Sota — Blatt 14b
1Er ist der Ansicht, daß man sie vorher trinken lasse und nachher ihr Opfer darbringe; wenn wegen der Rolle, so ist sie ja bereits verwischt worden.
2ALLE SPEISOPFER &C. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen; Bei den Speisopfern besteht folgende Ordnung. Man bringe sein Speisopfer aus der Wohnung in einem silbernen oder goldenen Korbe, lege es in ein Dienstgefäß, heilige es im Dienstgefäße, tue dazu das Öl und den Weihrauch und reiche es dem Priester. Der Priester bringt es zum Altar und stellt es auf den südwestlichen Winkel, gegen die Kante des Horns, und dies genügt.
3Sodann schiebt er den Weihrauch nach der Seite, hebt eine Handvoll ab von einer Stelle, wo das meiste Öl sich befindet, legt sie in ein Dienstgefäß und heiligt sie im Dienstgefäße; den Weihrauch klaubt er zusammen, legt ihn darauf und räuchert ihn in einem Dienstgefäße auf. Hierauf salzt er [die Handvoll] und legt sie auf das Feuer.
4Ist die Handvoll dargebracht worden, so darf das Zurückbleibende gegessen werden. Die Priester dürfen darin Wein, Öl und Honig hineintun, nur säuern dürfen sie es nicht.
5Hier wird nun gelehrt: in einem silbernen oder goldenen Korbe!? R. Papa erwiderte: Lies: in Gefäßen, die als Dienstgefäße geeignet sind. —
6Demnach ist ein Weidenkorb ungeeignet, also nicht wie R. Jose b. R. Jehuda, denn es wird gelehrt: Hat man Dienstgefäße aus Holz gefertigt, so sind sie nach Rabbi untauglich und nach R. Jose b. R. Jehuda tauglich. —
7Du kannst auch sagen, nach R. Jose b. R. Jehuda, denn R. Jose b. R. Jehuda sagt es nur von wertvollen, sagt er es etwa auch von minderwertigen!? Hält er etwa nichts [vom Schriftverse:] reiche es doch deinem Statthalter!?
8«Lege es in ein Dienstgefäß, heilige es im Dienstgefäße.» Hieraus ist demnach zu entnehmen, daß die Dienstgefäße nur beabsichtigt heiligen? — Lies: lege es in ein Dienstgefäß, um es durch das Dienstgefäß zu heiligen.
9«Tue dazu das Öl und den Weihrauch.» Denn es heißt:er gieße darüber Öl und lege dazu Weihrauch.
10«Und reiche es dem Priester.» Denn es heißt:und bringe es zu den Söhnen Ahrons &c.
11«Der Priester bringt es zum Altar.» Denn es heißt:und dieser bringe es zum Altar heran.
12«Und stellt es auf den südwestlichen Winkel gegen die Spitze des Horns, und dies genügt.» Woher dies? —
13Es heißt:dies ist das Gesetz des Speisopfers; die Söhne Ahrons sollen es vor den Herrn bringen, an die Vorderseite des Altars. Hierzu wird gelehrt: Vor den Herrn, man könnte glauben, in der Westseite, so heißt es: an die Vorderseitedes Altars; wenn an die Vorderseite des Altars, so könnte man glauben, in der Südseite, so heißt es: vor den Herrn. Wie ist dies nun zu erklären? Er bringe es zum südwestlichen Winkel, gegen die Kante des Horns, und dies genügt.
14R. Elea͑zar sagte: Man könnte glauben, daß man es zur westlichen oder zur südlichen Seite des Horns bringe, so ist zu erwidern: wenn du zwei Schriftverse findest, von denen der eine sich selbst und auch einen anderen aufrecht erhält, und der andere sich selbst aufrecht erhält und jenen aufhebt, so lasse man den, der sich selbst aufrecht erhält und den anderen aufhebt, und halte sich an den, der sich und den anderen aufrecht erhält. Wenn du sagst: vor den Herrn, in der Westseite, so hast du aufgehoben [die Worte:] an die Vorderseite des Altars, in der Südseite; wenn du aber sagst: an die Vorderseite des Altars, in der Südseite, so hältst du aufrecht [die Worte:] vor den Herrn, in der Westseite. [Wie mache er es? Er bringe es zur Südseite des Horns.] —
15Wieso hältst du sie aufrecht? R. Aši erwiderte: Dieser Autor ist der Ansicht, der ganze Altar habe auf der Nordseitegestanden. —
16Was heißt: dies genügt? R. Aši erwiderte: Dies ist nötig; man könnte glauben, es sei das Heranbringen des Speisopfers selbstnötig, so lehrt er uns. —
17Vielleicht ist dem auch so!? — Die Schrift sagt:er reiche es dem Priester und dieser bringe es zum Altar heran; wie das Reichen dem Priester in einem Gefäße, ebenso das Heranbringen zum Altar in einem Gefäße.
18«Sodann schiebt er den Weihrauch nach einer Seite.» Damit er nicht mit dem Haufen abgehoben werde, denn wir haben gelernt, daß, wenn ihm beim Abheben des Haufens ein Steinchen, ein Salzkorn oder ein Stück Weihrauch in die Hand gekommen ist, er untauglich sei.
19«Hebt eine Handvoll ab von einer Stelle, wo das meiste Öl sich befindet.» Woher dies? — Es heißt:von seinem Mehl und seinem Öl, von seinem Schrote und seinem Öl.
20«Legt sie in ein Dienstgefäß und heiligt sie im Dienstgefäße.» Wozu dies, er hat sie ja bereits einmalgeheiligt!? — Wie beim Blute; das Blut wird im Halse des Viehs durch das Messergeheiligt, dennoch ist es wiederum durch das Dienstgefäß zu heiligen, ebenso auch dieses.
21«Den Weihrauch klaubt er zusammen, legt ihn darauf.» Denn es heißt:und den ganzen Weihrauch, der sich auf dem Speisopfer befindet.
22«Und räuchert ihn in einem Dienstgefäße auf.»
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.