Sevachim — Blatt 97a
1BRATSPIESS UND ROST SIND MIT HEISSEM ZU REINIGEN.
2GEMARA. Was ist der Grund R. Tryphons? – Die Schrift sagt:am Morgen sollst du dich aufmachen und nach deinem Zelte gehen; die Schrift hat das ganze zu einem Morgengemacht.
3R. Aḥadboj b. Ami wandte ein: Gibt es denn am Feste kein Verwerfliches und kein Übriggebliebenes!?
4Wolltest du sagen, dem sei auch so, so wird ja gelehrt: R. Nathan sagte: R. Tryphon sagte esnur in dieser Hinsicht!? –
5Dies ist vielmehr nach R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha zu erklären, denn R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha, jeder Tag sei eine Reinigung des vorangehenden.
6DIE WEISEN SAGEN, NUR WÄHREND DER DAUER DES ESSENS &C. Wie ist dies zu verstehen? R. Naḥman erwiderte im Namen des Rabba b. Abuha: Man warte die Dauer des Essens ab, und erst dann scheuere und spüle man es. –
7Woher dies? R. Joḥanan erwiderte im Namen des Abba Jose b. Abaj: Es heißt:scheuern und abspülen, und es heißt:jeder Mann unter den Priestern darf es essen; was besagt dies? Man warte die Zeit des Essens ab, und erst dann scheuere und spüle man es.
8SCHEUERN, WIE MAN EINEN BECHER SCHEUERT, SPÜLEN, WIE MAN EINEN BECHER SPÜLT. Die Rabbanan lehrten: Scheuern und spülen mit kaltem [Wasser] – so Rabbi; die Weisen sagen, scheuern mit warmem und spülen mit kaltem.
9Was ist der Grund der Rabbanan? – Wie dies beim Reinigen nichtjüdischer [Geräte] der Fallist. – Und Rabbi!? – Er kann dir erwidern: ich spreche nicht vom Reinigen, ich spreche vom Scheuern und Spülen nach dem Reinigen. –
10Und die Rabbanan!? – Es könnte ja zweimal scheuern oder zweimal spülen heißen, wenn es aber scheuern und spülen heißt, so besagt dies, daß das Scheuern mit warmem und das Spülen mit kaltem zu erfolgen habe. –
11Und Rabbi!? – Hieße es zweimal scheuern, so könnte man glauben, entweder zweimal scheuern oder zweimal spülen, daher heißt es scheuern und spülen, um dir zu sagen, scheuern, wie man einen Becher scheuert, spülen, wie man einen Becher spült.
12HAT MAN DARIN HEILIGES UND PROFANES GEKOCHT, ODER HOCHHEILIGES UND MINDERHEILIGES, SO IST, WENN EINE GESCHMACKSVERLEIHUNG ERFOLGT IST, DAS LEICHTERE NACH VORSCHRIFT DES STRENGEREN ZU ESSEN, AUCH IST DAS SCHEUERN UND SPÜLEN NICHTERFORDERLICH, UND ES MACHT DURCH DIE BERÜHRUNGNICHT UNTAUGLICH.
13BERÜHRT EIN FLADEN EINEN FLADENODER EIN FLEISCHSTÜCK EIN FLEISCHSTÜCK, SO IST NICHT DER GANZE FLADEN, NICHT DAS GANZE FLEISCHSTÜCK VERBOTEN, SONDERN NUR DIE STELLE, DIE ABSORBIERT HAT.
14GEMARA. Wie meint eres? – Wird ein Geschmack übertragen, so ist das Leichtere nach Vorschrift des Strengeren zu essen, auch ist das Scheuern und das Spülen erforderlich, und es machtdurch die Berührung untauglich;
15wird aber kein Geschmack übertragen, so braucht das Leichtere nicht nach Vorschrift des Strengeren gegessen zu werden, auch ist das Scheuern und das Spülen nicht erforderlich, und es macht durch die Berührung nicht untauglich. –
16Zugegeben, daß dieswegen des Hochheiligen nicht erforderlich ist, aber es sollte doch wegen des Minderheiligen erforderlich sein!?
17Abajje erwiderte: Unter ‘nicht erforderlich’ ist zu verstehen, wegen des Hochheiligen, wegen des Minderheiligen aber ist es wohl erforderlich. Raba erklärte: Hier ist die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten, welcher sagt, wegen des Minderheiligen sei das Scheuern und das Spülen nicht erforderlich. –
18Erklärlich ist es nach Raba, daß hier gelehrt wird: oder Hochheiligesund Minderheiliges, wozu aber braucht nach Abajje beides gelehrt zu werden!? –
19Beides ist nötig. Würde er es nur von Heiligem und Profanem gelehrt haben, so könnte man glauben, nur in Profanem gehe das Heiligeauf, weil es eine andere Art ist, nicht aber gilt dies von Hochheiligem und Minderheiligem.
20Und würde er es nur von Hochheiligem und Minderheiligem gelehrt haben, so könnte man glauben, nur Heiliges besitze die Kraft, Heiliges darin auf gehen zu lassen, nicht aber Profanes. Daher ist beides nötig.
21BERÜHRT EIN FLADEN &C. Die Rabbanan lehrten: Alles, was berührt wird, man könnte glauben, auch wenn es nicht absorbiert hat, so heißt es: mit seinem Fleische,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.