Sevachim — Blatt 96b

1Und selbst nach R. Jose b. Jehuda wurden solche zwar aus Holz gefertigt, nicht aber aus Ton.

2R. Jiçḥaq b. Jehuda pflegte zu Rami b. Ḥama zu gehen; einst verließ er ihn und ging zu R. Šešeth. Eines Tages traf ihn jener und sprach zu ihm: Der Fürst hat mich bei der Hand gefaßt und sein Duft blieb an mirhaften. Du gehst zu R. Šešeth und hältst dich für R. Šešeth.

3Dieser erwiderte: Nicht deshalb; wenn ich den Meister etwas fragte, entschied er es mir aus eigener Erwägung, und wenn ich eine [widersprechende] Lehre fand, konnte ich es widerlegen; wenn ich aber R. Šešeth etwas frage, entscheidet er es mir aus einer Lehre, und wenn ich eine widersprechende finde, so sind es zwei [einander widersprechende] Lehren. –

4Frage mich etwas, und ich werde es dir übereinstimmend mit einer Lehre entscheiden. Hierauf fragte er ihn: Ist, wenn man in einem Teile des Gefäßes gekochthat, das Scheuern und Spülenerforderlich oder nicht? Jener erwiderte: Es ist nicht erforderlich, wie dies auch beim Bespritzen der Fall ist. –

5Es gibt ja aber keine damit übereinstimmende Lehre!? Jener erwiderte: Es ist einleuchtend, daß es sich hierbei ebenso wie bei einem Gewände verhält; wie bei einem Gewände nur das Waschen der blutigen Stelle erforderlich ist, ebenso ist auch bei einem Gefäße nur das Scheuern und das Spülen der Stelle, wo gekocht worden ist, erforderlich.

6Dieser entgegnete: Ist es denn gleich; das Blut brodelt nicht, das Gekochte aber brodelt. Ferner wird gelehrt: In mancher Hinsicht ist es beim Waschen strenger als beim Scheuern und Spülen, und in mancher ist es beim Scheuern und Spülen strenger als beim Waschen.

7Beim Bespritzen ist es strenger, denn das Bespritzen gilt bei den inneren und den äußeren Sündopfern, auch wenn es vor dem [Blut]sprengen erfolgt, was beim Scheuern und Spülen nicht der Fall ist.

8Beim Scheuern und Spülen ist es strenger, denn das Scheuern und Spülen ist erforderlich sowohl bei Hochheiligem als auch bei Minderheiligem, und hat man in einem Teile des Gefäßes gekocht, so benötigt das ganze Gefäß des Scheuerns und Spülens, was aber beim Bespritzen nicht der Fall ist.

9Jener erwiderte: Ist dies gelehrt worden, so ist es gelehrt worden. – Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt:wenn es in einem kupfernen Gefäße gekocht wird, selbst in einem Teile eines Gefäßes.

10OB HOCHHEILIGES &C. Die Rabbanan lehrten: Sündopfer, ich weiß dies vom Sündopfer, woher dies von den übrigen hochheiligen Opfern? Es heißt: hochheilig.

11Man könnte glauben, auch die Hebe sei einbegriffen, so heißt es es, ausgenommen ist die Hebe – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagt, bei Hochheiligem sei Scheuern und Spülen erforderlich, bei Minderheiligem sei Scheuern und Spülen nicht erforderlich. – Was ist der Grund R. Jehudas? – Es heißt: hochheilig, nur Hochheiliges, nicht aber Minderheiliges;

12und da ferner das es nötig ist, um die Hebe auszuschließen, so ist wohl auch beim Minderheiligen das Scheuern und Spülen erforderlich. – Und R. Šimo͑n!? – Er kann dir erwidern: es, wie wir erklärthaben. –

13Ist denn wegen der Hebe das Scheuern und Spülen nicht erforderlich, es wird ja gelehrt: Hat man in einem Topfe Fleisch gekocht, so darf man darin keine Milch kochen, hat man gekocht, ist es bei Geschmacksverleihung [verboten]; in dem man Hebe gekocht hat, darf man kein Profanes kochen, hat man gekocht, so ist es bei Geschmacksverleihung [verboten]!?

14Abajje erwiderte: Dies ist nach einer Lehre des Meisters zu erklären: Hat man in einem Teile des Gefäßes gekocht, so benötigt das ganze Gefäß des Scheuernsund Spülens.

15Raba erwiderte: Dies ist nach einer Lehre des Meisters zu erklären: InWasser, nicht aber in Wein, in Wasser, nicht aber in verdünntem Wein; jene aber auch in Wein und auch in verdünntem Wein.

16Rabba b. U͑la erwiderte: Dies ist nach einer Lehre des Meisters zu erklären: Das Scheuem muß mit heißem [Wasser] und das Spülen mit kaltemerfolgen. –

17Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, scheuem mit heißem und spülen mit kaltem, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, scheuern und spülen mit kaltem!? – Ein weiteres Nachspülen.

18R. TRYPHON SAGT, MAN DÜRFE, WENN MAN DARIN AM BEGINNE DES FESTES GEKOCHT HAT, DARIN WÄHREND DES GANZEN FESTESKOCHEN; DIE WEISEN SAGEN, NUR WÄHREND DER DAUERDES ESSENS. SCHEUERN UND SPÜLEN: SCHEUERN, WIE MAN EINEN BECHER SCHEUERT, SPÜLEN, WIE MAN EINEN BECHERSPÜLT ; SCHEUERN UND SPÜLEN MIT KALTEM [WASSER];

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.