Sevachim — Blatt 91b
1GEMARA. Šemuél sagte: Nach der Ansicht desjenigen, welchersagt, man spende Öl, hebe man den Haufen abund das Zurückbleibende werde gegessen. – Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt:ein Speisopfer, dieslehrt, daß man Öl freiwillig spenden könne, und zwar gleich einem Speisopfer, von dem der Haufe abgehoben und das Zurückbleibende gegessen wird.
2R. Zera sagte: Auch wir haben demgemäßgelernt: R. Šimo͑n sagte: Siehst du Öl im Tempelhofe verteilen, so brauchst du nicht fragen, welches Bewenden es damit habe; es ist vom Speisopferfladen eines Jisraéliten oder vom Log [Öl] eines Aussätzigen zurückgebliebenes, denn man spendet kein Öl. Demnach wird es verteilt nach demjenigen, welcher sagt, man spende es.
3Abajje sprach zu ihm: Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: siehst du Öl auf das Altarfeuer tun, so brauchst du nicht fragen, welches Bewenden es damit habe; es ist vom Speisopferfladen der Priester oder vom Speisopfer des gesalbten Priesters zurückgebliebenes, denn man spendet kein Öl. Demnach wird es nach demjenigen, welcher sagt, man spende es, vollständig auf das Altarfeuer getan. Gegen Abajje ist der Anfangsatz und gegen R. Zera ist der Schlußsatz als Einwand zu erheben!?
4Allerdings ist nach R. Zera zu erklären, der Anfangsatz spreche vom Zurückbleibendenund der Schlußsatz vom Haufen, aber gegen Abajje besteht ja ein Einwand. – Er lehrt den Anfangsatz wegen des Schlußsatzes. –
5Allerdings kann ein Schlußsatz wegen des Anfangsatzes gelehrt werden, wieso aber kann ein Anfangsatz wegen des Schlußsatzesgelehrt werden!? – Freilich, im Westen sagten sie, der Anfangsatz werde wegen des Schlußsatzes gelehrt. –
6Komm und höre: Der Wein kommt nach R. A͑qibain die Beckenund das Öl nach R. Tryphonauf das Altarfeuer. Wie nun der Wein vollständig in die Becken kommt, ebenso kommt auch das Öl vollständig aufs Altarfeuer!? – Wieso denn, dies so und jenes anders.
7R. Papa sagte: [Hierüber streiten] folgende Tannaím: Nicht weniger als ein Log; Rabbi sagt, als drei Log. Worin besteht ihr Streit? Die Jünger sprachen vor R. Papa: Ob man etwas in jeder Beziehung folgere oder man es folgere und bei seiner Bestimmunglasse.
8Die Rabbanan sind der Ansicht, wie man ein Speisopfer spenden kann, ebenso kann man auch Ölspenden,
9und der andere vergleicht esmit dem Gußopfer: beim Öl sind wie bei diesem drei Log erforderlich, und ebenso vollständig für das Altarfeuer.
10R. Papa sprach zu Abajje: Würde Rabbi [die Ölspende] vom Speisopfer gefolgert haben, so wäre er ebenfalls der Ansicht, daß sie diesem in jeder Beziehung gleiche; er folgert sie aber [durch das Wort] Eingeborener.
11R. Hona, Sohn des R. Nathan, sprach zu R. Papa: Wieso kannst du dies sagen, es wird ja gelehrt: Opfer, dies lehrt, daß man Öl spenden könne, und es sind drei Log erforderlich. Derjenige, welcher sagt, es seien drei Log erforderlich, ist ja Rabbi, und er folgert es durch [das Wort] Opfer!? Dieser erwiderte: Ist dies gelehrt worden, so ist es gelehrt worden.
12Šemuél sagte: Wer Wein spendet, hole ihn und sprenge ihn aufs Altarfeuer, denn die Schrift sagt:und Wein sollst da zum Gußopfer darbringen, ein ViertelHin, zum wohlgefälligen Gerüche für den Herrn. – Man löscht ja dadurch [das Feuer]!? – Das teilweise Löschen gilt nicht als Löschen. –
13Dem ist ja aber nicht so, R. Naḥman sagte ja im Namen des Rabba b. Abuha, wer eine Kohle vom Altar herabnimmt und sie auslöscht, seischuldig!? – Wenn nur diese eine vorhanden ist. Wenn du aber willst, sage ich: anders ist es, wenn durch das Löschen ein Gebot ausgeübt wird. –
14Komm und höre: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Da die Tora das Abheben [der Asche] angeordnet hat, so könnte man glauben, man lösche [die Kohlen]und hebe sie ab, so heißt es:und erlösche nicht!? – Anders ist es hierbei, denn man kannwarten. –
15Komm und höre: Der Wein kommt nach R. A͑qiba in die Becken und das Öl nach R. Tryphon auf das Feuer. Ferner wird gelehrt: Der Libationswein kommt in die Becken. Vielleicht ist dem nicht so, sondern aufs Altarfeuer? Es heißt: und erlösche nicht!? –
16Das ist kein Einwand; eines nach R. Jehudaund eines nach R. Šimo͑n. – Demnach wäre Šemuél der Ansicht R. Simons, und dem widersprechend sagte Šemuél, man dürfeeine Metallkohle auf öffentlichem Gebiete auslöschen, damit das Publikum nicht zu Schaden komme,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.