Sevachim — Blatt 91a

1Obgleich doch die Zusatzopfer heiligersind. – Erstreckt sich denn die Šabbath[weihe] nur auf das Zusatzopfer und nicht auch auf das beständige Opfer!? -

2Komm und höre: Das Zusatzopfer des Šabbaths geht dem Zusatzopfer des Neumondesvor. – Erstreckt sich denn [die Heiligkeit] des Neumondes nur auf sein Zusatzopfer und nicht auch auf das des Šabbaths!? –

3Komm und höre: Das Zusatzopfer des Neumondes geht dem Zusatzopfer des Neujahres vor. Obgleich doch das des Neujahres heiliger ist. – Erstreckt sich denn die Neujahrs[weihe] nur auf sein Zusatzopfer und nicht auch auf das des Neumondes!?

4Komm und höre: Der Segen über den Wein ist oft und der Segen über die Tages[weihe]ist seltener, und von öfterem und seltenerem geht das öftere vor. Obgleich doch der Segen über die Tages[weihe] heiliger ist. – Erstreckt sich denn die Šabbath[weihe] nur auf den Segen über den Tag und nicht auch auf den Segen über den Wein!? –

5Komm und höre: R. Joḥanan sagte: Die Halakha ist, man verrichte zuerst das Vespergebet und nachher das Zusatzgebet. – Erstreckt sich denn die Šabbath[weihe] nur auf das Zusatzgebet und nicht auch auf das Vespergebet!? –

6Komm und höre: Von einem gestrigen Heilsopfer und einem heutigen Sündopfer oder Schuldopfer geht das gestrige vor. Demnach geht, wenn beide von heute sind, das Sündopfer oder das Schuldopfer vor; obgleich doch das Heilsopfer öfter ist.

7Raba erwiderte: Du sprichst vom Häufigeren, wir aber fragen hinsichtlich des Öfterenund nicht hinsichtlich des Häufigeren.

8R. Hona b. Jehuda sprach zu Raba: Wird etwa das Häufigere nicht auch als öfteres bezeichnet, es wird ja gelehrt: Ich schließe das Pesaḥopfer aus, das nicht öfter vorkommt, und ich schließe nicht die Beschneidung aus, die öftervorkommt!? –

9Unter ‘öfter’ ist zu verstehen, inbetreff der Gebote. Wenn du aber willst, sage ich: dem Pesaḥopfer gegenüber ist die Beschneidung öfter.

10Sie fragten: Wie ist es, wenn eines öfter und eines seltener ist, und man zuerst das seltenere geschlachtet hat: sagen wir, da es bereits geschlachtet ist, sei es darzubringen, oder lasse man jemand das Blut umrühren, bis das öftere dargebracht worden ist, und erst nachher bringe man das seltenere dar!?

11R. Hona aus Sura erwiderte: Komm und höre: Von einem gestrigen Heilsopfer und einem heutigen Sündopfer oder Schuldopfer geht das gestrige dem heutigen vor; demnach gehen das Sündopfer und das Schuldopfer vor, wenn sie von heute sind und dem gestrigen gleichen,

12wenn man nämlich das Heilsopfer zuerst geschlachtet hat. –

13Vielleicht gilt der Fall vom gestrigen Heilsopfer und dem heutigen Sündopfer oder Schuldopfer nur dann, wenn beide geschlachtetsind, wenn aber nicht beide geschlachtetsind, so ist es fraglich. –

14Komm und höre: Eine andere Erklärung: der Segen über den Wein ist öfter und der Segen über die Tages[weihe] ist seltener, und von öfterem und seltenerem geht das öfterevor. –

15Hierbei ist es, da erbereits vorhanden ist, ebenso, als wären beide geschlachtet. –

16Komm und höre: R. Joḥanan sagte: Die Halakha ist, man verrichte zuerst das Vespergebet und nachher das Zusatzgebet. – Hierbei ist es ebenfalls, da die Zeit des Vespergebetes bereits herangereicht ist, ebenso als wären beide geschlachtet.

17R. Aḥa, Sohn, des R. Aši, sprach zu Rabina: [Es wird gelehrt:] Hat man esvormittags geschlachtet, so ist es untauglich, denn es heißt:gegen Abend; wenn vor dem beständigenOpfer, so ist es tauglich, und jemand rühre das Blut um, bis das Blut [des beständigen Opfers] gesprengt ist. –

18Hier handelt es sich um den Fall, wenn man das beständige Opfer bereits geschlachtet hat. R. Aḥa der Greis sprach zu R. Aši: Dies geht auch aus jener Lehre hervor, denn es heißt: bis das Blut des beständigen Opfers gesprengt ist, es heißt aber nicht: bis es geschlachtet und das Blut gesprengt ist. Schließe hieraus.

19DIES ALLES DÜRFEN DIE PRIESTER &C. AUS welchem Grunde? – Die Schrift sagt:zum Salben, vornehm, wie Königeessen.

20R. ŠIMO͑N SAGTE: ŠIEHST DU ÖI. IM TEMPELHOFEVERTEILEN, SO BRAUCHST DU NICHT FRAGEN, WELCHES BEWENDEN ES DAMIT HABE; ES IST VOM SPEISOPFERFLADEN EINES JISRAÉLITEN ODER VOM LOG [ÖL] EINES AUSSÄTZIGEN ZURÜCKGEBLIEBENES.

21SIEHST DU ÖL AUF DAS ALTARFEUERTUN, SO BRAUCHST DU NICHT FRAGEN, WELCHES BEWENDEN ES DAMIT HABE; ES IST VOM SPEISOPFERFLADEN DER PRIESTER ODER VOM SPEISOPFER DES GESALBTEN PRIESTERS ZURÜCKGEBLIEBENES, DENN MAN SPENDET KEIN ÖL, R. TRYPHON SAGT, MAN SPENDE AUCH ÖL.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.