Sota — Blatt 22a
1zwar die Schrift gelesen und die Mišna studiert, jedoch nicht bei Schriftgelehrten famuliert hat.
2Es wurde gelehrt: Wenn jemand die Schrift gelesen, die Mišna studiert und nicht bei Schriftgelehrten famuliert hat, so ist er, wie R. Elea͑zar sagt, ein Mensch aus dem gemeinen Volke, wie R. Šemuél b. Naḥmani sagt, ein leererMensch, wie R. Jannaj sagt, ein Samaritaner,
3und wie R. Aḥa b. Ja͑qob sagt, ein Magier. R. Naḥman b. Jicḥaq sagte: Die Ansicht des R. Aḥa b. Ja͑qob ist einleuchtend, denn die Leute pflegen zu sagen: Der Magier murmelt und weiß nicht, was er redet, der Jüngerlehrt und weiß nicht, was er spricht.
4Die Rabbanan lehrten: Ein Mensch aus dem gemeinen Volkeist derjenige, der nicht morgens und abends das Šema͑ mit den dazu gehörigen Segenssprüchenliest – so R. Meír. Die Weisen sagen, der keine Tephillin anlegt. Ben A͑zaj sagt, der keine Çiçith an seinem Gewande hat. R. Jonathan b. Joseph sagt, der Söhne hat und sie nicht für das Studium der Tora erzieht. Manche sagen, selbst wenn einer die Schrift gelesen, die Mišna studiert, aber nicht bei Schriftgelehrten famuliert hat, sei er ein Mensch aus dem gemeinen Volke.
5Wer die Schrift gelesen, aber die Mišna nicht studiert hat, ist ein leerer Mensch. Wer aber weder die Schrift gelesen noch die Mišna studiert hat, über den spricht die Schrift:ich will das Haus Jisraél und das Haus Jehuda säen. Menschensamen und Viehsamen.
6Fürchte den Herrn, mein Sohn, und den König; mit Veränderlichen laß dich nicht ein. R. Jiçḥaq sagte: Dassind diejenigen, die [nur] Halakhoth lernen. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, die eine Sünde wiederholen, und zwar nach einer Lehre R. Honas, denn R. Hona sagte, wenn jemand eine Sünde begangen und sie wiederholt hat, erscheine sie ihm als erlaubt, so lehrt er uns.
7Es wird gelehrt: Die Tannaím richten die Welt zugrunde. – ‘Richten die Welt zugrunde’, wie kommst du darauf!? Rabina erwiderte: Sie lehren die Halakha auf Grund ihres eigenen Studiums. Ebenso wird gelehrt: R. Jehošua͑ sagte: Richten sie denn die Welt zugrunde, sie besiedeln ja die Welt, wie es heißt:die Bahnen der Weltfür ihn!? Vielmehr, sie lehren die Halakha auf Grund ihres eigenen Studiums.
8EINE PHARISÄISCHE FRAU &C. Die Rabbanan lehrten: Eine betende Jungfer, eine herumschweifende Witwe und ein Kind, dessen Monate noch nicht voll sind, richten die Welt zugrunde. –
9Dem ist ja aber nicht so, R. Joḥanan sagte ja, Sündenscheu sei von einer [betenden] Jungfer und [Zuversicht auf] Belohnungvon einer Witwe zu lernen!? Sündenscheu von einer Jungfer, denn R. Joḥanan sah einst, wie eine Jungfer aufs Gesicht fiel und betete: Herr der Welt, du hast den E͑dengarten und das Fegefeuer erschaffen, du hast Fromme und Frevler erschaffen; möge es dein Wille sein, daß die Menschen durch mich nicht straucheln.
10[Zuversicht auf] Belohnung von einer Witwe, denn einst sprach R. Joḥanan zu einer Witwe, die ein Bethaus in ihrer Nachbarschaft hatte, jedoch täglich zu ihm ins Bethaus zu kommen pflegte: Meine Tochter, hast du denn nicht ein Bethaus in deiner Nachbarschaft!? Sie erwiderte ihm: Meister, erhalte ich etwa nicht eine Belohnung für die Schritte!? –
11Er spricht von solchen wie Joḥani, Tochter der Reṭibi. –
12Was heißt ‘ein Kind, dessen Monate nicht voll sind’? – Hier erklärten sie, das sei ein Jünger, der gegen seine Lehrer ausschlägt.
13R. Abba erklärte, das sei ein Jünger, der ohne für die Entscheidung mündig zu sein Entscheidungen trifft. R. Abahu sagte nämlich im Namen R. Honas im Namen Rabhs: Es heißt:Viel sind der Erschlagenen, die sie gefällt, hat, zahlreich ihre Hingemordeten, Viel sind der Erschlagenen, die sie gefällt hat, das ist ein Jünger, der ohne für die Entscheidung mündig zu sein Entscheidungen trifft; zahlreich ihre Hingemordeten, das ist ein Jünger, der für die Entscheidung mündig ist, und keine Entscheidungen trifft. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.