hinausgebracht wird, weil die Zeit des Hinausbringens noch nicht herangereicht ist. –
31Es wäre anzunehmen, daß hierüber folgende Tannaím streiten. Sind die Opferteile von minderheiligen Opfern vor dem Blutsprengen hinausgebracht worden, so gibt es bei ihnen, wie R. Elie͑zer sagt, keine Veruntreuung,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.